. Mein Herz schlug heftig , - man zeigte mir ihren Brief . Da zerfloß die schöne Hoffnung wieder . Die Züge glichen nicht ihrer Schrift ; dennoch glaubte mein einmal erregtes Gemüth zu entdecken , daß die Buchstaben nicht frei gebildet , sondern wie mit Absicht verstellt seyen . Ich äußerte meine Vermuthungen nicht , aber ich eilte zum Präfect der Leibwache , und bat ihn um Urlaub auf acht Tage . Ich wollte nach Nicäa , in ' s Haus des Lysias ; ich wollte mich selbst überzeugen , wer diese Theophania sey . Der Präfect schlug meine Bitte geradezu ab , und gleich als ob er fürchtete , ich möchte ohne seine Erlaubniß dennoch fortreisen , trug er mir die Wache im kaiserlichen Palaste auf . Ich knirschte vor Zorn , aber ich mußte gehorchen . Mein vertrautester Sclave wurde nach Nicäa an einen alten Bekannten unsers Hauses gesandt , um sich nach der Fremden zu erkundigen . Nach sechs langen Tagen kam er , gestern zurück , seine Nachrichten löseten keinen meiner Zweifel , sie dienten nur , sie noch mehr zu verwirren . Theophania galt auch hier für die Wittwe eines byzantinischen Kaufmanns ; aber der Greis , der sie begleitet hatte , war nicht ihr Vater , es war ein christlicher Priester , ein Bruder des Senators Lysias , derselbe , der vor mehr als einem Jahre als Glaubenslehrer zu den Gothen gereiset war . Zu den Gothen ! Und von daher war er jetzt mit dieser Fremden gekommen ! Hat er sie dort gefunden ? War sie aus Byzanz ? Warum nannte sie ihn auf der Reise ihren Vater ? Wie kam er dazu , sie zu begleiten ? Wie kam sie in das Haus des Lysias ? Der feile Marcius kömmt täglich hin , er spielt öffentlich ihren Verehrer , er will sie heirathen , und sie - sie begegnet ihm freundlich . Ist das auch wahr ? Kann man Gerüchten trauen ? Marcius Alpinus muß Larissen persönlich kennen , und sie ihn . Gegen diesen Mann könnte sie ihr Daseyn nicht verschweigen , wenn sie mit Theophanien Eine Person wäre . Oder verbirgt sie sich blos vor mir , und ist Marcius ihr Vertrauter , der Einzige , der um ihr Schicksal wissen darf ? O Phocion ! Wie glühende Dolche kreuzen sich diese Gedanken in meiner Seele . So viel ist gewiß , entweder Theophania ist nicht Larissa , oder wenn sie es ist , so trennt ein böses Schicksal , oder noch bösere Menschen sie auf ewig von mir - so ist sie nicht viel besser , als für mich verloren , für mich , dem sie sich so ängstlich verbirgt . O kann sie denn das Entzücken nicht denken , in das mich ihre Erscheinung versetzen würde ? Glaubt sie nicht mehr an meine Treue , weil die ihrige erloschen ist ? O beim Himmel ! Wenn das wäre - - dann mußte ich den für meinen Todfeind halten , der mir die Gewißheit gäbe , daß sie den Händen der Gothen entgangen ist , um das Weib jenes Marcius zu werden ! Und wenn sie nicht Larissa ist ? Wenn diese wirklich unter dem Hügel von Trachene begraben liegt ? O die Wahrscheinlichkeit dieses Gedankens drängt sich mir , wenn meine Phantasie in kühnen Bildern schwelgt , am öftersten , am lähmendsten auf ! Wer weiß , wer diese Theophania ist ! Sie ist aus Nikomedien gebürtig , sie hat mich vor zehn Jahren öfter gesehen , ich sie auch vielleicht , ohne ihren Namen zu wissen . Wie leicht ist eine gleichgültige Gestalt in zehn Jahren vergessen ! Heliodor hat sie zufällig in Byzanz kennen gelernt , die junge verlassene Wittwe begibt sich unter den Schutz des ehrwürdigen Priesters , dessen Alter und Denkart ihr eine anständige Begleitung zusichert . So kommen sie nach Synthium , so nach Nicäa , wo er sie zu seinen Verwandten bringt . Dort lebt sie verborgen , bis der verächtliche Wollüstling Marcius die große Zahl seiner Schlachtopfer mit ihr vermehren will . Wie alltäglich , wie allzunatürlich ist diese Geschichte ! Ihre Erschütterung beim Anblick meines Bildes , ihre folgende Blässe , Verstörtheit , der geänderte Reiseplan sind wohl eben so unbedeutende Umstände , die nur in Sulpiciens Phantasie , welche gern die gewöhnlichsten Dinge in einem seltsamen pathetischen Lichte sehen will , ihren Ursprung haben . So fallen meine Hoffnungen in ein leeres Nichts zusammen . Hundert Mal in einem Tage durchläuft mein bewegtes Gemüth den ganzen Kreis von Vermuthungen , Zweifeln , Absprechungen , die dieser Brief enthält . Hundert Mal entsagt die prüfende Vernunft den leeren Schattenbildern , und eben so oft faßt sie das Herz mit wehmüthiger Freude wieder auf . O wer kann einer solchen Aussicht entsagen , ehe er bestimmt weiß , daß sie blos Täuschung ist ! Auch steht mein Entschluß fest , so bald ich kann , nach Nicäa zu eilen , und mir Ueberzeugung zu verschaffen , falle sie nun aus , wie sie wolle . Ich denke bald Erlaubniß zu erhalten - bis dahin brennt der Boden unter meinen Füßen . Der Staatskunst und dem alten Haß ist sein feindliches Werk gelungen . Die Christenverfolgung ist ausgebrochen . Aber unsre Feinde werden doch nicht triumphiren . Es werden tausend Opfer fallen , und das Gebäude der Kirche , benetzt mit dem Blute unzähliger Bekenner , wird sich schöner und fester aus seinem Schutt erheben . Auf einer neuen Seite wird mein Gemüth in diesem Zeitpunkt innerlicher Unruhe von jenen Fällen erschüttert . Ich sehe meine Brüder leiden , ich sehe die Ungerechtigkeiten , die man sich gegen sie erlaubt , und Schonung gegen einen dem Grabe nahen Vater verbietet mir , öffentlich aufzutreten , und mich als ihren Glaubensgenossen zu bekennen , jetzt , wo sie der Vertheidiger und Helfer nicht genug haben könnten . Verborgen und heimlich versammeln sich die Gemeinden in Katakomben und Gräbern , die ihnen schon