zum Duell gewählte Platz noch im Schatten , von ihnen unberührt , aber hell . Die Secundanten gaben das Zeichen , die Herren traten an ihre Plätze . Otto wandte , wie er ' s versprochen , kein Auge von Gotthard ; der junge Arzt sah zum Rechten . Beide spannten den Hahn ihrer Pistolen und schritten langsam aufeinander zu . Gotthard hob den Arm , hielt sein Pistol gespannt , völlig ruhig ; keine Muskel des Arms , kein Zug des Gesichts zuckte . Jetzt pfiff Kronbergs Kugel , sie streifte Gotthards linke Schulter , dieser hielt ruhig sein Pistol in unveränderter Lage und schritt weiter . Kronberg schrie auf und sank zusammen . Halt ! Halt ! riefen die Secundanten . Athemlos , aber fest wie eine Mauer , stand Gotthard . Er ist todt ! rief der Arzt . St. Luce und Viatti suchten ihn vom Boden aufzuheben . Unmöglich , unmöglich , meine Herren ! rief mit Donnerstimme Otto ; Geheimerath Gotthard hat nicht geschossen ! Die Kugeln sind beide in den Läufen ! Mit voller Besonnenheit riß er ihm das Pistol aus der Hand und setzte den Hahn in Ruhe . Endlich begriff Gotthard , der den Tod von Kronbergs zweitem Schuß erwartete , was geschehen ; auch er stürzte auf Kronberg los . Sie rissen seinen Rock , seine Weste auf , der Arzt holte seine Instrumente . Entsetzlich ! schrie Gotthard und fiel mit gerungenen Händen auf den Leichnam nieder . Dem Grafen war eine Ader am Herzen zersprungen ; er war todt . Langsam und feierlich zogen zwei Leichenzüge durch die sonst so stillen , heute von einer gaffenden Volksmasse gedrängt erfüllten Gassen Brandenburgs . Seltsam ! auf den schmucklosen Sarg der armen Sophie , die sich am Vorabende des Duells krank gelegt und nicht wieder aufgestanden war , flossen die meisten , vielleicht die zärtlichsten Thränen . August und Duguet waren Beide trostlos . Welcher von Beiden ist denn der Mann ? fragte ein altes Hökerweib . Aber auch Kronberg ward tief und aufrichtig beweint . Das seltsame Geschick , das ihn betroffen , hatte die allgemeine Aufmerksamkeit auf den fremden Grafen gezogen , der eigens von Wien gekommen schien , um in Brandenburg zu sterben . Das Geheimniß des Zweikampfs war im ersten Schrecken vergessen , die Sache selbst verstellt , umgewandelt , widerrufen worden . Manche erzählten , der Graf sei auf einer Spazierfahrt plötzlich todt in die Arme seiner Gemahlin gesunken , Andere , er habe wegen ihr sich mit einem ihm ganz Fremden geschossen . Viele Versionen des beklagenswerthen - und doch für Einen glücklichen Ereignisses durchzogen die Stadt . Otto und Viatti hatten Annen die Trauerpost überbracht . In einem ernsten Gespräch unterwegs war es dem Ersten gelungen , Viatti die unselige Verflechtung der Umstände mitzutheilen und sein Urtheil über Annen zu berichtigen ; doch blieb ein seltsamer Stachel in des jungen Mannes Brust . Es war Gotthard , der ihn gerettet in Bern , Gotthard , der , schuldig oder nicht , seines Oheims Tod herbeigegeführt , Gotthard , dessen frühere Dazwischenkunft seine Vereinigung mit seiner Gemahlin und durch dieselbe sein Lossagen von jeder Theilnahme der nie ganz endenden Freiheitsversuche Neapels veranlaßt hatte . Gotthard blieb der Dämon seines Lebens , wie er der seines dahingeschiedenen Oheims gewesen . Die Freunde geleiteten Annen und ihre Söhne der Leiche ihres Gatten und Vaters zu , die St. Luce mit unerschütterlicher Treue bewachte , und die Kinder wußten nur , daß er in einem Streite sich erhitzt , dann in der Morgenkühle vom Schlag getroffen sei ; sie begegneten dem Trauerwagen und schlossen sich ihm an . Anna hatte den Muth , die Leiche gleich zu sehen . Es war ein furchtbarer Augenblick ! zu dunkel in seinen geistigen Tiefen , zu unergründlich an wechselnder Pein , zu niederschmetternd im Gefühl der Ohnmacht menschlicher Natur , als daß man ihn beschreiben könnte . Gotthard floh nicht , aber er zeigte sich nicht ; ernst und trübe blieb er in dem kleinen Orte zurück , um abzuwarten , ob eine Klage gegen ihn sich erhöbe . Der junge Arzt nahm ihn in seine Wohnung auf . Geierspergs kamen Beide zur Bestattung , Viatti hatte ihnen einen Courier gesandt . Alles glitt zurück in die alte hergebrachte Form , in die Trauerflöre , in den Pomp einer fast fürstlichen Bestattung . Als die letzten Töne des Trauermarsches verklungen und all dieser entsetzliche Schmuck des Todes verschwunden war , mit welchem wir zuletzt die Kleinheit und Erbärmlichkeit alles äußern Erlebens so schroff und grell durch den Gegensatz des der Leiche Bleibenden bezeichnen , wollten Geierspergs Annen nach Berlin mitnehmen . Sie schlug es ab , übergab ihnen aber , nach des Vaters Willen , Egon , der seine Vorstudien in Berlin beginnen sollte . Sie selbst blieb mit Joseph , der in der Ritterakademie aufgenommen war , zurück . Nach Wien zog sie nichts . St. Luce versprach noch , einige Monate bei ihr zu verweilen . Otto gedachte heim . Anna ! sagte er , als er am Vorabend seiner Abreise vor die in tiefe Witwentrauer gehüllte Freundin trat , die ernst und still seiner harrte , ich bringe dir Gotthards Abschiedsgruß . Er ist nach Berlin zurück . - Obschon es mir gelungen ist , im ersten Augenblick der Gefahr deines Freundes Hand als rein vom Blute deines Gatten zu zeigen , werden doch deine Knaben späterhin gewiß , wie so manche Andere , erfahren , daß eine Ausforderung , ein Zweikampf stattgefunden , und - die Welt wird ihnen das Warum nicht schenken . Deshalb meint Gotthard , er dürfe dich jetzt noch nicht aufsuchen ; aber er wünscht dir zu schreiben . - Was mich selbst betrifft , Anna ! - er sprach mit sichtlicher Selbstüberwindung - so rufen mich Pflicht und Dankbarkeit zurück in meine erworbene Heimat , zu meinen Studien , zu meinem Weib und Kind . Und du bedarfst deines Freundes nicht mehr