bringt , oder das alte Einerlei des Zweifels , der getäuschten Hoffnungen , der immer neuen Erwartungen , die nie erfüllt werden ! « » Die Zukunft , gnädige Frau , wird sein wie die Gegenwart , wenn wir sie nicht zu ergreifen verstehen . « » Und wer ergreift diese ! Wir Frauen scheinen wenigstens nicht dazu bestimmt . « » Auch Frauen ergriffen sie und blieben Siegerinnen grade so lange als der Mann es bleibt , das ist so lange als er sich selbst beherrscht . « » Die Enthaltsamkeit soll uns doch nicht zum Siege führen ! « » Die Kraft , das Ziel unverrückt im Auge zu behalten , die Wege , die die kürzesten und sichersten , nie zu verlieren und die Mittel zu handhaben , wie man Rosse zügelt und spornt , deren Natur wir kennen . « » Das ist nur an den Männern . « » Warum ! Der Mann ist bei der Umfassenheit seiner Bildung , Bezüge zum Leben , weit leichter der Verführung ausgesetzt . « » Das sind Paradoxien . « » Nichts weniger . Er ist zugänglicher den Leidenschaften , weil er sie leichter befriedigen kann , dem Ehrgeiz , den Illusionen aller Art ; und giebt er ihnen sich hin , hört er auf zu berechnen , verfolgt er eine Phantasie , ist er schon verloren . Das Weib in seiner anscheinend beschränkteren Sphäre kann ihre ganze Kraft weit leichter auf einen bestimmten Gegenstand concentriren , und wie sie den Mann beherrscht , wenn sie will , warum nicht die Welt ! « » Spötter ! « » Dem Weibe gab die Natur die seine Beobachtungskraft , die wir nur mit unendlicher Anstrengung uns aneignen , die Gabe aus Symptomen , die unserem in die Ferne schweifenden Blick entgehen , Seelenzustände , vergangene und künftige Begebenheiten zu entziffern . Vermag sie ' s , Herrin zu werden über ihre Neigungen , Vorurtheile , ihre Liebe und ihren Haß , ihre Impulse und abergläubischen Vorstellungen ; vermag sie ' s , ihre Bestrebungen , ihre Liebe und ihren Haß auf größere Dinge zu richten , als den Untergang einer Rivalin , die Protektion eines Günstlings , dann , sage ich Ihnen , kann sie mit ihren außerordentlichen Mitteln Großes , Außerordentliches , warum nicht das Größte . « Die Geheimräthin schwieg nachsinnend . Sie hielt es für den Moment geeignet , seitwärts abzuspringen : » Sie wollen die Begeisterung nicht gelten lassen , « sagte sie wieder aufblickend . » Ich kann einen Trunkenen beneiden , aber nur so lange er es ist . « » Damit streichen Sie aus der Geschichte ihre schönsten Thaten . « » Aus der Geschichte nicht , meine Gnädigste . Sie ist ein großes Quodlibet , wo Platz ist für vieles . Nur aus dem Katechismus der Wenigen streiche ich sie , welche wissen , was sie wollen . « » Und wie wenige Größen bleiben dann übrig , « erwiderte die Geheimräthin . » Wenige , aber zum belehrenden Exempel genug Cäsar blieb sich gleich bis zum Gipfelpunkt . « » Und fiel durch Mörderhand . « » Der rohe Zufall liegt außer unserer Berechnung ; er fiel , nachdem er erreicht , was er erstrebt . Und doch vielleicht war ' s auch nicht ganz Zufall . « » Wie hätte Cäsar den Arm des Brutus hemmen können , wenn er keine Ahnung seines Vorsatzes hatte ! « Der Legationsrath lächelte : » Cäsar hatte Vertrauen , wo er nur Argwohn haben durfte . Cäsar war der große Mann , weil er sich selbst Alles verdankte , weil er im Siegerglück nicht glaubte , daß er nun genug gehandelt , daß nun das Schicksal für ihn wieder handeln müsse , weil er nicht , von der eignen Größe trunken , an eine Mission glaubte . Aber er irrte , als er glaubte , daß ein großer Mann auch sogenannte menschliche Regungen haben , daß er , ohne ein bestimmtes Interesse großmüthig sein dürfe . Er durfte nur auf die Schlechtigkeit der Menschen spekuliren , und er spekulirte nur auf ihren Edelsinn . Er , in seiner Lage , durfte nicht hoffen und lieben , nur beobachten und rechnen , und ihm war der Argwohn eine Tugend und Nothwendigkeit . Er schloß das scharfe Auge , er rechnete falsch und vertraute . Ein Cäsar darf auf nichts vertrauen ! « Es trat eine Pause ein . Das Gespräch hatte eine Wendung genommen , die vermuthlich an den Anfang desselben wieder anknüpfte . Man hatte von den Ereignissen des Tages gesprochen , von dem Stern , über den die Meinung sich noch theilen konnte , ob er ein leuchtendes Tages-Gestirn sei oder ein nächtliches Meteor ? » Und er ist Kaiser , « hub die Geheimräthin an , » er hat sich selbst dazu erklärt ! Es liegt etwas so wunderbar die Sinne Berauschendes darin , ein gewesener Artillerielieutenant ! Und die altgekrönten Mächte beeilen sich , ihn anzuerkennen ! « » Sie müssen wohl ! « » Nehmen Sie sich in Acht , Herr Legationsrath . Man darf ihn hier nicht ungestraft in allen Kreisen bewundern . Und Sie besuchen - « » Die verschiedensten , « fiel er rasch ein . Es war das gewesen , wofür der Gast es nahm , ein Klopfen auf den Busch . » Ich bewundere nichts , fuhr er fort , ich beobachte nur , und mein Facit der Anerkennung ziehe ich erst , wenn ich einen Mann am Ziele sehe . « » Wird er es erreichen ? « fragte die Geheimräthin leiser . » Wenn Sie mir sagen könnten , was sein Ziel ist , würde ich versuchen , auf die Frage zu antworten . « » Sein Ziel ! « - die Geheimräthin sah ihn groß an , aber sie verstummte vor seinem abmessenden Blick . Mit einem Seufzer sagte sie : » War es denn ein Verbrechen , in ihm