dem Schloßberge oben bekam er Gefühle , wie ein junger , unter Klosterruinen erzogener Siegwart ! Ein Amerikaner ! Ein praktischer Verstandesmensch ! Schäme dich ! Selmar lachte . Er hatte es schlau angefangen . Erst den Vater durch ein Lob Amerika ' s gewonnen und dann doch seine Meinung gesagt . Dankmar hörte schweigend zu . Er lächelte mit Wohlgefallen und Überraschung . Die gebildeten Äußerungen des Knaben , der freundliche Scherz des geistreichen , plötzlich so fein und unterrichtet sich ausdrückenden Vaters erfreute ihn innigst . Der Träumer trifft dich , Vater , sagte jetzt Selmar , ließ den unruhig zappelnden Bello wieder laufen und hüpfte zu Ackermann heran , ihn zärtlich umfangend . Wie so mich ? Er trifft dich , Vater ! Besinne dich nur auf Gestern ! Erst wolltest du nicht hinauf auf ' s Schloß , weil du wol dachtest , da fallen mir all ' die schönen Mährchen und Geschichten ein , mit denen du und die Mutter mich in der langen trüben Regenzeit in Columbia unterhieltest ! Weißt du noch die Sagen vom Kynast , vom Falkenstein , vom Kyffhäuser und vom Drachenfels ? Immer zanktest du , wenn die Mutter von diesen Geschichten anfing , und sagtest : Laß das dumme europäische Zeug ! Wenn aber die Mutter doch erzählte und nicht recht weiter konnte oder eine Sage nicht mehr recht im Zusammenhange wußte , fielst du ein und erzähltest mehr als sie . Ja , ja ! Aber oben ..... was ist oben auf dem Schlosse gewesen ? Verstell ' dich nicht ! Wie du oben an dem Schlosse warst ... rührte dich Alles , der kleine Pavillon im Garten , die Grotte , die kleinen Wasserfälle , die du , um nur spotten zu können , kleine Fingerhut-Niagaras nanntest ; Und mit der alten Beschließerin und dem weißhaarigen Gärtner , mit dem besonders , hast du gesprochen , als wenn sie Kuno und Kunigunde hießen und seit tausend Jahren da wohnten .... Brigitte , heißt die Alte , Kind ! Das ist ein ganz romantischer Name ! Aber du irrst , mein Junge , die thaten mir ' s nicht an . Jedes dritte Wort war ein Bibelvers . Das können wir in Philadelphia auch haben . Ja ! Das war ' s , was mich ergriff , Kind , die Erinnerung an Philadelphia ..... O du entkommst mir nicht ! sagte der liebliche Knabe , immer zärtlich und dem Vater so treu ins Auge blickend , daß im Vaterauge wirklich eine Thräne der Rührung quoll ; gestern hast du beim Anblick des Schlosses oben eher an die Hängematte eines Negers gedacht , als bei den beiden alten Leuten , die es hüten , an Philadelphia ! Junge , was soll der Herr da von deinem Geschmack denken ? Das alte Rococo-Möbel .. im Commodenstyl ! Wie kann uns das an deutsche Sagen erinnern ! Erzähltest du nicht von der alten Geschichte des Hauses Hohenberg ? Und von den Grafen Bury , die mit ihm verwandt sein sollten ? Und dir gefiel auch das alte Möbel mit seinem geschnörkelten Eisengitter , den vergoldeten Namenszügen und den wunderlichen Fratzen über den Fenstern ! Und wie du erst hineintratest in den Hof .. oben war bunte fröhliche Gesellschaft , .. da schautest du in die Fenster so nachdenklich , so feierlich , als wolltest du dir schon die Stelle aussuchen , wo du deine Bücher hinstellen könntest , hier die deutschen , da die englischen und französischen , und wie du hinaufblicktest auf die Krone , die über dem Giebel des Portales schwebte , da dachtest du dir gewiß : da setz ' ich meinen durchbrochenen Himmelsglobus hin und betrachte mir von seinem Innern aus in schönen Winternächten die Sterne . Wenn keine Krähen drin nisten ! sagte Ackermann und fuhr nach einer Weile fort : Du bist ein Phantast ! Man sieht , daß du von deutschen Ältern stammst und deutsche Ältern ihre eigne Heimathssehnsucht in dich hineingeseufzt haben . Im Gegentheil ! Ich habe Mitleid mit Denen , die sich da oben hinpflanzten und Einsiedler sein wollten . Reuige Menschen zogen oft in die Wüste , aber sie nahmen keinen Spiegel mit , der dazu dienen sollte , sich doch immer noch selbst nicht zu vergessen . Thaten sie es , wie Timon der Menschenhasser , so wollten sie im Spiegel nur ihren Verfall , ihr Elend erblicken . Der Ort da oben kommt mir wie ein Spiegel vor , in dem eine Büßerin beschaut , wie sie bei aller Reue sich doch noch immer schön ausnimmt .... Die Bewohnerin des Schlosses , sagte Dankmar , war die Fürstin Amanda von Hohenberg . Ich weiß es , bemerkte Ackermann ernst und mit auffallender Bestimmtheit . Sie wurde fromm , fuhr Dankmar fort , als sie sich unglücklich fühlte und keine irdische Rettung mehr kannte . Ihr Gatte trug einen berühmten Namen ohne Würde . Er verschleuderte sein Vermögen . Die Arme ließ nichts zurück , als ein gesegnetes Andenken und einen Sohn , der , wenn ich nicht sehr irre , gelernt hat , irdische Auszeichnungen entbehren . Dankmar sprach diese Worte mit fester und doch bewegter Stimme . Er hatte eine so tiefe Achtung vor seinem Reisebegleiter in der Blouse gewonnen , daß er glaubte , hier für ihn einstehen zu müssen , wo seiner unglücklichen Mutter vorgeworfen wurde , sie hätte mit ihrer Frömmigkeit es doch wol nur auf die hergebrachte weibliche Eitelkeit , wenn auch in andrer Form , abgesehen gehabt und es wäre ihre Reue von Selbstzufriedenheit begleitet gewesen . Ackermann wandte sich auf diese Worte plötzlich , blieb einen Augenblick stehen und sah Dankmarn mit fragendem Ernste an . Kennen Sie den Prinzen Egon ? sagte er , hochroth erglühend . Ich kenne ihn ! erwiderte Dankmar mit einer Erregung , die ihm gleichfalls in die Wangen stieg . Ich verbürge mich für ihn ; setzte er entschieden hinzu . Es kennt ihn hier