Kommode mit den Gläsern und Kaffeetassen auf der aus bunten Zeugcareaus genähten Decke , an der Hinterwand der Kleiderschrank und ein großer , bequemer und weichgepolsterter Sorgenstuhl vor dem Tisch . In der Ecke hinter der Thür endlich war eine Art von Pritsche oder kurzem breitem Bett , mit alten Decken , einigen schlechten Bettstücken und dergleichen gefüllt , und hier lagen , als der Lichtschein darauf fiel , nicht weniger als fünf Kinder von dem zartesten Alter von kaum einigen Wochen an bis zu etwa drei bis vier Jahren ; dürftige kleine Gesichtchen , denen das Elend und der Mangel an wahrer Pflege aus den hohlen Augen und den magern nackten Gliederchen sah , als der Schein des Lichtes , das ihre Versorgerin jetzt angezündet und auf den Tisch gestellt hatte , durch die Schatten des niedern , dumpfen und ungesunden Gemaches auf sie fiel . Neben dem Himmelbett an der Wand stand eine Wiege von Kiefernholz , rothbraun gebeizt , deren Betten von etwas reinlicherem Ansehen waren , als das allgemeine Lager der unglücklichen Früchte leichtsinniger Stunden oder trauriger Verhältnisse . Ein Rohrgeflecht mit alter Leinwand überzogen , überspannte das Kopfende der Wiege . Auf diese , vom mütterlichen Instinkt getrieben , stürzte die junge Dame zu und warf sich vor ihr auf die Kniee . Ein junges , etwa fünf Monate altes Kind mit einem Engelgesichtchen lag schlafend darin . Der Major war ihr gefolgt , auch das Weib mit der Lampe , deren Schein sie mit der Hand verhüllte , während sie ihn in gemeiner Neugier immer so zu wenden suchte , daß er das Gesicht der durch Kapuze und Schleier Verhüllten treffen sollte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Wir müssen einige Augenblicke in der Erzählung inne halten , um wenige Worte dem traurigen Verhältniß im Allgemeinen zu widmen , das sie uns vorgeführt hat . Es giebt in Berlin eine ganze Klasse von Frauen der unteren Stände , die den Namen » Haltefrauen « führen und ihren Lebensunterhalt dann finden , daß sie mit obrigkeitlicher Genehmigung verlassene Kinder vom zartesten Alter , oft von ihrer Geburt an , gegen ein Entgelt in Pflege nehmen . Diese Kinder sind entweder solche , welche die Armenpflege der Commune die Pflicht hat , unterzubringen , oder jene armen Geschöpfe , deren erstes Lächeln an die Welt mit Thränen begrüßt wird , Kinder der Ueppigkeit , der Verführung , des Augenblicks , der Schuld und der Liebe , - arme kleine Wesen , deren Dasein nach kurzem Rausch meist mit unsäglicher Angst , mit unbeschreiblichen Schmerzen und Demüthigungen erkauft wird , - arme zarte Kinder , die von der Natur den gleichen heiligen Anspruch an die Sorge und Pflege der Mutter haben , und von der bürgerlichen Gesellschaft doch mit Gewalt von der Brust dieser Mutter gerissen werden zu einem Kampf - sie , die Unmündigen , Kraftlosen - um Leben und Dasein mit der Barmherzigkeit oder vielmehr der Unbarmherzigkeit und dem Eigennutz Fremder . Es ist unvermeidlich , - wir wollen nicht sagen natürlich , daß in einer Stadt von fast einer halben Million Einwohnern , in der namentlich Massen junger unverheiratheter und noch heirathsunfähiger Personen zusammengedrängt sind , die unehelichen Kinder sehr zahlreich sind . In Berlin die Schuld auf eines oder das andere Geschlecht zu werfen , ist sehr schwer , die Verführung ist offenbar groß , aber auch die Raffinerie von der anderen Seite war bei der früheren , jetzt geänderten Gesetzgebung ein förmliches Gewerbe . Dennoch ließ sich noch immer zur Ehre der menschlichen Gesellschaft und der allgemeinen Moralität annehmen , daß mindestens die Hälfte dieser armen unschuldigen Wesen die Frucht unbewachter wirklicher Neigung und schwacher , nicht grade verbrecherischer Stunden ist . - In vielen Fällen erlauben es , ist das Unglück geschehen , die Verhältnisse und Einrichtungen der bürgerlichen Gesellschaft nun einmal nicht , daß die armen Kleinen die Pflege der Mütter genießen . Gehören diese den höheren Ständen , - und der Fall ist hier öfter , als die Welt erfährt , - so suchen sie eben den geschehenen Fehltritt aus alle Weise zu verbergen und das Kind von seiner Geburt an außer dem Kreise ihres gewöhnlichen Lebens zu halten . Gehören sie den unteren Klassen , Nähterinnen , Dienstmädchen , die von ihrer Hände Arbeit leben , denen die Zeit das tägliche Brot ist , so sind diese schon um ihrer selbst und des Kindes willen gezwungen , dasselbe sofort in fremde Hände zu geben , um nur möglichst schnell zum Erwerb wieder zurückkehren zu können . Wir haben bereits erwähnt , daß eine große Anzahl von Frauen sich mit der Aufnahme und Haltung dieser Kinder beschäftigt . - Auch mit der Pflege - mit der Aufziehung ? - Es giebt unstreitig unter diesen Frauen viele brave , rechtliche , die ihre Armuth redlich mit den übernommenen Pfleglingen theilen , die nach besten Kräften und Wissen ihre Pflichten lösen . Aber auch die Beste unter ihnen ist noch immer keine Mutter , und führen wir die Sache auf die Grundidee zurück , so ist diese doch immer die Speculation : jene Frauen wollen und müssen sich und ihre Familien von diesen Pfleglingen ernähren . Was diesen entzogen wird , kommt ihnen zu Gute . Haben sie - wie meist der Fall , - noch Nebenbeschäftigungen , so können sie sich unmöglich so um die Kleinen kümmern , wie deren Wohlfahrt es verlangt ; ist es nicht der Fall , so leben sie eben speciell nur von ihnen , und die Vergütigungen , die für den Unterhalt gezahlt werden - 3 , ja bis 11 / 2 Thaler monatlich , - sind spärlich genug , um schon für die Bedürfnisse des Kindes nicht hinzureichen . Kinder , für die über drei Thaler gezahlt wird , werden schon als sogenannte » fette Kinder « betrachtet und den