, wie ein gesättigter Gast von der Tafel der Natur aufstehen und sich schlafen legen ? - » Um nie wieder zu erwachen ? « - Warum nicht , wenn wir dazu geboren sind ? - Oder fühlst du auch , Laiska , daß etwas in dir ist , das sich gegen diesen Gedanken auflehnt ? Eine Art von dunkelm aber innigem Gefühl , daß dein wahres eigentliches Ich eben darum immer fortdauern wird , weil es ihm unmöglich ist , sein eigenes Nichtseyn zu denken ; weil wir ohne Unsinn zu reden nicht einmal vom Nichtseyn reden können ? Sollte die Behauptung , » daß das Selbstständige in uns , welches unter allen Veränderungen , denen es unterworfen seyn mag , immer sich selbst gleich bleibt , unvergänglich sey , « noch einen andern Beweis bedürfen , als diesen : daß es uns eben so unmöglich ist Etwas als Nichts , wie Nichts als Etwas zu denken ; und daß sich weder eine Ursache , wie , noch ein Zweck warum es zu seyn aufhören sollte , ersinnen läßt ? Sollte dieß nicht die ganz einfache natürliche Ursache seyn , warum uns der Gedanke an den Tod so selten und wenig beunruhigt ? Wenn er sich uns auch darstellt , so wirkt er wenig mehr auf uns , als wenn uns jemand in größtem Ernst versicherte , wir seyen nicht da , wiewohl wir selbst uns unsers Daseyns aufs lebendigste bewußt wären . Ich rede , wie du siehst , von Menschen unsers gleichen ; denn daß es mit denen , die unter der Gewalt einer ungezügelten Einbildungskraft stehen und sich vor den Schreckbildern des Tartarus und Pyriphlegeton grauen lassen , gleiche Bewandtniß habe , will ich keineswegs behaupten . Indessen begehre ich eben so wenig zu läugnen , daß unsre Ruhe bei dem Gedanken des Todes , insofern sie sich auf die gefühlte Unmöglichkeit des Nichtsseyns gründet , nicht vielleicht eine bloße Täuschung sey , die aus dem üppigen Gefühl einer vollströmenden Lebenskraft entspringen , und uns dereinst , wenn die Quelle zu versiegen beginnt , wieder verlassen könnte . Es wäre also nicht überflüssig , wenn wir der Natur noch andere Fingerzeige ablauerten , die uns auf Betrachtungen hin wiesen , wodurch wir der Unzulänglichkeit jenes ahnenden Gefühls zu Hülfe kommen könnten . Sollte Plato nicht am Ende doch Recht haben , wenn er behauptet : unsre Seele bedürfe des Leibes nicht schlechterdings zu ihren eigenthümlichen Verrichtungen ; er sey ihr darin mehr hinderlich als behülflich , und sie würde ohne ihn nur desto besser denken und wirken können ? - Daß er ( wie es seine Art ist ) die Sache übertreibt , und Folgen daraus zieht , vermöge deren er den Körper als ein Gefängniß der Seele betrachtet , dadurch wollen wir uns nicht irre machen lassen . Wir gönnen ihm diese Vorstellungsart sehr gern , und er wird uns dafür erlauben , unsern Körper ( dermalen wenigstens ) für ein ganz bequemes , mit allem Nöthigen und vielem Nützlichen und Angenehmen wohl versehenes Wohnhaus unsrer Seele anzusehen . Die Frage sey also jetzt nur : kann unsre Seele , unter gewissen Umständen , der Organe ihres Körpers zu ihren eigenthümlichen Verrichtungen entbehren , oder nicht ? - Was wir schlafend in Träumen erfahren , wird uns vielleicht einiges Licht hierüber geben können . Es ist wohl kein Zweifel , daß wir im Traum ohne Zuthun unsrer Augen und Ohren sehen und hören , ohne Hülfe der Füße gehen , ohne die Sprachwerkzeuge wirklich zu gebrauchen reden , kurz , daß die Seele zu wachen glaubt und sich in voller Aktivität befindet , während ihr Körper in tiefer Ruhe abgespannt und unbeweglich da liegt , und die Organe der Sinnlichkeit und die äußerlichen Gliedmaßen überhaupt , so viel wir wenigstens wissen , nicht das Geringste zu den Verrichtungen derselben beitragen . Aber hüten wir uns , einen zu raschen Schluß aus dieser Erfahrung zu machen . Auch im Traume bleibt die Seele an ihren Körper gebunden ; sie wähnt mit seinen Augen zu sehen , mit seinen Ohren zu hören , und sich aller seiner Gliedmaßen , mit und ohne ihre Willkür , zu bedienen ; kurz , ihr Körper ( wiewohl er keinen Antheil an dem , was in ihrem Innern vorgeht , zu nehmen scheint ) bleibt auch im Traume ihr unzertrennlicher Gefährte , der beständige Typus ihrer Vorstellungen , und das unmittelbare Werkzeug ihrer unfreiwilligen Empfänglichkeit sowohl , als ihrer willkürlichen Selbstbewegungen . Indessen ist bemerkenswerth , daß sie in diesem sonderbaren Zustande zwar immer mit ihrem Körper vereinigt ist , aber viel weniger von ihm eingeschränkt wird als im Wachen . Wir versetzen uns mit der Leichtigkeit einer Flaumfeder in einem Augenblick an die entferntesten Orte , wir fliegen ohne Flügel durch die Luft , gehen unbenetzt und unversengt durch Wasser und Feuer u.s.w. , auch sind die Beispiele nicht selten , daß unsre geistigen Kräfte im Träumen viel höher gespannt sind als im Wachen , und daß wir Dinge vermögen , wozu wir wachend entweder gar keine oder eine nur geringe Anlage besitzen . Seltner , aber doch zuweilen , ist es als ob wir zu einer höhern Art von Existenz gelangt wären ; wir sehen schärfer , hören feiner , fühlen zärter , als im Zustande des Wachens ; die Gegenstände unsrer Liebe zeigen sich uns wie durch ein reineres Medium , und die Gefühle und Gesinnungen , die sie in uns erzeugen , sind von aller gröbern Sinnlichkeit dermaßen geläutert , daß wir darüber erstaunen müßten , wenn sie uns in diesem erhöhten Zustande nicht ganz natürlich vorkämen . Ich selbst , Laiska , habe dich im Traume ( was unglaublich ist ) noch schöner gesehen als du mir wachend erscheinst ; ich wußte daß du es warst , und doch sah ich die himmlische Göttin der Schönheit und Liebe selbst in dir , und es gibt keine Worte , das was ich fühlte zart und rein genug