ein Echo nachtönen ließen . Als aber der schreiende Kanon von den drei Toren mit brüllenden Stimmen gesungen wurde , fiel von Zeit zu Zeit die vollständige Musik oben auf dem Balcon ein und vermehrte so den Lärm , wunderlich von der Trommel und Pfeife des Narren begleitet und erhöht . Drauf Malvolio , feierlich die drei Stufen hinanschreitend und die Lärmer scheltend , die ihn aber verhöhnen . Wieder wird ihm entgegengesungen , und die Tollheit steigert sich immer mehr , bis Malvolio wütend und gekränkt die aberwitzige Gesellschaft verläßt , über welche sein erhabener Zorn und seine falsche Majestät nichts vermögen . Es war sehr lächerlich , mit welcher Feierlichkeit in unterdrückter Wut dieser Malvolio die drei Stufen hinabschritt und sich noch einmal nur mit halbem Blicke umsah , bis sein Profil , das in seinem steifen Ernst Verachtung ausdrücken sollte , vorn im Seiteneingang verschwand . Dieser Szene tollen Übermuts und wilden Lärmens folgt die zart poetische zwischen dem Herzog und der verliebten Viola , die in zweideutigen Worten , die der Fürst nicht faßt , diesem ihre Liebe bekennt . Die Vergänglichkeit der Schönheit wird in wenigen Worten beklagt , und wie Viola die schnell schwindende Rosenblüte der Jungfrauen bestätigt , schien sie bei den Worten : So sind sie auch . Ach ! muß ihr Los so sein , Zu sterben grad im herrlichsten Gedeihn ! ihre Tränen nicht zurückhalten können . Den mutwilligsten Kontrast bildet jetzt der Narr , der eben erst seinen Kumpanen verrückte Liedchen gesungen hat , indem er nun im Gegenteil mit schöner Stimme dem sehnsuchtkranken Herzoge ein rührendes Gedicht vorträgt . Der Verwalter Lenz hatte sich selbst dieses Gedicht komponiert , der fremde Virtuos verwarf aber diese Arbeit und setzte eine neue einfache , aber ergreifende Melodie zu diesem einzig schönen Klaggesange . Man hörte gleichsam den Sänger weinen ; der bedeutsame Rhythmus , der eigentlich schon für das feine Ohr und die gebildete Stimme die Melodie ausspricht , war im Wesentlichen beibehalten , und der tiefsinnige Amphimacer - - , in dem sich die ersten Verse bewegen , ließ den nahe liegenden Anapästen in : » Laß mich frei « ergreifend wechseln , und gerade wirkte der Rhythmus dadurch so außerordentlich , daß weder Amphimacer , noch Anapäst zu steif und regelrecht im Takt festgehalten wurden , sondern die biegsame Stimme sich wie zwischen beiden in den süßesten Klagetönen schwärmend durchschmiegte . Und dann der Übergang in Jamben und Spondeen : » Mit Rosmarin « - » Treu hält es « war wie einer , der aus Tränen und Schluchzen sich zur Resignation oder erzwungenen Heiterkeit erheben will und in diesem Aufschwung nur noch tieferen Schmerz ausdrückt . In der zweiten Strophe , die nach derselben Melodie gesungen wurde , ließ der verständige Lenz nach Anweisung des Komponisten die Stimme mehr wie etwas ermüdet sinken , und am Schluß zog er die Töne und Verse verhallend so ineinander , als wenn ihm keine Sprache und kein Wort in der Erschöpfung der Trauer noch übrig oder möglich wäre . - Dieses schöne Gedicht , das Schlegel so meisterhaft und einfach übersetzt hat , sang Lenz ohne alle Begleitung , nur am Beginn und in den Pausen klang oben auf dem Balcon eine einsame Flöte nach , und ganz fern und unsichtbar ein gedämpftes Waldhorn . Die Rührung war so stark , daß alle Zuschauer weinten , und es war wie notwendig , daß der Narr durch etwas Spaß diese starke Wirkung wieder störte und den Hörer zerstreute , auch um auf den schönen Schluß der Szene mit Viola und dem Fürsten wieder hinüberzuleiten . Wie schön sprach Albertine die berühmte Stelle von der liebenden , im Gram aufgelöseten Schwester ! Und als nun der Herzog fragt : » Starb deine Schwester denn an ihrer Liebe ? « - war sie wie verwirrt und fast in eigner Rührung gefangen , ihr fällt der ertrunkene Bruder ein , und wieder beinahe weinend sagt sie nach einer kleinen Pause : » Ich bin , was aus des Vaters Haus von Töchtern und auch von Brüdern blieb « - und geht , sich selbst gewaltsam aufraffend , mit scheinbarer Heiterkeit zu Olivien . Elsheim , als er vom Theater zurücktrat , war erstaunt , den Professor Emmrich , der gleich wieder als Malvolio auftreten sollte , in der tiefsten Rührung und in Tränen zu finden . » Noch nie « , sagte er , » habe ich die Kunst dieses Werkes , das Überirdische dieser Szene , die ganz in Poesie , Sehnsucht und Mutwillen getaucht ist , so empfunden wie heut . Gelingt eine Darstellung eines so großen Kunstwerks nur irgend , so fördert sie Schönheiten deutlicher an das Licht , die außerdem auch dem Kenner von halbem Nebel verdeckt bleiben . Ich kann mich kaum zu meiner Hauptszene sammeln . « - Er mußte sich Gewalt antun , denn Maria war schon zu Andreas , Fabian und Tobias getreten ; der Brief wurde hingeworfen , und die Männer versteckten sich . Schon beim Abgang des Herzogs war die innere kleine Bühne wieder geöffnet ; zu dieser stiegen die Lauscher empor . Die letzte Hinterwand der kleineren Bühne war grün , wie Gesträuch und Baum ; hier standen sie von den freien Säulen verdeckt , und noch mehr von einzelnem Gebüsch und dünnen Bäumchen , die sie selbst fast unvermerkt hinter den Säulen hervorziehen konnten . Durch diese Einrichtung war es nicht nur möglich , daß sie gesehen wurden , sooft ihr Stichwort es erforderte , sondern es tat auch eine sehr komische Wirkung , wenn die zornigen und lauernden Gesichter auf Augenblicke sich zeigten und dann wieder hinter dem Grün verschwanden , indessen etwas tiefer unten , aber ihnen nahe , Malvolio gestikulierte und keinen Argwohn hegte , daß man ihn in dieser Nähe beobachtete . In dieser Szene mußte Emmrich seine Meisterschaft zeigen . Den Übermut und die verrückte Eitelkeit des ältlichen Mannes , die bis an die Grenze des Unmöglichen