um nicht von ihm erkannt zu werden - und nun war es doch geschehen . Als sie um sich sah , fielen ihre Augen auf die giftigen Blicke der Hallerin , die sie in ihrer Nähe in einer aufgeputzten , aber geschmacklosen Maske einer jüdischen Königin erkannte - und Elisabeth ahnete richtig , daß diese es war , welche Streitberg dazu verholfen sie zu erkennen . Elisabeth fühlte sich unfähig ein Wort zu erwiedern - doppelt , da sie von ihrer Feindin sich beobachtet und belauscht sah ; wenn sie nicht antwortete , konnte Streitberg doch vielleicht nachdenken , er habe sich getäuscht - sie ergriff den Arm eines Spielmannes , der eine Harfe im Arm eben an ihr vorüberkam , und sagte ihre Stimme verändernd : » Die Spielleute gehören zusammen ! « und zog ihn mit sich in den Kreis der Tanzenden . Streitberg aber gab seinen Arm einem zierlichen Blumenmädchen und rief Elisabeth nach : » Seid ohne Furcht - mich gelüstet nicht mehr nach Eurer Schönheit , die vor zehn Jahren sich mir bot ; aus den Sternen kann ich ' s Euch weissagen , daß Ihr von der Liebe nichts mehr zu fürchten habt , sondern nur noch von dem Haß . « In diesem Augenblick erklang lärmende Janitscharenmusik und ein großer Aufzug kam in den Saal . An seiner Spitze ein prächtig gekleideter Pascha , ihm nach eine ganze Schaar von Sarazenen . Einige , die den Zug als türkische Leibwache geleiteten , machten ihm durch das Maskengewühl Platz , so daß er gerade der Tribüne zuschritt , vor welcher eben Ursula zwischen dem Bären und Löwen stand . Der Pascha schlug den beiden Ungeheuern die Köpfe ab - und da es geschehen , sprangen ein paar Narren aus den Thierhüllen und suchten die Zuschauer durch allerlei Purzelbäume zu belustigen . Die Türken mit den musicirenden Janitscharen schlossen einen Halbkreis um ihren Pascha , der vor Ursula knieete und in sprechenden Pantomimen zur Belohnung für seine Heldenthat um ihre Hand flehte . Ursula erkannte Stephan in dem vor ihr Knieenden , und war dadurch nur um so mehr bestürzt über diese ganze Scene , in der sie so öffentlich und ahnungslos zur Heldin einer halb ernsten , halb komischen Aufführung gemacht worden war , wie sie dem Geschmack der damaligen Zeit entsprach . Diese öffentliche Schaustellung verletzte nicht nur die schüchterne Jungfrau , sondern erschreckte und quälte sie auch : denn was würden die Väter - was würde ganz Nürnberg dazu sagen ? Nun war gewiß für sie und Stephan Alles verloren ! - In diesem Augenblick schlug es Mitternacht , und der Ceremonienmeister verkündete nach einem Tusch der Spielleute , daß alle Masken , Vermummungen und Bärte verschwinden müßten . Alle leisteten Folge - auch Ursula - aber ohne den Schleier zu heben ; Stephan hielt die Zitternde an seiner Hand , und indem auch er die Maske abnahm , führte er sie vor den König Max , der sich von seinem thronartigen Sitz erhoben hatte und das Paar zu sich winkte . » Der Maskenscherz ist vorbei ! « begann der König ; » weil mir aber die letzte Vorstellung gar absonderliches Vergnügen gewährt , so möchte ich , daß ihr Verfasser und Hauptdarsteller , unser getreuer Kriegshauptmann Ritter Stephan von Tucher sich eine Gunst erbäte , die wir ihm gewähren könnten , und richten dasselbe Verlangen an die Heldin des Stückes , Jungfrau Ursula Muffel . « Das Paar knieete vor den König nieder und Stephan sprach : » So flehe ich die königliche Majestät mein Brautwerber zu sein bei dieser edlen Jungfrau und bei ihrem Vater ! « » Und was meint Ihr dazu ? « fragte der König die erglühende Braut . Sie wagte kein Auge aufzuschlagen und lispelte : » So möge Euer Majestät die Väter uns und einander versöhnen . « Von gleichem Ingrimm ergriffen waren Hans Tucher und Gabriel Muffel herbeigeeilt , da sie die Namen ihrer Kinder nennen hörten , und beide ihren Ohren nicht trauten - sich zu verkleiden hatten die Rathsherren unter ihrer Würde gefunden , sie waren in ihrer besten Amtstracht und hatten nur vorher Larven getragen . Der König winkte sie zu sich und sagte : » Wie diese Beiden den deutschen König nicht vergebens gebeten haben , so werdet auch Ihr , gestrenge Rathsherren , uns und sie nicht vergebens bitten lassen , und nicht im Eigensinn gegen Euer eigen Fleisch und Blut wüthen , sondern das liebende Paar einander verloben , wie ich es selbst verlobe . « Wie widerstrebend auch und mit welchen mürrischen Blicken , die Nürnberger Rathsherren hatten doch so viel Respect vor König Max und noch mehr vor dem öffentlichen Auftritt , daß sie gute Miene zum bösen Spiele machten . Muffel sagte : » Ich habe nichts dagegen , wenn nicht Herr Tucher widerstrebt . « Und dieser erwiederte : » Wenn seine Majestät die Wahl meines Sohnes billigen kann , so hebt das mein Bedenken auf « - und er warf doch dabei einen vielsagenden und verächtlichen Blick auf Muffel . Stephan umarmte den künftigen Schwiegervater , und als der alte Tucher Ursula ' s weiße Stirn küßte und ihr so nahe in die thränennassen Augen sah , dachte er : Ich glaube wirklich , ich könnte keine sanftere Schwiegertochter bekommen - und das ist auch etwas werth , da er sie mir mit in das Haus bringt . Alle Anwesenden brachten dem neuen Paar ein donnerndes Hoch - der König erklärte , daß die Hochzeit noch stattfinden müsse , so lange er hier sei , und Kurfürst Friedrich von Sachsen erbot sich den Bräutigam in die Kirche zu führen , indeß Graf Ulrich von Würtemberg der Braut das gleiche Anerbieten machte . Elisabeth und ihr Gemahl waren auch herzugekommen . Ursula lehnte sich an die Freundin und flüsterte : » Das ist Dein Werk ! « Elisabeth lächelte und warf einen Blick auf König Max , der ihn mit einem Anflug von