den Unterhalt des folgenden Tags keine Auskunft hatte finden können , neben dem beklommnen Aechzen von Juliens Krankenbett , von dem Weinen ihres unruhigen Knabens unterbrochen , hatte der Schlaf mein Auge geschlossen , sobald mein Haupt ein , oft recht hartes , Kissen gefunden . Jetzt ruhte ich nun unter dem Dache des Frommen , in dem Schutz der Freundschaft , morgen einen fröhlichen Tag , heitre Umgebungen erwartend , und der Schlummer wollte sich lange mir nicht nahen . Es war der Hoffnungslosen leichter geworden , bei dem dichtesten Dunkel ihres Schicksals , sich am Abend eines ermüdenden , sorgenvollen Tages blindlings in ihres Vaters Arme zu verbergen , als der jetzt dem Sturm Entronnenen , die neuen Bilder , die dämmernden Aussichten , die möglichen Glücksfälle zu ordnen , die ihre Einbildungskraft ihr vorgaukelte . Endlich verflossen die sich kreuzenden Gedanken in dem einzig klaren Bewußtseyn von Dank gegen Gott und der flehenden Bitte , mir den rechten Pfad zu zeigen in Glen Eredinens gastfreiem Thale , wie er mich ihn in dem freundlosen Edinburg , wohl auf verwundend rauhem Wege , geführt hatte . Das Frühstück des nächsten Tages verwirklichte mir das Bild dieses Mahls , wie es Reisende in Schottland oft beschrieben haben . Eine Menge nahrhafter Speisen , mit Sauberkeit und Ordnung aufgestellt , deckten den Tisch . Eredine , so ward hier , wie ich wahrnahm , Charlottens Vater genannt , wies mir meinen Platz neben sich in einem großen , mit hoher Rücklehne versehenen Armsessel an und belud meinen Teller mit den verschiedensten Speisen . Meine beschämte Bitte , meiner Unfähigkeit zu schonen , schien ihm doch endlich zu Herzen zu gehen , er blickte auf mich herab , als auf das wahre Bild von » den Söhnen kleiner Menschen « , und sagte lächelnd : » wenn Ihnen das ein Ueberfluß scheint , was hätten Sie dann zu einem Frühstück zu der Zeit meiner Jugend gedacht ! « - Sobald das Mahl beendigt war , übernahm Charlotte wieder die Führung des Haushalts , mit dem in ihrer Abwesenheit eine von ihren zahlreichen Cousinen beauftragt gewesen war . Um mir das Gefühl des Daheimseyns recht einzuprägen , übertrug sie mir einen bestimmten Antheil an ihrem Geschäft , und obschon die Zahl der eigentlichen Hausgenossen seit Menschen-Gedenken nicht kleiner gewesen war , wie jetzt , hatten wir dennoch genug zu thun . Die alten Lehnsgebräuche , wo ein großer Theil der Verwandten unter den Augen ihres Stammhauptes lebte , waren abgeschafft ; Eredine hatte drei ältere Schwestern überlebt , die fast ein Jahrhundert lang das Haus , wo sie geboren wurden , bewohnt hatten ; nachdem zwei seiner jüngern Brüder durch eine dreißigjährige Landesverweisung ihre Anhänglichkeit an ihren erblichen Fürsten gebüßt hatten , kamen sie zurück , um ihren Staub zu dem Staub ihrer Väter zu fügen ; sein ältester Sohn war vor wenigen Monaten , ein Raub des ungesunden Himmelsstrichs , in Westindien gestorben , und der jüngste lebte , wie ich gesagt habe , seit vielen Jahren im Bann . Jetzt bestand nun die Familie einzig aus Eredine , seiner Tochter und mir , vier männlichen und sieben weiblichen Bedienten , Charlottens Amme , einem blinden Weibe , das , weil es sonst nichts zu arbeiten vermochte , die Strumpfstrickerin für das ganze Haus war und daneben durch ihr seltnes Gedächtniß und pathetisches Erzählen alter Familiengeschichten noch die Stelle des ehemaligen Barden ersetzte . Außerdem waren noch zwei kleine Mädchen , eine gebrechliche und eine kränkliche , und drei Knaben , von denen zwei , weil sie Waisen waren , der dritte als Enkel von des Lairds ältestem Diener , unterhalten wurden . Endlich muß ich noch Robert Goraich , Cecilens armen wahnsinnigen Liebhaber , erwähnen ; dieser zäumte , wenn es seine Laune gerade mit sich brachte , Herrn Heinrichs alten Schimmel auf , wanderte in allen Kirchen der Grafschaft umher , oder saß stumm betrachtend unter der vom Blitzstrahl zerschmetterten Eiche . Doch das waren nicht die einzigen Gäste an Eredines wirthlichem Tisch : mehrere greise Alten beiderlei Geschlechts , denen er in dieser Absicht in der nächsten Umgebung des Schlosses hatte Hütten bauen lassen , Laufbuben , Schaaf- , Kuh- , Gänse- Hirten , Bettler und Wanderer , alles fand Aufnahme und Nahrung und zahlte mit Ehrerbietung und Segen . - Und das alles bestritt der Laird mit einem Einkommen von nicht viel mehr als tausend Pfunden des Jahrs . In der ersten Zeit nach unserer Ankunft kamen zahlreiche Bekannte und Nachbarinnen , Miß Graham zu besuchen , und eine der ersten war die wackre Cecile , die , mich mit Freudenthränen begrüßend , ausrief : » Ich sagte Euch wohl , daß Ihr nicht wüßtet , wo Euch ein Stern aufgehen könnte ; und nun sehet , nun seyd Ihr nach Schloß Eredine gekommen . Ich habe es prophezeit und ich prophezeie noch mehr ; aber nicht eher , bevor es Zeit ist . « - Auf meine Frage nach ihrem Gatten erzählte sie mir , daß er krank und dienstunfähig verabschiedet worden sey ; doch ängstige sie das nicht , sie habe ihm einen Krug Wasser aus der heiligen Quelle von Breadalbane geholt , das ihm gewiß helfen werde . Nur das thue ihm weh , daß er nicht im Stande sey des Lairds Sichelfest beizuwohnen , wovon sie jedoch Miß Graham nichts sagen möchte ; denn , sehet Ihr , er verlor seine Gesundheit , indem er Herrn Kenneth auch in seiner Krankheit nicht verließ . « In den nächsten Tagen fand das Herbstfest , dessen Cecile erwähnt hatte , statt . Bei Tages Anbruch weckte mich ein gellender Dudelsack unter unserm Fenster , und wie ich aus dem Bett sprang , um seine Absicht zu erforschen , sah ich einen Haufen von mehr wie hundert Männern und Weibern vor dem Hause versammelt . Es waren die Pächter von Eredine , die zur Frohnde heute des Lairds Korn schneiden sollten . - Doch nie sah