freundlich sprechen sollen . Nachdem sie aber die Thränen getrocknet , sprach sie so vernünftig , das macht wohl die Weihe , dachte er , die wirkt schon zum voraus . Da hatte sie ihm gesagt , daß ihr der Abschied wohl schwer geworden , von ihrer lieben Mutter und lieben Schwester und allen ihren lieben Blutsfreunden , nun aber sei es überwunden , und da sei sie recht herzlich froh , denn nun könne sie erst recht für sie Alle leben . Das verstand Hans Jürgen Anfangs nicht , denn was konnte sie denn , im Kloster eingesperrt , für die in Hohen-Ziatz thun , bis sie ' s ihm erklärte , daß sie für ihr Seelenheil beten werde , Tag für Tag . » Ja , es mag schon gut sein , « sagte er , » so einer aus der Sippschaft geistlich wird , und für uns betet , denn wir draußen auf dem Lande haben doch nicht Zeit . « Agnes meinte , dazu müsse jeder die Zeit finden . Hans Jürgen aber zählte ihr auf , was Einer wie er , zu thun habe , von wenn die Sonne aufgeht , bis sie untergeht , und wenn er ' s verrichten thäte , wie die Edelfrau es wolle , dann könne er bei Tage gar nicht dazu kommen , an den lieben Gott zu denken , und des Nachts sei er zu müde . Das sei auch des Dechanten Meinung , daß man den Geistlichen das überlassen müsse ; wozu wären sie auch sonst da ? Und von dem Ueberschuß der guten Thaten der Heiligen könne mancher ehrliche Mann selig werden . Dazu mußte nun Agnes wohl schweigen , wenn sie keine Ketzerin sein wollte , und die Vorstellung , daß sie selbst eine Heilige werden , durch ihre guten Thaten ihre Verwandten dereinst selig machen könne , mochte sogar für ihre Einbildungskraft etwas Lockendes haben . Aber ganz wollte es ihr doch nicht zu Sinn , und ihre künftige Würde erlaubte ihr schon ein wenig zu predigen . Wozu wären denn die Kanzeln und die Predigermönche und Pfarrer , wenn die Heiligen mit ihren Werken allein es thäten ? Und da kam ihr zu Sinn , was der Verwundete zuletzt gesprochen von dem wüsten Leben und der Gedankenlosigkeit . Nun gab sich das gute Kind rechte Mühe , ihren Vetter auf Gedanken zu bringen , und zwar auf gute ; aber aus seinen Antworten sah man , daß er wenigstens zu einem Heiligen nicht viel Anlage hatte . » Das ist schon ganz recht , Agnes , was Du sagst von der Geschichte neulich , und ich hab ' s mir schon selbst gesagt , daß es unrecht war . Nun aber hat ' s der liebe Gott so gefügt , wie ' s sein mußte . Hans Jochem brach ein Bein , und ich mußte nach den Hosen . Also hat ' s der liebe Gott allein und für sich gemacht , daß wir keine Sünde begangen haben , siehst Du , der macht es doch gewiß zum besten , und besser als ich und Hans Jochem es vorher bedacht hätten . Freilich der Hans Jochem hätte nicht das Bein gebrochen , aber Du sagst ja selbst , das wär ' zu seinem Heil , und darum soll er Gott preisen . Warum soll ich Gott denn nicht auch preisen , und das könnte ich doch nicht , wenn ich ' s vorher bedacht , da müßt ich mich ja selbst preisen . Denk drum , ' s ist am besten , man läßt ' s gehen , wie es geht . « Es ward Agnes Bredow recht schwer , ihren Vetter eines Bessern zu belehren , weil es überall schwer ist , zu lehren wo man selbst nicht recht Bescheid weiß . Während sie lange hin und her stritten , ob jeder Mensch selbst denken müsse , und was und wann und wie weit ? schienen sie sich darin zu nähern , daß man ' s in jungen Jahren noch nicht nöthig hätte , wer nicht geistlich werden wollte ; aber daß es gut sei , wenn man älter würde , das mußte auch Hans Jürgen zugeben . Da schlug er sich plötzlich auf die Lende : » Aber Blitz noch mal Agnes , Dein Vater denkt ja auch nicht . Meinst Du , daß er nicht in den Himmel kommt ? Er ist doch ein so guter Christ wie einer . « Agnes besann sich : » Weißt Du was ? Für den denkt die Mutter . Das mag wohl so eingerichtet sein vom lieben Gott , wenn zwei verheirathet sind , so hilft Einer dem Andern aus , und dem Einen wird angerechnet , was der Andre Gutes thut . « » Aber was er Böses thut , muß der Andere auch mittragen ? « Agnes nahm sich vor , ihren Beichtvater darüber zu fragen . » Wenn Einer nun aber allein stehen bleibt , und wird nicht geistlich , der hat es recht schwer , « sagte Hans Jürgen . » Freilich , « und dem armen Mädchen kam ihr Ohm Peter Melchior in den Sinn . » Ach Gott , Hans Jürgen , nimm Dich in Acht , daß Du so einer nicht wirst . Was muß da von den Werken der Heiligen drauf gehen , um den selig zu machen ! « Sie faltete unter ' m Mantel ihre kleinen Hände , und nahm sich vor , wo sie eine Stunde sich absparen könne , für Peter Melchior zu beten , den sie doch gar nicht leiden konnte . » Bewahre mich der liebe Himmel vor ' ner Sünde , aber ich denke so eben was , « fuhr Hans Jürgen plötzlich aus sichtlichem Nachdenken auf . » Siehst Du , Vetter , nun fängst Du auch schon an , das ist gut . « » Ach nein , Agnes , das ist nur so gedacht .