, wie ich es damals war , keine Aussichten für die Zukunft habe , daß er sich vielleicht erst in zehn oder zwölf Jahren eine bescheidene Häuslichkeit gründen könne , und daß ihre Tochter sich nicht auf so lange binden dürfe . Ein bescheidenes Heim war ja überhaupt nicht nach dem Geschmack der Frau Rätin . Da hieß es : entweder entsagen oder sich › Aussichten ‹ schaffen , und ich zog das letztere vor . Drüben in der Neuen Welt war ja so mancher schon zu Glück und Reichtum gekommen , warum sollte es mir denn nicht glücken ? Ich warf kurz entschlossen den Gutsinspektor über Bord und ging nach Amerika . Man ist bisweilen noch so unglaublich naiv mit fünfundzwanzig Jahren und meint , man könne ohne viel Mühe die halbe Welt erobern – ich meinte das damals auch ! « Er hielt inne , als wartete er auf eine Antwort , doch diese erfolgte nicht ; wohl aber bebte der Stift in der Hand der jungen Frau , die sich tief auf ihre Zeichnung herabbeugte , und sie merkte es nicht einmal , daß sie mit allerlei wirren Linien die ganze Skizze verdarb . Robert schien doch etwas anderes erwartet zu haben als dies hartnäckige Schweigen , allein er machte keinen Versuch , es zu brechen , sondern ließ das Thema plötzlich fallen . » Doch das sind alte , vergessene Geschichten , die uns beide nichts mehr angehen ! Wir haben ja beide Carriere gemacht im Leben , jeder auf seine Weise . Ich will nicht undankbar sein gegen die Fremde , mir hat sie viel gegeben . Was ich bin und habe , danke ich ihr , aber zum › Lebensquell ‹ ist sie mir nie geworden . Der war fern in der Heimat zurückgeblieben , und ich habe mich oft genug danach gesehnt , wie ein Wanderer in der Wüste . Jetzt will ich mich wieder satt trinken daran , will endlich wieder schaffen auf heimischem Boden ! Ich frage nicht danach , ob er im kalten , grauen Norden liegt , denn auf meiner Scholle bin ich der Herr und das Dach über meinem Haupte ist mein . Mehr brauche ich nicht – was sonst noch notthut , nehme ich auf mich ! « Er hatte sich emporgerichtet und seine Augen blitzten in stolzer Genugthuung . Es lag etwas wie Neid in dem Blick , mit dem Elfriede auf den Mann schaute , der wie die verkörperte Kraft und Energie vor ihr stand . Er war gesund geblieben im heißen Kampfe des Lebens , gesund an Leib und Seele , und sie , der dies Leben alles gegeben hatte , was es an Gütern nur schenken konnte , sie ? – Es stieg plötzlich bitter und verzweiflungsvoll in ihr empor , wie das Weh um etwas unwiederbringlich Verlorenes . » Sie sehen , ich habe doch kein rechtes Talent zum Weltfahrer , « hob Adlau wieder an . » Aber ein anderer scheint sich unter Ihrer Leitung dazu ausbilden zu wollen . Der getreue Ritter begleitet Sie ja auch nach Aegypten , wie ich höre . « Herr Wellborn hat allerdings gebeten , sich uns anschließen zu dürfen , « sagte Elfriede , ohne den Spott beachten zu wollen . » Wir haben nichts dagegen . Er ist ein angenehmer Reisegefährte , eine harmlos heitere Natur . « » Jawohl , sehr harmlos – wie alle Schwachköpfe ! « Die junge Frau schlug heftig ihr Skizzenbuch zu und erhob sich . » Herr Adlau , Sie sind sehr rücksichtslos in Ihren Urteilen . « » Aber nicht ungerecht , das werden Sie zugeben . Trotzdem steht Herr Wellborn in hoher Gunst bei Ihnen . – Bitte , gnädige Frau , nicht diese Miene der Entrüstung ! Ich thue Ihrem Geschmack wirklich nicht die Beleidigung an , da irgend ein Interesse vorauszusetzen . Der gute Narr ahnt es gar nicht , daß er diese Gunst im Grunde nur mir verdankt . « » Ihnen ? « wiederholte Elfriede mit scharfer Betonung . » Ich wüßte doch nicht – « » Aber ich weiß es ! « fiel Robert mit ausbrechender Gereiztheit ein . » Ich weiß , wem dies Spiel gilt , das ich oft genug habe mit ansehen müssen , wer damit gestachelt und gereizt werden soll . Sie kennen nur zu gut noch meine alte eifersüchtige Schwäche . Nun denn ja , es hat mich gereizt , trotz alledem , ich will ' s nicht leugnen ! Aber jetzt , wo wir uns trennen , werden Sie den albernen Menschen doch wohl endlich fortschicken . Auf Ihrer Reise nach Aegypten ist er doch überflüssig , sollte ich meinen ! « Dies Geständnis der Eifersucht brach grollend , fast wider Willen aus seinem Innern hervor , aber es war doch immer ein Geständnis und es verfehlte nicht seinen Eindruck auf die junge Frau , deren Antlitz sich plötzlich tief und glühend färbte . Ihre Stimme bebte , als sie unsicher und halblaut sagte : » Was kümmert Sie denn das , wenn Sie in Brankenberg sind ? Da liegen ja Länder und Meere zwischen uns . « » Müssen Sie denn nach Aegypten , Elfriede ? « Es klang ein alter , lang nicht gehörter Ton auf in der Frage , in dem Namen , den er zum erstenmal wieder aussprach . » Ihr Vater bringt Ihnen ein Opfer mit dieser Reise , er sehnt sich fortwährend nach seinem Lindenhof . Es steht ja nur bei Ihnen , die Orientfahrt aufzugeben – und heimzukehren . « Elfriede antwortete nicht , sie fühlte , welches Opfer hier verlangt wurde ; nicht das Opfer einer Reise , die ihr höchst gleichgültig war : der Stolz , der Starrsinn in ihr sollten sich beugen . Sie kämpfte augenscheinlich mit sich selber . Ein gutes Wort , eine Bitte hätte in diesem Augenblick alles entschieden , aber Robert Adlau verstand es nun einmal nicht , zu bitten