und der Gesang begann : Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! Du bist mir ein edler Zweig , So treu bist du , man glaubt es kaum , Grünst sommers und winters gleich . Mädchen : Wenn andere Bäume schneeweiß sein Und traurig um sich sehen , Sieht man den Tannebaum allein Ganz grün im Walde stehen . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Mein Schätzel ist kein Tannebaum , Ist auch kein edler Zweig , Ich war ihm treu , man glaubt es kaum , Doch blieb er mir nicht gleich . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Er sah die andern schneeweiß sein Und schimmernd um sich sehn , Und mochte nicht mehr grün allein Bei mir im Walde stehn . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Der andern Bäume dürres Reis Schlägt grün im Frühling aus , Pocht er sein Röckchen , bleibts doch weiß , Schlägt nie das Grün heraus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Oft hab ich bei mir selbst gedacht , Er kömmt noch einst nach Haus , Spricht : Hab mir selbst was weiß gemacht , Poch ' mir mein Röcklein aus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Und klopft ich ihn auch poch , poch , poch , So fliegt nur Staub heraus ; Das schöne treue Grün kommt doch Nun nimmermehr heraus . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Drum als er mich letzt angelacht , Ich ihm zur Antwort gab : Hast dir und mir was weiß gemacht , Dein Röcklein färbet ab . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : O Tannebaum ! o Tannebaum ! Wie traurig ist dein Zweig . Du bist mir wie ein stiller Traum Und mein Gedanken gleich . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. Mädchen : Du sahst so gar ernsthaftig zu , Als er mir Treu versprach , Sprich , sag mir doch , was denkest du , Daß er mir Treue brach . Chor : O Tannebaum ! o Tannebaum ! etc. So sangen die Kinder lustig in den Wald hinein , und das Wild , aufgeschreckt von dem Geräusche , stürzte tiefer in das Tal . Der Mond war aufgegangen , und schon in den Wald herein . Da wir auf der anderen Seite den Berg oben waren , sagten uns Flametta und die Kinder Gute Nacht , und wir hörten sie in der Ferne noch singen . Wir standen oben und sahen über das leuchtende grüne Meer , in dem der Wald hin und her flutete . Stille Kühle drang mir ans Herz , ich hätte hier stehen und träumen können von Seen und Meeren , in denen die Götter hausten . Wenn die Bäume hin und her ihre Schatten wälzten , brausten und wie in geheimnisvollen , nächtlichen Festen taumelten , so schwoll es wie Ebbe und Flut an meinem Herzen . O ! der Mensch ist das Gestade , an das alle Wellen des Lebens schlagen , er steht ewig am Ufer und sehnt sich hinaus in das , was herüberwehet , seine Gedanken segeln kriegbrütend und goldsuchend wie mächtige Schiffe in die Ferne ; was zu Hause bleibt im Herzen , steht und hoffet und trauert . Soll er hineinstürzen , oder werden die Wellen rächend zu forschen kommen , was ihnen vom Gestade herüberwehte ? Mit solchen Gedanken warf ich einen Blick zurück in diesen untergegangenen Tag . Die Eiche , unter der ich die Dryaden angerufen hatte , ragte wie ein Tempel unter allen hervor ; einige weiße Gestalten tanzten um sie herum , und man hörte ein leises Klingen , das durch das Brausen der Bäume manchmal hervortönte , als schwämme ein goldenes glänzendes Gefäß in Meereswellen . Ich machte Habern darauf aufmerksam . » Sehen Sie die Waldgötter dort tanzen ? « Er wunderte sich , und Godwi sagte , es sei ein Tanz , den er Kordelien zum Gedächtnisse gestiftet , Flametta und die kleinen Mädchen tanzten ihn alle Abend , wenn es schönes Wetter sei , und die Musik töne von zwei kolossalischen Äols-Harfen , welche Kordelia in den Gewölben des Baumes habe anbringen lassen . Es war gut , daß es bei meinem Gebete so windstille gewesen war , sonst hätte ich sehr erschrecken können . Wir legten noch einen kurzen Weg zurück , als sich eine andere Gegend erschloß . Dreizehntes Kapitel Der Weg zog sich noch eine Strecke durch den Wald , aber man konnte unten durch die Stämme schon das freie Tal sehen . Es schien mir , als gingen wir langsamer , als zögen uns die Schatten des Waldes zurück . Am Ausgange des Waldes trafen wir auf ein kleines Haus , neben dem ein größeres zerstörtes Gebäude stand , und ich bemerkte , daß auf dem Rauchfange des letztern das Storchnest war , welches ich den Morgen gesehen hatte . Aus dem Fenster der Hütte schimmerte ein Licht , und ich fragte , wer hier so einsam wohne . Godwi sagte : » In dem Hause wohnt kein Mensch , das Licht , das darinne brennt , ist eine Lampe , die alle zwei Tage angesteckt wird . Schon seit meiner frühesten Jugend erinnere ich mich , daß ich eine furchtsame Ehrfurcht vor diesem Hause hatte . Es ist ein Herkommen , daß dies Licht hier brennt . Wenn eine Jungfrau oder ein Jüngling unter den Mennoniten stirbt , welche meine Pächter sind , so wird er hier in diesem Hüttchen einen Tag und eine Nacht hingesetzt , und hier neben zwischen den Mauern des verfallenen Gebäudes begraben . Warum die Stube ganz eingerichtet ist , als wohne eine Familie darin , weiß ich nicht ; aber es ist eine freundliche Idee . Der älteste meiner Pächter hat den Schlüssel dazu ;