da man mich nicht länger halb müßig und planlos sehen konnte . Ich war einmal an den Türen des Fabrikgebäudes vorbeigestrichen , wo der eine Gönner hauste . Ein häßlicher Vitriolgeruch drang mir in die Nase , und bleiche Kinder arbeiteten innerhalb und lachten mit rohen Grimassen hervor . Ich verwarf unbedingt die Hoffnungen , die sich hier darboten , und zog es vor , lieber ganz von solchen halbkünstlerischen Ansprüchen fernzubleiben und mich dem Schreibertume entschieden in die Arme zu werfen , wenn einmal entsagt werden müsse , und ich gab mich diesem Gedanken schon geduldig hin . Denn nicht die mindeste Aussicht tat sich auf , bei irgendeinem guten Künstler untergebracht zu werden . Da gewahrte ich eines Tages , wie eine Menge der gebildeten Leute der Stadt in einem öffentlichen Gebäude aus und ein gingen . Ich erkundigte mich nach der Ursache und erfuhr , daß in dem Hause eine Kunstausstellung stattfinde , welche , von einem Vereine mehrerer größerer Schweizerstädte veranlaßt , in diesen bereits ihre Runde gemacht und nun noch durch die kleineren Städte zirkuliere , um auch hier der Kunst mehr Freunde zu gewinnen . Da ich sah , daß nur feingekleidete Leute hineingingen , lief ich nach Hause , putzte mich ebenfalls möglichst heraus , als ob es in die Kirche ginge , und wagte mich alsbald in die geheimnisvollen Räume . Ich trat in einen hellen Saal , in welchem es von allen Wänden und von großen Gestellen in frischen Farben und Gold erglänzte . Der erste Eindruck war ganz traumhaft , große klare Landschaften tauchten von allen Seiten , ohne daß ich sie vorerst einzeln besah , auf und schwammen vor meinen Blicken mit zauberhaften Lüften und Baumwipfeln ; Abendröten brannten , Kinderköpfe , liebliche Studien guckten dazwischen hervor , und alles entschwand wieder vor neuen Gebilden , so daß ich mich ernstlich umsehen mußte , wo denn dieser herrliche Lindenhain oder jenes mächtige Gebirge hingekommen seien , die ich im Augenblicke noch zu sehen geglaubt ? Dazu verbreiteten die frischen Firnisse der Bilder einen sonntäglichen Duft , der mir angenehmer dünkte als der Weihrauch einer katholischen Kirche , obschon ich diesen sehr gern roch . Es ward mir kaum möglich , endlich vor einem Werke stillzustehen , und als dies geschah , da vergaß ich mich vor demselben und kam nicht mehr weg . Einige große Bilder der Genfer Schule , mächtige Baum-und Wolkenmassen in mir unbegreiflichem Schmelze gemalt , waren die Zierden der Ausstellung , eine Menge Genrebildchen und Aquarellen reizten dazwischen als leichtes Plänklervolk , und ein paar Historien und Heiligenscheine wurden kalt bewundert . Aber immer kehrte ich zu jenen großen Landschaften zurück , verfolgte den Sonnenschein , welcher durch Gras und Laub spielte , und prägte mir voll inniger Sympathie die schönen Wolkenbilder ein , welche von Glücklichen mit leichter und spielender Hand hingetürmt schienen . Ich stak , solange es dauerte , den ganzen Tag in dem wonniglichen Saale , wo es fein und anständig herging , die Leute sich höflich begrüßten und vor den glänzenden Rahmen mit zierlichen Worten sich besprachen . Nach Hause gekommen , saß ich nachdenklich umher und beklagte fortwährend mein Schicksal , daß ich auf das Malen verzichten müsse , daß es meiner Mutter durchs Herz ging und sie nochmals eine Rundschau anstellte mit dem Vorsatze , mir meinen Willen zu tun , möchte es gehen , wie es wolle . So trieb sie endlich einen Mann auf die Beine , welcher in einem alten Frauenklösterlein vor der Stadt , wenig beachtet , einen wunderlichen Kunstspuk trieb . Er war ein Maler , Kupferstecher , Lithograph und Drucker in einer Person , indem er , in einer verschollenen Manier , vielbesuchte Schweizerlandschaften zeichnete , dieselben in Kupfer kratzte , abdruckte und von einigen jungen Leuten mit Farben überziehen ließ . Diese Blätter versandte er in alle Welt und führte einen dankbaren Handel damit . Dazu machte er , was ihm unter die Finger kam , sonst noch , riskierte Porträts , fertigte Etiketten und Visitenkarten , Taufscheine mit Taufstein und Paten und Grabschriften mit Trauerweiden und weinenden Genien ; wenn dazwischen ein Unkundiger gekommen wäre und ihm gesagt hätte » Könnt Ihr mir ein Bild malen , so schön es zu haben ist , das unter Kennern zehntausend Taler wert ist ? ich möchte ein solches ! « so würde er die Bestellung unbedenklich angenommen und sich , nachdem die Hälfte des Preises zum voraus bezahlt , unverweilt an die Arbeit gemacht haben . Bei diesem Treiben unterstützte ihn ein tapferes Häuflein Gerechter , und der Schauplatz ihrer Taten war das ehemalige Refektorium der frommen Klosterfrauen . Dessen beide Langseiten waren jede mit einem halben Dutzend hoher Fenster versehen mit runden Scheibchen , welche wohl Licht ein- , aber bei ihrer wellenförmigen Oberfläche keinen Blick hinausließen , was auf den Fleiß der hier waltenden Kunstschule wohltätigen Einfluß übte . Jedes dieser Fenster war mit einem Kunstbeflissenen besetzt , welcher , dem Hintermanne den Rücken zukehrend , dem Vordermanne ins Genick sah . Das Haupttreffen dieser Armee bildeten vier bis sechs junge Leute , teils Knaben , welche die Schweizerlandschaften blühend kolorierten ; dann kam ein kränklicher , hustender Bursche , der mit Harz und Scheidewasser auf kleinen Kupferplatten herumschmierte und bedenkliche Löcher hineinfressen ließ , auch wohl mit der Radiernadel dazwischenstach und der Kupferstecher genannt wurde . Auf diesen folgte der Lithograph ein froher und unbefangener Geist , der verhältnismäßig das weiteste Gebiet umfaßte , nächst dem Meister , da er stets gewärtig und bereit sein mußte , das Bildnis eines Staatsmannes oder eine Wein karte , den Plan einer Dreschmaschine wie das Titelblatt für eine Erbauungsschrift junger Töchter auf den Stein zu bringen mit Kreide , Feder , graviert oder getuscht . Im Hintergrunde des Refektoriums arbeiteten mit breiten Bewegungen zwei schwärzliche Gesellen , der Kupfer- und der Steindruckergehilfe , jeder an seiner Presse , indem sie die Werke obiger Künstler auf feuchtes Papier abzogen . Endlich , im