denn das schadet ihnen und mir Nichts . Das Beste ist aber , daß gleich gar Keiner Lust zum Lesen und Schreiben hat , außer eben dieser Franz , der in seiner Art ein Sonderling ist . « » Er ist vermuthlich gescheid genug , seine communistischen Principien weniger in seinen Büchern zu vertreten , als sie gleich praktisch einzuführen . « » Ich sag ' es Ihnen nochmals , vor diesem Popanz Communismus erschreck ' ich nicht . « » Ich habe mir sagen lassen , daß unter Ihren unverheiratheten Arbeitern ein Verein besteht , welcher auf den Grundsatz der Gütergemeinschaft sich gründet . « Herr Felchner ward jetzt zum ersten Mal aufmerksam und spitzte seine Ohren . Der Geheimrath bemerkte diesen Eindruck seiner Worte und fuhr fort : » Franz hat diesen Verein gestiftet . « » Ich weiß das , und obwohl mir die Sache unnütz vorkam , mogte ich es ihnen doch nicht verbieten , nach ihrer Art zusammenzukommen . Ich weiß , daß sie diesen Verein deshalb gestiftet haben , um lieber zu singen als Karte zu spielen und statt Branntwein Bier zu trinken - das kann mir ziemlich gleich sein , es ist ihre Sache . « » Mein Herr , « sagte der Geheimrath sehr ernst , » Ihr eigenes Wohl hängt davon ab , aber auch das Wohl des Staates , daß der Communismus keine Wurzel fasse - ich hielt es für meine Schuldigkeit , Sie auf das aufmerksam zu machen , was ich erfuhr : durch jenen Verein , welcher Ihnen so unschädlich scheint , haben Ihre Arbeiter den ersten Schritt zur Verwirklichung des Communismus gethan . Es herrscht Gütergemeinschaft unter ihnen , sie helfen einander und stehen Einer für Alle und Alle für Einen - sie singen zusammen Lieder auf eine neue goldne Zeit und Bundeslieder , welche ihren Bund fördern , seine immer größere Ausbreitung und Ewigkeit in Aussicht stellen - sehen Sie dies noch lange Zeit ruhig mit an , so werden Sie es erleben , daß sie einen gleichen Versuch wagen , wie ihre andern Verbündeten die Eisenbahnarbeiter - nur daß etwas Langvorbereitetes auch in seinen Folgen bedeutender ist und sich gar nicht übersehen läßt . « » Meine Arbeiter , « sagte der Fabrikherr , » werden ihre Arbeiten nicht einstellen , um einen höhern Lohn erzwingen zu wollen - sie kennen mich zu gut , sie wissen , daß ihnen dies Nichts helfen würde - dazu sind sie klug genug . « - Noch ein Mal gab sich Herr Felchner , dem aber jetzt gar nicht recht wohl zu Muthe war , eine zuversichtliche und selbstgefällige Miene . » Ja , « sagte der Geheimrath , » ich theile Ihre Ansicht - Ihre Fabrikarbeiter werden es klüger anfangen , als die Eisenbahnarbeiter , denn sie haben die schönste Zeit mit gehöriger Muße in ihren nächtlichen Vereinen ihre finstern Maaßregeln zu prüfen und zu überlegen , was am Besten zu thun sei . Doch ich überlasse Alles Ihrer eignen Klugheit , es war nur meine Schuldigkeit , Sie darauf aufmerksam zu machen , daß , wenn Sie Ihren Arbeitern nicht bald ihre ungesetzliche communistische Verbindung verbieten - die Regierung , welche bereits begonnen hat sie zu überwachen , sich genöthigt sehen wird , zu thun , was Sie selbst unterließen - denn sie darf nicht dulden , daß Andere es zulassen , daß unter ihren Augen der Boden , auf welchem die gesellschaftliche Ordnung ruht , unterwühlt wird . Ich habe die Ehre . mich Ihnen zu empfehlen und bitte meinen guten Willen und meine Freimüthigkeit nicht übel zu deuten ; vielleicht untersuchen Sie wenigstens die Sache genauer - aber was Sie etwa beschließen mögen , so bitte ich nur , alles Aufsehen zu vermeiden , dies könnte nur schaden und Alles verderben . « Der Geheimrath empfahl sich . Herr Felchner war wirklich bestürzt , er geleitete ihn bis zur Thüre und sagte artig : » Ich danke für Ihre Bemühungen in meinem Interesse - eine fernere Antwort behalt ' ich mir vor , bis ich selbst Ihnen meinen Besuch abstatten werde . « Pauline war während dieser ganzen Scene zugegen gewesen ; als das Gespräch auf die arbeitenden Classen gekommen war , hatte sie weiter keinen Theil mehr daran genommen . Sie hatte sich wieder an ihren Stickrahmen gesetzt , sie war so still als möglich gewesen , um ihre Anwesenheit vergessen zu machen . Mit der ängstlichsten Spannung war sie jedem dieser Worte gefolgt , und als Franz Thalheim ' s Name genannt worden , hatte sie vor innerer Aufregung kaum gewagt zu athmen . Die Beschuldigungen , welche gegen ihn vorgebracht wurden , fielen mit Centnerlast auf ihr Herz - sie wußte ihn unschuldig , aber sie zitterte für ihn , wenn ihres Vaters Argwohn geweckt werde , und er war geweckt - sie sah es an seinen Mienen , seinen blitzenden Augen . Sie kannte sein Wesen - daß er plötzlich dem Geheimrath gegenüber , dem er erst beinah Antworten voll verächtlicher Geringschätzung gegeben , verstummte - daß er zuletzt ihn höflich und aufgeregt beim Abschied hinaus begleitete - daß er jetzt von der Thüre zurückkommend mit ineinander geschlagenen Armen im Zimmer mit langen Schritten heftig hin und her rannte - das waren böse Zeichen ! Sie stand auf und warf ängstlich fragende Blicke auf ihn . » Schenk mir ein Glas Wein ein , « rief er ihr jetzt zu , » mir ist , als bekäm ' ich Schwindel - diese verdammte Spürnase - mir ist , als wenn ich plötzlich in einen offnen Abgrund sähe , der mich hinabzöge und all ' mein Hab und Gut - und auch Dich mein Kind . « Sie reichte ihm das Glas : » Setze Dich , lieber Vater , « bat sie , » Du bist so aufgeregt . « Er setzte sich und nahm ihre Hand , sie streichelte ihm mit kindlichem Lächeln die Stirn , wie um ihn