läßt hier so etwas liegen ? Gewissenhaft eilt sie damit zur Mühle . Der Müller ist gerade beschäftigt , die Schaufeln zu stellen . Die Frau nimmt ihr den Fund ab , besieht den Ring von allen Seiten , kann aber von dem Geschriebenen auf dem Blättchen nichts lesen . Sie verschließt gleichwohl beides , und heißt das Mädchen nur wieder gehen . Als diese , ganz in Gedanken , zurückkehrt , und sich nach ihren Ziegen umsieht , bemerkt sie zwischen den Bäumen auf der Höhe etwas Schwarzes , das sich eilig durch das Dickicht windet , zugleich lacht Jemand hell auf , und kreischt mit Hohn : » Sei kein Narr , Caspar ! eine Mutter findest Du nicht alle Tage ! « Es sei die alte Marthe gewesen , versicherte das Mädchen , sie habe sie wohl erkannt an dem hellen Ton . Da sie solche aber anrufen wollte , verlor sie sich schnell immer weiter zwischen den Bergen . Nicht lange darauf stand der Caplan vor der Mühle . Er klopfte ängstlich an die Thüre , sah todtenblaß aus und zitterte in heftigem Fieberfrost . Die Müllerin ließ ihn sogleich ein . Er konnte nicht ein Wort hervorbringen , sank matt und krank auf einen Schemel , und liegt noch krank , wie im Fieber rasend . » Ei ! « sagte ich , als ich das hörte , » da muß ich gleich hin , und sorgen , daß dem Unglücklichen geholfen wird . « » Was wollen Sie denn noch lange helfen , Madame ? « antwortete mir der alte Klaus . » Der ist reif . Lassen Sie ihn immer das Bad ausbaden . Hat er es doch nicht besser gewollt . « Ich verwies ihm die unbilligen Worte . Aber er schüttelte den Kopf und sagte so viel , um mich in dem lang gehegten Verdacht zu bestärken , daß ein Brief des Caplan , vielleicht durch Klaus bestellt , den Präsidenten an jenem Unglücksabend hierher berief . Nichts desto weniger hielt ich es doch für meine Pflicht , dem ganz Verlassenen beizustehen . Ich fuhr daher sogleich nach der Mühle . Allein , lieber Sohn , was ich dort hören und sehen mußte , überstieg weit meine Erwartung . Anfangs war es nur der Kranke , der uns Sorge machte . Was der in den Fieberphantasien sprach , durfte man eben nicht sonderlich achten . Doch nun , als gegen Abend die rohe Stimme der herantobenden Marthe sich vernehmen ließ , die Verwilderte , mit ihren aufgerafften Lumpen im Arm , ungestüm in die Stube trat , mit stotternder Zunge nach dem vermißten Ringe und nach Tavanelli forschte ; ihn bald Sohn , bald verwünschte Teufelsbrut nannte - ach ! lieber Franz , Du kennst Deine Mutter , Du wirst Dir einbilden , wie mich solch ' widriger Auftritt ängstigte . Ich saß erst ganz still in einem Winkel , an das Krankenbett gedrückt , ohne Muth zu haben , der Frechen den Eintritt zu verwehren . Doch , wie sie die Thüre endlich halb erstürmte , den armen Schlummernden laut anschrie , ihren Ring von ihm forderte , da faßte ich mir ein Herz , nahm sie beim Arm und führte sie hinaus , indem ich ihr leise zuflüsterte , mir zu folgen , ich wollte ihr alles Verlorne wieder zustellen . Sie sah mich ungewiß an , that aber , was ich ihr sagte . Als die Müllerin das Päckchen aus dem Schranke herausnahm , griff Marthe mit häßlicher , thierischer Gier darnach , ihr schiefliegendes Auge blitzte hell . » Da ! « rief sie , mir den Ring und das Blatt hinhaltend , » lesen Sie , lesen Sie ! Er will es nicht glauben . Aber , es ist , so wahr Gott lebt , wahr ! Sein Vater hat mir die Ehe versprochen . Hier steht es , und den Ring gab er mir , da ich seine - - « Sie lachte hell auf . Ich schlug beschämt die Augen nieder , ohne ihr zu widersprechen . Ich glaubte , sie fasele . Aber , lieber Franz , sie sprach wahr . Sie ließ nicht ab , ich mußte die betrügerische Verschreibung lesen . Es war Tavanelli ' s Vater , der sie verführt und verlassen hatte . Gott weiß , durch welche Künste sie dem Caplan seinen weltlichen Namen entlockte , unter dem sein Vater vor fünf und zwanzig Jahren als Geschäftsführer in einem großen Handelshause unserer Residenz lebte . Er verschwand dann mit einemmale , kehrte nach seinem Vaterlande , dem Voralbergischen zurück , wo er heirathete , und dem Bedaurungswerthen ein Dasein gab , dessen bloße Möglichkeit zu denken , Marthens wildem Sinn tausend Flüche entlockte . Dies und noch viel mehr , was meine Feder nicht aufzeichnen kann , vertraute sie mir auf eine rohe , stürmische Weise . In ihrer Brust stritten Haß und Liebe für den Sohn des Treulosen . Sie gestand unter lautem Lachen , daß sie nicht von ihm lassen könne , daß sie ihm , seit sie die Entdeckung gemacht , zu der die große Aehnlichkeit mit dem unvergeßlichen Geliebten ihr den Weg gezeigt , auf Tritt und Schritt folge , und seine Flucht sie heute vor Tagesanbruch durch die Berge gejagt habe . Auf meine Versicherung , daß er ernstlich , vielleicht gefährlich krank sei , ward sie stille . Ihre harten Züge milderten sich , ihr Auge hatte fast einen rührenden Ausdruck . Sie setzte sich auf die Schwelle der Thüre , welche zu dem Caplan führte . Ich bewachte sie sorgsam , bis der Arzt kam . Sie that nichts , als von Zeit zu Zeit den Ring besehen , ihn an den Finger stecken , wieder abziehen , in das Blatt wickeln , und beides im Busen verbergen , bis sie nach einer Weile dasselbe Spiel wieder von Neuem anfing . Zuletzt schlief sie ein . Ich war froh , als