, Gutes , Schönes - aber stets ganz unbestimmt ; auf die letzten sehr bestimmt , fast hart , wie ich sie nie gehört : » Von dem weiß ich nichts , und Niemand weiß von ihm ! - Armes Kind , Du lebst durch seine Sünde . « Einen furchtbaren Eindruck machten mir diese Worte und dieser Ton auf den Lippen meiner guten zärtlichen Pflegemutter . » O ! rief ich , was hab ' ich für ein verfluchtes Dasein ! der Vater sündhaft und unbekannt , die Mutter im Kloster büßend ! könnt ' ich doch lieber sterben als solchen Gram und solche Schmach mit mir herumtragen ! « .... - - » Sprich nicht so , Fidelis ! unterbrach sie mich liebevoll . Wie Du geboren bist - dafür hast Du nicht Rechenschaft abzulegen . Wie Du lebst - dafür , mein Kind ! Sind Andre schwach gewesen , so nimm es Dir zur Warnung und sei um desto stärker ; sind sie gefallen , so hüte Dich zu straucheln ; haben sie gesündigt , so bleibe Du gottgefällig und gottgetreu . « Wie Morgenthau nach einer versengenden schwülen Sommernacht fielen diese guten klaren Worte in mein Herz und beschwichtigten die Extasen welche dasselbe neben meiner Mutter und bei dem Gedanken an sie durchzitterten . Ich legte meine beiden Hände auf ihre Schultern , sah dankbar in ihre unaussprechlich guten Augen und sagte : » Mutter ! Du bist meine Mutter , Du verstehst , Du tröstest , Du belehrst mich , Du weißt wie mir zu Muth ist ! sie weiß es gar nicht , die betende büßende Heilige hinter ihrem Kerkergitter - aber .... ich liebe sie doch ! « » Liebe sie , Fidelis , ich gönne es ihr und Dir ! « sagte meine Pflegemutter . Mit grenzenlosem Eifer gab ich mich fortan dem Studium und der praktischen Uebung der Musik hin . Sie war meine Vocation und in jeder Weise wollt ' ich mich für sie ausbilden . Da ich mir durch sie nicht blos den zukünftigen Ruhm - sondern für näherliegende Zeiten auch Unterhalt und Fortkommen verschaffen mußte , so versuchte ich Unterricht zu geben - und auch das gelang . Mein Pflegevater war karg mit Lob ; aber er mußte mich loben . Mein Talent begann sich zu emancipiren , selbständig zu werden . So jung ich war hatte ich doch schon einen unwandelbaren Entschluß gefaßt und eine bestimmte Richtung ergriffen : das ist die Basis aller Selbständigkeit . Mein rastloser Fleiß und meine geliebten Arbeiten brachten mich über die unruhvolle Epoche des Eintritts in die Jünglingsjahre hinweg . All die drängenden gährenden Kräfte brauchte ich als Sporn für meinen Eifer , als Stärkung für meinen Willen . Wie im Sturm ward ich vorwärts getrieben . Mit Pater Melchior hatte ich häufige , lange Gespräche an denen ich aufrichtige Freude hatte , sobald sie sich nicht meinem in Frage stehenden geistlichen Beruf zuwendeten , was immer seltner geschah . Ich war nicht blos religiös , sondern durch und durch gläubig . Mit inbrünstiger Andacht hing ich an den Lehren der Kirche , und sie selbst , diese heilige Kirche war für mich den Einsamen , den Ausgestoßenen , so recht die heimatliche Freistätte auf Erden in deren Schooß ich die Gemeinschaft mit allem Geliebten fand . Mein Herz faßte all ihre süßen und tiefsinnigen Mysterien , ihre Wunder , ihre Opfer , ihre Gnadenmittel mit Liebe auf , und weil ich mich in Liebe ihnen hingab , so erquickten sie mich unsäglich und bildeten mir eine Himmelsleiter auf der ich schüchtern und selig heilige Boten wandeln sah , die mein armes dürftiges strebendes Wesen mit dem Allerreinsten und Allerhöchsten in eine ebenso geheimnißvolle als gewisse Verbindung brachten . Aber Priester wollte ich nicht werden . Ich fühlte mich dazu nicht stark , nicht selbstlos genug . Er - unter dessen Gebeten das Sacrament des Altars sich vollzieht ; er - in dessen Ohr Tausende von Sündebeladenen , von Gramgebeugten das Elend und die Aengste ihrer Seelen durch die Beichte ausschütten ; er - der über alle Trauer- und Freudenfeste unsers Lebens Worte des Heils und des Segens ruft und selbst ein Fremdling bleibt in den Wonnen und Schmerzen zu denen er weiht ; er muß sich durch Gott selbst zu seinem erhabenen Amt berufen fühlen - und dieser Ruf war nicht an mich ergangen . Das Alles erklärte ich dem Pater Melchior öfters mit dem Ton warmer Ueberzeugung und Wahrhaftigkeit , und ich durchdrang ihn dermaßen mit meiner Unerschütterlichkeit , daß er mir unaufgefodert die Zusage gab : er selbst wolle meine Mutter zu bewegen suchen ihren frommen Wünschen für mich eine andre Richtung zu geben . So wurde ich siebzehn Jahr alt , als ich wieder mit Pater Melchior nach Prag berufen wurde . Mit gefaßter ernster Sammlung ging ich diesem Wiedersehen entgegen . Zu jedem Opfer der Liebe war ich entschlossen - nur nicht zu dem Einen . So stand ich vor ihr . Wieder erfüllte mich ihre Erscheinung mit wunderbarem Entzücken . Ich meinte sie schwebe auf Wolken ; ich meinte in einer Glorie von Engeln ruhe ihr Haupt ; - so ätherisch sah sie aus ! - Es zog mich zu ihren Füßen nieder . Sie blickte mich lange an , traurig , zärtlich , stumm . » Das waren zwei schwere Jahre ! sprach sie endlich mit bebender Stimme . Fidelis , hast Du denn nie mein Angstgebet gehört ? « » Ja , meine Mutter , und es hat mich stark gemacht ! Du willst mein Heil .... laß es mich finden auf meinem Wege . « In diesem Sinn hatten wir ein langes Gespräch , das uns Beide heftig erschütterte ohne den einen Theil zur Ueberzeugung des Andern hinüber zu ziehen . Ihre schwärmerische Seele war eine Opferflamme : und um so heißer wallte sie empor , als sie Buße dafür that , daß der Altar ihres Herzens nicht immer dem Höchsten geweiht