wirklich , daß hierin Ähnlichkeit mit der christlichen Barmherzigkeit ist , die Hyazinth übt , indem er seine Bedürfnisse auf das knappste Maß einschränkt - - nicht um Deinen Cigarrenfabrikanten reicher zu machen , sondern um dessen dürftige Arbeiter zu unterstützen , die bei ihrem kargen Tagelohn halb verhungern und , wenn sie krank werden , ganz hilflos sind ! « » Nein , lieber Onkel , das glaub ' ich keineswegs ; aber es war anfangs auch gar nicht die Rede von christlicher Barmherzigkeit , « antwortete Orest , der immer gleich nachgab , wenn ihm eine Sache zu ernst wurde . - Der Graf schlug ihm vor , die Reise nach England mitzumachen und um Verlängerung seines Urlaubs zu bitten . Orest besann sich etwas . Er wußte nicht genau , ob die Reise auch gehörig unterhaltend ausfallen werde . Endlich sagte er zum Grafen : » Ich will ' s nur gestehen , Papachen - ich fürchte , unser Reisegeschmack geht weit auseinander ! was willst Du denn eigentlich in England sehen ? « » Alle Merk- und Sehenswürdigkeiten der drei Königreiche : Natur und Kunst , Fabriken und Parks , Kathedralen und Kottages , Kriegsschiffe , Kristallpalast und alle anderen Kuriositäten - ausgenommen die Gesellschaft in London , weil wir noch in Trauer sind und auch keine Neugier spüren , einen Schwarm von langlockigen Ladies und weißkravattierten Gentlemen beisammen zu sehen . « » Nun , das alles ist mir recht ! aber ich muß einige Zusätze zu Deinem Register machen und mir meine freien Allküren für dieselben ausbedingen , und zwar zuerst Epsom , Askot , Tattersal . « » Nicht mehr wie billig ! dabei bin ich auch . « » Dann - die Oper , überhaupt Theater . « » Ganz richtig ! Etwas davon werd ' auch ich in Augenschein nehmen . Aber die Mädchen sind nicht dazu zu bewegen , d.h. Regina nicht . Corona allein hätte vielleicht Lust dazu ; aber ohne Regina tut sie es nicht und die geht nun einmal nicht in ' s Theater . « » Originell das ! Die ganze elegante und gebildete Welt strömt ja in ' s Theater , kann ohne Loge so wenig existieren wie ohne Dach und Fach , hat nichts zu sprechen und nichts zu denken , wenn sie kein Schauspiel zu sehen hat ! Ich spreche nicht von uns - denn das versteht sich von selbst ; sondern auch von den Damen . Was sagt sie denn eigentlich dagegen - diese sonderbare Regina ? « » Sie sagt , alle Geistesmänner und Lehrer des innern Lebens erklärten einstimmig den Theaterbesuch für gefährlich und verderblich , weil das Schauspiel gefährliche Leidenschaften mit allem Zauber der Kunst und allem Blendwerk der Phantasie ausstatte und darstelle . « » Da hat sie wahrhaftig ganz Recht ! aber eben darin besteht der ungeheure Reiz der Bühne : sie idealisiert dermaßen das Verbotene , daß es unwiderstehlich erscheint . « » Solche Behauptung würde Regina Sünde nennen , und umsomehr bei ihrer Weigerung beharren . Sie ist nun einmal aus ganz besonderem Stoff ! Weil ein alter Erzbischof , der Johannes Chrysostomus hieß und vor fünfzehnhundert Jahren in Konstantinopel lebte , gesagt hat : das Schauspiel sei ein Überrest des entsittlichten Heidentums und wütende Schaulust verrate heidnische Gesinnung ; so nimmt sie das auf , wie das Evangelium . Im Grunde hat sie Recht ! Das Theater ist nichts für junge Mädchen - nicht einmal die sogenannten klassischen Stücke , wie z.B. Emilia Galotti . Regina würde es empörend für Vernunft und Herz finden , daß sich die Heldin von ihrem Vater erdolchen läßt , um nicht in Liebesschlingen zu geraten ; und , beim Licht besehen , muß ich wieder sagen : sie hat Recht . « » Ja , « sagte Orest , » das ist mir nicht auffallend , denn Regina ist klug und so kann sie wohl das Richtige leicht erkennen ; daß sie aber nun auch felsenfest danach handelt , während sie rings umher sieht , daß die ganze Welt es anders macht - darüber muß ich staunen . In mir ist nun einmal die heidnische Gesinnung stark entwickelt , nach der Ansicht des alten Johannes - wie hieß er weiter ? und ich bin ein rasender Liebhaber der Bühnenwelt , verspreche mir auch Brillantes von ihr während einer Season in London . « » Sei versichert , « sagte der Graf , » daß ich Dich durchaus nicht in Deinem Vergnügen stören werde . « - Und so war die Sache abgemacht ; man ging im hohen heißen Sommer nach London , wo der Graf in demjenigen Teil des Westendes , der Belgravia genannt wird , und der fast ganz für Fremde eingerichtet ist , ein komfortables Haus nach englischer Sitte einnahm und allein bewohnte - eine Sitte , die allerdings etwas kostspielig , aber ungemein bequem ist . Man ist zu Hause , lebt ruhig und ungestört ohne Gasthofstumult , ohne lästige Zimmernachbarn , ohne das wilde Heer halbtotgehetzter Kellner , und richtet sich ein , wie man es gewohnt ist . Orest hatte sich nicht umsonst seine » freien Allüren « ausgebeten . Er fand in London einen ganzen Schwarm von Bekannten und guten Freunden , mit denen er sich vortrefflich unterhielt , ohne an » der Besichtigungskampagne aller Merkwürdigkeiten « - wie er sich ausdrückte , Anteil zu nehmen . » Solchen Strapazen für nichts und wieder nichts bin ich nicht gewachsen ! « versicherte er . » Ich kann viel aushalten - aber dies ewige Stehen und Stehen und zwei Schritte gehen und wieder Halt machen , nein ! das macht mich kaput . Und wenn ich nun im Tower die Kronjuwelen , wie wilde Tiere hinter Eisengitter - und in der Münze die Prägung eines Sovereigns , der nicht mir gehört , gesehen habe - was hab ' ich davon ? mein Herz bleibt leer . « Corona lachte und sagte in dem