, allein die Veränderung zu beobachten , die innerhalb kurzer Zeit mit Johanna vor sich ging , das war mehr , als ein ganzes Regiment zu ertragen vermocht hätte . Und dennoch wäre ich , trotz meiner Lisette und trotz Johanna ' s Flehen , unerschütterlich geblieben , hätte der Arzt nicht die letzte Möglichkeit einer Rettung von der Erfüllung ihrer Wünsche abhängig geglaubt . « » Wo Herr Bernhard , der bewußte Kaplan , so schnell herkam , nachdem ich meine Zustimmung gegeben , weiß ich mir heute noch nicht zu erklären ; jedenfalls aber hielt ich ihn , nach ein oder zwei Unterredungen , für einen verständigen Menschen , der seiner schwierigen Aufgabe wohl gewachsen sei . Er besuchte von da ab Johanna fast täglich ; meine Lisette war stets zugegen und enthielt von der kindlichen Frömmigkeit und christlichen Geduld , mit welcher er Johanna tröstete und ihr wenigstens nicht zurieth , schon jetzt , und zwar ohne vorher reiflich überlegt zu haben , zum Katholicismus überzutreten . « » Wenn es mich nun auf der einen Seite erfreute , daß Johanna durch den religiösen Verkehr mit Herrn Bernhard ruhiger und ihr schrecklich aufgeregter Seelenzustand gewissermaßen geordneter wurde , so erfüllte es mich andererseits mit einem schwer zu beschreibenden Entsetzen , zu gewahren , wie sie von Stunde an dahinsiechte und ihr Geist sich fast ausschließlich mit dem vermeintlich trostlosen Zustande ihrer verstorbenen Eltern beschäftigte . « » Betrachtete sie doch zuletzt jeden irdischen Ge danken , ja sogar die Erinnerung an Dich , ihren verlobten Bräutigam , als eine schwere Sünde , wie sie heute noch damit umgeht , mich , einen alten , bald siebenzigjährigen Kriegsknecht , der allein seligmachenden Kirche in die Arme zu führen , was , wenn es ihr gelänge , meiner guten Lisette allerdings ein ganz ungeheures Vergnügen bereiten würde . Uebrigens , Junge , muß ich Dir gestehen , so wenig ich auch sonst davon halte , die Cocarde zu wechseln , wenn ich meine arme Johanna dadurch wieder zu dem heitern Kinde machen könnte , als welches sie im vorigen Jahre in mein Haus einzog , dann soll mich der Teufel holen , wenn ich nicht zum Katholicismus oder jeder andern beliebigen Religion überträte . « » So stehen also die Sachen ; Du kannst daraus entnehmen , welch schwere Zeit ich hier verlebte . Dich noch einmal wiedergesehen zu haben , gereicht mir zum Trost und zur Beruhigung . Deinen leichtsinnigen Streich vergebe ich Dir , um des Kummers willen , welchen auch Du zu tragen bestimmt bist ; ich verzeihe Dir doppelt gern , weil ich aus Deinem Munde vernommen habe , was mir auch Andere bereits versicherten , daß Du in üble Hände gerathen und gewissermaßen wider Deinen ursprünglichen Willen in den Strudel mit hineingerissen worden bist . Ich beiläge Dich innig und tief , ich beklage Dich , nächst Johanna , am meisten ; aber Du bist ein Mann und wirft Dein Loos männlich zu ertragen wissen , und wohin das Geschick Dich verschlagen mag , und welche Wechselfalle des Lebens Dich treffen , erinnere Dich zuweilen Deines alten Vormundes und daß ich , wenn Dir etwas daran gelegen ist , noch in meiner letzten Stunde Dir meinen Segen , über Länder und Meere fort , zusenden werde . « » So , mein Sohn , ich bin zu Ende ; was ich Dir zu sagen wünschte , das habe ich Dir mitgetheilt ; nun erzähle auch Du mir offen und ehrlich Deine Erlebnisse , und dann wollen wir von einander scheiden , – aber trinke , – trinke einmal , Du siehst so bleich ans , Du dauerst mich , trinke ein halbes Gläschen , mein Kind . « Dem alten Mann zu Liebe führte ich das Glas an die Lippen , aber zu trinken vermochte ich nicht . Ich vergegenwärtigte mir Johanna , die , mir wenig Schritte von mir entfernt , vielleicht vergeblich den Schlummer herbeisehnte . Nachdem ich sodann einen Blick auf Anton geworfen , der sich in der Nähe des mäßig geheizten Ofens niedergekauert hatte und eingeschlafen war , begann ich meinen Bericht . Ich schilderte nicht nur meinen Aufenthalt in Frankfurt , meine Flucht und meine Reise von dorther bis zur Oberförsterei , sondern auch Alles , was nur im Entferntesten in Beziehung zu Johanna oder mir gebracht werden konnte . Ich erwähnte unseres Zusammentreffens mit Bernhard bei dem Gesundbrunnen und der daselbst gewechselten Worte ; dann Bernhard ' s ersten Besuchs bei mir und seiner Beredsamkeit , die damals mein ganzes Innerstes in wilde enthusiastische Flammen setzte . Ebenso gedachte ich Fräulein Brüsselbach ' s und ihrer Warnung , die sie auf dem Berge bei Rolandseck an mich ergehen ließ , woraus ich den Schluß zog , daß kurz vor mir Bernhard mit dem vorgeblichen Onkel an derselben Stelle gewesen und vielleicht von der Irrsinnigen belauscht worden sei . Des wilden Andres feindliche Gefühle gegen mich , und die Beweise dafür beschrieb ich , wie sie es verdienten , und vor allen Dingen vergaß ich nicht , die verdächtige Freundschaft zwischen Bernhard und Anton ' s Bruder hervorzuheben und die Unterredung zwischen denselben , welche ich am vorhergehenden Abend theilweise erlauscht hatte , zu wiederholen . Ueberhaupt ging ich mit größter Ueberlegung zu Werke , und wo es mir irgend von Wichtigkeit erschien , berichtete ich so ausführlich wie möglich . Ich hegte dabei die Absicht , meinem Vormunde , ohne offen als Kläger gegen Bernhard aufzutreten , ein so klares Bild von dem gegen uns gesponnenen Verrath zu verschaffen , wie es mir selbst vorschwebte . Und es gelang mir ; ich durfte es wenigstens aus den grimmigen Blicken entnehmen , mit denen er bald mich , bald Anton , bald die unangerührten vollen Gläser vor uns auf dem Tisch anstarrte , und aus der rücksichtslosen Heftigkeit , mit welcher er abwechselnd seine Augenklappe verschob und seinen ehrwürdigen Schnurrbart drehte , Heine Bewegung hier mit einem tiefen schmerzlichen