Burgen behielten nur sehr schwache Besatzungen , und selbst in Stuttgart waren nur wenige Fähnlein Knechte gelassen worden . Durch diese Maßregel aber hatte sich der Bund einen Feind erworben , den man geringschätzte , der aber viel zur Änderung der Dinge beitrug - es waren dies die Landsknechte . Diese Menschen aus allen Enden und Orten des Reiches zusammengelaufen , boten gewöhnlich dem ihre Hülfe an , der sie am besten zahlte ; für was und gegen wen sie kämpften war ihnen gleichgültig . Um sie zu halten mußte man ihnen vieles nachsehen , und Raub , Mord , Plünderung , Brandschatzen , führten sie auf ihre eigene Faust aus , um sich zu entschädigen , wenn sie den Sold nicht richtig bekamen . Georg von Frondsberg war der erste gewesen , der sie durch sein Ansehen im Heere , durch tägliche Übungen und unerbittliche Strenge , einigermaßen im Zaum hielt ; er hatte sie in regelmäßige Rotten und Fähnlein eingeteilt , er hatte ihnen bestimmte Hauptleute gegeben , er hatte sie gelehrt , geordnet in Reihen und Gliedern zu fechten . Sie zeigten aber jetzt , daß sie aus einer guten Schule kamen ; denn als sie vom Bunde entlassen waren , liefen sie nicht wie früher , zerstreut durch das Land , um Dienste zu suchen , sondern rotteten sich zusammen , richteten zwölf Fähnlein auf , erwählten aus ihrer Mitte Hauptleute38 , und selbst einen Obersten in der Person des langen Peters . Sie waren schwürig auf den Bund , nährten sich von Raub und Brandschatzen im Land , und führten Krieg auf eigene Rechnung . Die Anarchie war in Württemberg so groß , daß ihnen niemand die Spitze bot . Der Bund hatte sich an Streitkräften entblößt , und war zu sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt , als daß er das arme Land von dieser Bande befreit hätte ; die Ritterschaft war uneinig , sie saßen auf den Schlössern und sahen ruhig diesem Treiben zu ; die Besatzung der Städte war zu gering , um ihnen mit Kraft Einhalt zu tun , und Bürger und Bauern sahen sogar diesen Haufen gerne , wenn seine Forderungen nur nicht allzu groß waren , denn die Landsknechte schimpften weidlich auf den Bund , dem niemand hold war ; ja es ging sogar die Sage , diese Kriegsmänner seien nicht abgeneigt , dem Herzog wieder zu seinem Land zu verhelfen . Es war ein schöner Morgen in der Mitte Augusts , als sich diese Leute in einem Wiesentale gelagert hatten , das der Grenze von Baden zunächst gelegen war . Die riesigen , schwarzen Tannen und Föhren , die das Tal auf drei Seiten einschlossen , gehörten noch dem Schwarzwald an , und das Flüßchen , das durch das Tal eilte , war die Würm . Halb überschattet vom Wald , halb in den Weidenbüschen des Tales versteckt , lag das kleine Heer in wunderlichen Gruppen und pflegte der Ruhe . In der Entfernung von zweihundert Schritten sah man Posten aufgestellt , deren blitzende Lanzen oder rotglühende Lunden schon von weitem Furcht einjagten . In der Mitte des Tales im Schatten einer Eiche saßen fünf Männer um einen ausgespannten Mantel , den sie als Tisch gebrauchten , um ein Spiel auf ihm zu spielen , das heute noch den Namen Landsknecht führt . Diese Männer zeichneten sich vor ihren übrigen Genossen durch breite , rote Binden aus , die sie über die Schulter und Brust herabhängen hatten , sonst aber hatte ihre Bekleidung auch das zerrissene und morsche Aussehen , wie das der übrigen Soldateska . Einige hatten Sturmhauben auf , andere große Filzhüte mit eisernen Bändern beschlagen , dazu Lederkoller , welche von Regen , Staub und Biwaks alle mögliche Schattierungen erhalten hatten . Bei näherem Blick erkannte man übrigens noch zwei Dinge , durch welche sie sich von ihren Kameraden unterschieden . Sie führten nämlich keine Donnerbüchsen oder Spieße , wie sie die Landsknechte gewöhnlich trugen , sondern Raufdegen von ungemeiner Länge und Breite . Auch hatten sie , wie es damals die Edelleute und Anführer trugen , auf ihren Hüten und Sturmhauben , bunte , wallende Federbüsche aus Hahnenschwänzen , um sich ein ritterliches Ansehen zu geben . Die fünf Männer schienen große Geschicklichkeit im Spiel zu besitzen , vorzüglich aber einer , der sich mit dem Rücken an die Eiche lehnte . Es war dies ein langer wohlbeleibter Mann . Er hatte einen Hut auf , dessen Rand sich wie ein bedeutender Mühlstein um den Kopf zog ; der Hut war mit einer Goldtresse besetzt , auf der Stirnseite war er mit dem goldenen Bild des heiligen Petrus geschmückt , aus welchem zwei ungeheure rote Hahnenfedern hervorragten . Dieser Mann mußte weit in der Welt herumgekommen sein , denn er konnte auf französisch , italienisch , ungarisch fluchen , seinen Bart aber trug er ungarisch , er hatte ihn nämlich mit Pech so zusammengedreht , daß er wie zwei eiserne Stacheln auf beiden Seiten der Nase eine Spanne in die Luft hinausstarrte . » Canto cacramento ! « rief dieser große Mann mit einem dröhnenden Baß , » der kleine Wenzel ist mein ; drauf ! ich stech ihn mit dem Eichelkönig . « » Mein ist er , mit Verlaub « , rief sein Nebenmann , » und der König dazu ; da liegt die Eichelsau ! « » Mord de ma Vich , zagt der Franzoz ; Hauptmann Löffler , Ihr wollt Eurem Oberst diesen Stich abjagen ? Schämt Euch , schämt Euch ; daz ist ein Rebeller , der daz tut ; Gott straf mein Zeel , Ihr wollt mich vom Regiment absetzen ? « Der große Mann funkelte zu diesen Worten gräßlich mit den Augen , schob seinen großen Hut auf das Ohr , daß seine überhängenden Augenbrau ' n und eine mächtige rote Narbe auf der Stirne sichtbar wurden , die ihm ein ungemein kriegerisches Ansehen gaben . » Beim Spiel , Herr Oberst Peter , gilt keine Kriegsordnung