meiner stillen Kammer dem Herrn für das meinem Bruder wiederfahrne Heil danke , und zu Ehren unsrer lieben Frauen , die durch ihre Fürbitte des Mörders Stoß fehl gehen ließ , einige Messen lese . Wallraden werde ich jedoch zu der Aussöhnung bewegen , und überlassen es Dir gerne , die Schwester nach dem Vaterhause zu geleiten , und wohlbehalten wieder anher zu führen . « » Mit nichten ; « äußerte Dagobert aufstehend und kalt : » Wallrade bedarf meines Geleits nicht . Einer ihrer zahlreichen Freier wird dieser süßen Pflicht sich leicht unterziehen , wenn nicht kaiserliche Majestät selbst ihren Reisestallmeister machen will . Euch überlasse ich es , Ohm , die Liebenswürdige vorzubereiten . Unstreitig wißt Ihr ihren jetzigen Aufenthalt besser denn ich , der nur dann und wann von müßigen Stadtzungen Gerüchte und Vermuthungen hört , die gar nicht zur Ehre unsers Stammes gereichen . Gerne werde ich auch Wallraden den Vorzug im Vaterhause einräumen , und daher einzurichten suchen , daß ich an dem Tage ankomme , an welchem sie geht . Schließlich danke ich Euch demüthigst für Eure gehabte Mühe , und werde dieselbe gegen meinen Vater zu rühmen wissen , da es Euch ohnedies widerstrebt tiefer in das verhaßte deutsche Geburtsland vorzudringen . Gute Nacht , würdiger Herr ! « Der Prälat sah betroffen , beschämt und staunend dem Neffen nach , der - wie er endlich zu begreifen begann , - unter dem Schimmer jugendlichen Leichtsinns einen stechenden Ernst barg , welcher einem verweichlichten Gemüthe um so empfindlicher wehe that . Fiorilla leuchtete dem Scheidenden bis zu des Hauses Pforte . Daselbst ergriff sie seine Hand , sah ihn mit weinenden Augen an , und sagte : » Ihr habt heute durch Eure feste Redlichkeit vermocht , daß ich vor mir selbst erröthete . Könnt Ihr mir vergeben , wozu ich Euch verleiten wollte ? « - » Von ganzem Herzen ! « erwiederte Dagobert , denn Ihr wart weit entfernt , mich zu beleidigen . Euch reißt die Leidenschaft dahin , und zwingt Euch zum Tribut . Ich aber bin einer ihrer schlimmsten Zahler , und mein Trachten geht darauf aus , die ungestüme Mahnerin ganz aus meinem Hause zu werfen . Schätzt Euch darum nicht geringer , mich nicht höher als von nöthen . Ihr seyd noch lange nicht der lodernde Brand , den Euch die wilde Empfindung vorspiegelt , ich noch lange keine Eisscholle . Esther ist aber viel zu gut , und zu edel , als daß ich ihr für kurze Wonne eine ewige Reue verkaufen möchte . Gute Nacht ! Fünfzehntes Kapitel . Hei ! wie freut mich der Herrenstand , Auf hohem Roß , das Schwert zur Hand ! Gewappnet vor dem Liebchen stehn , Und neben Fürst ' und Grafen gehn ! Du grobes Bürgerpack , vorbei ! Nur für den Adel ist Turnei ! Das Spiel vom hoffärtigen Junker . Wohl noch nie hat eine Stadt , so weit in deutschen Landen der Lauf des Rhein- und Donaustroms nicht , einen lustigern und gastlichern Anblick gewährt , als Costnitz ihn am zwanzigsten Tage des Monats März darstellte . Geraume Zeit vorher hatte man gewußt , Herzog Friedrich von Österreich-Tyrol werde , das Frühlingsfest zu verherrlichen , ein Kampf- und Ritterspiel geben , wie es selten noch irgendwo geschaut worden . Die Zubereitungen , die jedoch in den letzten Tagen getroffen worden waren , übertrafen durch ihre Pracht Alles , was die gespannte Neugier erwarten durfte . Und am Morgen des anberaumten Feiertags stand das Werk vollendet da , ein wundersames Schauspiel für Costnitzs Bewohner , und weit herbeigeströmte Gäste . Den weiten Rennplatz umgaben zierliche Schranken , getaucht in die weiße und rothe Farbe . In blinkenden Angeln drehten sich die Pforten , durch welche die Kreiswärtel gingen ; mit blanken Schildern , Ketten und Hacken waren die Schlagbäume geziert , durch welche die Kämpfer einreiten sollten . Rings um den mit Sand und Kies geebneten Platz flatterten in geringen Zwischenräumen die Banner von Österreich-Tyrol , dem Argäu , dem Thurgäu und andern , Friedrichs Herrschaft unterworfnen Städten und Landen . Hoch aber über diesen Bildern und Fahnen der Macht erhoben sich im Halbkreis die leicht und geschmackvoll gebauten Emporbühnen und Schaugerüste , von welchen der Kaiser mit feines Reichs Fürsten , die Väter des Conciliums , und die Blumen der Gesellschaft und Volksversammlung , die reizenden Frauen , den Spielen zusehen sollten . Des Kaisers Tribune , von goldnem Stück gleich wie ein Feldherrnzelt erbaut , überragte mit ihrem Silberdach , umwallt von wehende Reiherbüschen und Federsträußen , alle Nachbarbühnen , von deren Geländer prachtvolle Sammetdecken mit Wappen , Sinnsprüchen und Thierbildern übersät , zu den Schranken hinabhingen . Die nieder gelegenen Sitze der Kampfrichter und Bankspender , die Trompetergänglein in jeder Ecke des Platzes , die kleinen Hütten der Kreiswärtel und Stechknechte sogar , schlossen sich würdig durch ihr glänzend einfaches Äußre an die Plätze der vornehmern Leute . Jeder Eingang zu dem Platze , jede Treppe zu den Bühnen wurde von Trabanten des Herzogs bewacht , theils zu Fuß , auf ihren Partisanen lehnend , theils zu Roß , im Silberküraß , den Morgenstern an die Faust geknüpft . Die Turniervögte faßen bereits mit ihren Stäben hinter den vor ihren Schirmdächern aufgepflanzten Hellebarden . Die Rennknechte in ihren glatt anliegenden Lederkleidern und Kappen , das Strickmesser am Gürtel hängend , hatten schon die Seile gespannt , und sich dabei gelagert . Am Fuße der , zu den Stühlen der Kampfrichter führenden Stufen hielt in glänzender Rüstung und buntem Wappenscapulier , der Turnierherold , umgeben von seinen Dienern , die rings an den Brüstungen-Schrauben die Schilde der turnierlustigen Herren aufzuhängen beschäftigt waren , so wie diese nach und nach herbeigebracht wurden . Die Fechtpreiße , in silbernen und goldnen Kleinodien , kostbarem Stechgezeug , auserlesenen Waffen und Tigerfellen bestehend , waren in einem eigens dazu bestimmten Raume prahlend ausgestellt . Auch die Spielleute waren schon an ihren angewiesenen Stellen , und so