Ich entwarf manche Pläne , wie ich mich dem alten Herrn Blainville anvertrauen und seinen Rath benutzen wollte , aber wenn ich mit ihm zusammentraf , konnte ich den Muth nicht dazu finden . Der junge Blainville hatte bald meine einsamen Spaziergänge entdeckt , und eine Erklärung , die vielleicht ohne die Aeußerungen meiner Mutter unsere Schüchternheit noch lange zurückgehalten hätte , vereinigte nun auf das Festeste unsere Herzen ; wir gelobten uns mit allem Ungestüm der Jugendliebe ewige Treue , und hofften von der Zeit , von der Güte meiner Großtante , von dem Einflusse des alten Blainville unser Glück ; aber freilich konnten wir es uns nicht verhehlen , daß dieser niemals einem Plane seine Zustimmung geben würde , der offenbar das Recht einer Mutter verletzt hätte ; von dieser Mutter aber konnten wir weder durch Bitten , noch durch Thränen etwas zu gewinnen hoffen , da das vermeinte Seelenheil eines geliebten Sohnes ihr wichtiger war , als das irdische Glück einer wenig geliebten Tochter , und so schlossen sich alle unsere Unterredungen mit hoffnungslosen Thränen , und nur Eins ward jedes Mal von Neuem beschlossen , in unserer Liebe ohne Wanken auszuharren . Ich hatte dem jungen Blainville meine Vermuthung anvertraut , daß mein Bruder durch eigennützige Absichten bei seinem Handeln geleitet würde , und daß er die Bekehrung selbst , auf die meine Mutter so inbrünstig hoffte , nur vorspiegele , um mich in ' s Kloster zu verstoßen und so auch noch das kleine Erbe zu behalten , welches mein Vater mir ausgesetzt hatte , und wir beklagten um so schmerzlicher die Blindheit der Mutter , die mich diesem Bruder opfern wollte , als unvermuthet er selbst erschien und seine Ankunft uns zum Trost gereichte , was wir am Wenigsten erwartet hätten . Als die erste Freude der Bewillkommnung vorüber war , erschrak meine Mutter , ihren Sohn so verändert zu finden ; die Blüte der Jugend war von seinen Wangen schon abgestreift , seine Gestalt zusammengesunken , obgleich er kaum zwei und zwanzig Jahre alt war , und er schob die Schuld der traurigen Veränderung , die mit ihm vorgegangen war , auf den vielen Kummer , den ihm sein Vormund verursache , der , wie er behauptete , seine Neigung zur katholischen Religion entdeckt habe . Er trieb die Heuchelei so weit , daß wenig fehlte , und meine Mutter hätte ihn für einen Märtyrer des Glaubens gehalten . Der alte Blainville , der die Welt besser kannte , als sie , vertraute der Tante nach wenigen Tagen , daß ihm der junge Mann ein leidenschaftlicher Spieler zu sein schiene . Es ließ sich bald erkennen , daß mein Bruder neue Summen von meiner Mutter zu erhalten wünschte , und daß diese so bedeutend sein mußten , daß sie ihre Kräfte überstiegen , denn sein Mißmuth ließ sich eben so wenig , als ihre Thränen verhehlen . Da der alte Blainville die Verhältnisse meiner Familie kannte , so gab er seinem Sohne einen Rath , der unser Glück herbeiführte . In Folge dieses Rathes nämlich suchte der junge Blainville sich meinem Bruder zu nähern , er bot ihm die Hülfe , welche die Mutter nicht gewähren konnte , und übernahm es zugleich , mich zu verpflichten , auf mein kleines Erbe Verzicht zu leisten , wenn er die Mutter dazu bestimmen könne , in unsere Verbindung zu willigen . Mit welchem frohen Erstaunen wurde mein Herz erfüllt , als mein Bruder sich mir nun liebreich näherte und den frommen Wahn der Mutter beklagte , der ohne Schonung meine Jugend opfern wollte ; er segnete den Gedanken , der ihn zu rechter Zeit herbeigeführt hätte , um ein solches Unglück zu verhindern . Mir klangen diese Worte in seinem Munde so fremd , daß ich ihn Anfangs mit Mißtrauen betrachtete ; er lächelte und sagte : wirst Du denn niemals Zutrauen zu mir gewinnen , meine gute Schwester ? Ich beförderte den Plan der Mutter , weil ich glaubte , ein geistliches Leben sei Dein wahrer Beruf , Deine eigene Wahl ; da mich aber Blainville , der mehr Vertrauen zu mir hat , als Du , eines Besseren belehrt hat , so werde ich die Mutter noch heute bestimmen , Eure Hände in einander zu fügen . Da ich keine Kenntniß davon hatte , durch welche Mittel Blainville meinen Bruder bestimmt hatte , unser Glück zu befördern , so warf ich mich mit Thränen der Reue in seine Arme ; ich gestand ihm die nachtheiligen Gedanken , die ich über ihn genährt hatte ; ich bat ihn dieser innerlichen Beleidigung wegen um Verzeihung ; ich überhäufte ihn mit Dank und Liebe , und war unendlich beglückt , als er mir großmüthig verzieh und sich meine Liebe gefallen ließ . Ich fürchtete nur noch , er würde die Mutter nicht bestimmen können . Laß das meine Sorge sein , erwiederte er mit einem beinah verächtlichen Lächeln . Er verließ mich , um die Mutter sogleich zu sprechen . Mein Herz pochte , als ich in ihrem Zimmer Beide laut und heftig sprechen hörte , und ich erfuhr nachher , daß mein Bruder erklärt habe , er könne es nicht ertragen , daß ich um einer Einbildung Willen geopfert würde , denn um seinen Uebertritt zur katholischen Kirche zu erreichen , dazu bedürfe es dieses Opfers nicht , und mein Gebet für ihn würde eben so kräftig wirken , wenn ich auch keine Nonne , sondern Blainvilles Gattin würde . Er sei entschlossen , so bald er mündig geworden , zu der katholischen Kirche überzutreten , wenn meine Mutter ihre Einwilligung zu meiner Verbindung geben wolle , würde aber diese verweigert , so werde er einen feierlichen Eid leisten , als Protestant zu sterben . Diese Drohung wirkte , wie sie sollte , und bestimmte meine Mutter , sogleich den lang genährten Plan aufzugeben , und sie trat an der Hand des Bruders in den Saal , um mir dessen große Liebe , die nur