, daß bald der Tag komme , wo er fragen wird : , Elsa , wessen Antlitz trägt denn die Gattin , die auf dem Bilde neben mir am Tische sitzt ? ‘ Dann werde ich den Kopf zur Seite wenden und sagen : , Das müs ­ sen Sie wissen ! ‘ — Brüderchen , Schwesterchen , o , er wird meinen Kopf zu sich umwenden und sprechen : , So soll sie aussehen ! ’ 43 Laßt mich — laßt mich — es wogt mir wie Frühlingsatem aus meinem Zimmer entgegen . Ja , ja , ich fühle es , die Musen erwarten mich dort ! “ Mit diesen Wor ­ ten flog , flatterte , rauschte sie in ihr Atelier . Frau Herbert sah ihr mit einem traurigen , fast mitleidigen Blick nach : „ Nun sage mir nur Edmund , kannst Du wirklich einen Moment lang geglaubt haben , ein Mann wie Möllner werde dies Mädchen heiraten ? “ „ Warum nicht , es ist schon manche ungleichere Partie gemacht worden , — es kommt nur darauf an , daß man es richtig einzufädeln versteht . Hätte die arme Elsa eine so geschickte Mutter , wie die Deine war , so läge die Sache nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit . Allein das arme Ding hat Niemanden als mich , der ihr beisteht , und wir Männer sind im Kuppeln ungeschickter , als die dümmste Frau ! “ Frau Herbert hatte bei dem Ausfall auf ihre Mutter und sie selbst schmerzlich vor sich hingeblickt , sie fand es unter ihrer Würde , auf eine so niedrige Bosheit zu antworten . Sie sagte nur ganz gelassen : „ Es freut mich , Edmund , daß es doch ein Geschöpf in der Welt gibt , für welches Du Nachsicht , ja so ­ gar ein blindes Wohlwollen hast . Nun , sie ist Deine Schwester ! Ich habe das arme Wesen gewiß auch lieb , aber ich glaube nicht , daß es irgend einer List gelingen werde , in Möllner eine Neigung für sie zu erwecken ! “ „ Du hast sie von jeher mit gehässigen Augen betrachtet “ , fuhr Herbert auf , „ man sollte meinen , sie sei ein Monstrum . Sie ist nicht mehr ganz jung , aber sie hat doch etwas sehr Jugendliches . Sie ist kein großes Talent , aber eine echte Künstlernatur . Sie ist nicht hübsch , aber gerade ein Schwärmer , wie Möllner , sieht mehr auf innere als auf äußere Vor ­ züge und ihre wahrhaft schöne Seele kann ihm nicht verborgen geblieben sein . Ist es nicht auffallend , wie er sie in Gesellschaft auszeichnet ? Führt er sie nicht immer zu Tisch , wenn sie keinen Herrn hat , was meistens der Fall ist ? Wenn sie Alle meiden , setzt sich nicht Möllner zu ihr ? Das tut ein so gewissenhafter Pedant wie Möllner nicht ohne Absicht , und hätte sie keinen anderen Reiz für ihn , als ihre so naiv zur Schau getragene Bewunderung , so wäre das schon ein Band , ihn zu fesseln , denn er ist eitel wie jeder Mensch und muß daher an einer so fana ­ tischen Vergötterung Gefallen finden ! Wäre diese verwünschte Hartwich nicht dazwischen getreten , wer weiß , wie weit wir es mit ihm gebracht hätten ! Aber sie soll es mir büßen , das sei ihr hiermit gelobt ! “ „ Du wirfst Deinen Groll wieder auf eine ganz Unschuldige . Was kann denn dies fremde Mädchen dafür , daß Möllner sich für ihre geniale Kraft mehr interessiert , als für den sentimentalen Dilettantismus , dies ewige Wollen und Nichtkönnen unserer Elsa ? Ich habe von jeher seine Freundlichkeiten für diese nur als eine Handlung der Menschlichkeit aufgefaßt . Sie ist eine lächerliche Persönlichkeit in der Gesell ­ schaft , das weißt Du wohl , — ein Mann von Möllners gutmütigem und ritterlichem Charakter duldet es nicht , daß man ein unschuldiges , harmloses Mäd ­ chen verhöhne , — deshalb warf er sich zu ihrem Be ­ schützer auf und suchte , großmütig , wie er ist , die Lieblosigkeit der Anderen bei ihr wieder gut zu machen . Auch ahnt er sicher nicht , daß Elsas Eitelkeit noch so hochstrebende Plane an diesen Akt des Mitleids knüpft , sonst würde er sich nie verzeihen — “ „ Genug , genug ! “ unterbrach sie Herbert wütend . „ Wie Du nur mit Deinem Gesichtsschmerz so viel reden kannst ! Ich begreife , daß Dir Elsa zuwider ist , weil ich sie gebildet habe , aber ich begreife nicht , wie Du Dich auf Deinem Sorgenstuhle in diesen Möllner verlieben konntest ! — Wahrlich , hoffte ich nicht , diese Schwester bei ihm anzubringen , ich hätte dem hochmütigen , eingebildeten Burschen längst die Zähne gezeigt , denn ich hasse ihn eben so sehr , als ihr Weiber , alte und junge , ihn vergöttert ! “ Frau Herbert streifte den zischenden , schäumen ­ den Sprecher nur mit einem ruhigen , überlegenen Blick — das Wort , das ihr auf der Zunge schwebte , schluckte sie hinunter , denn sie besaß ja die bei Frauen so seltene Kunst , zu rechter Zeit zu schweigen , und so nahm sie stumm ihre Arbeit wieder zur Hand . — Einige Minuten wartete Herbert auf eine Ant ­ wort , die ihm Gelegenheit gäbe , seinen Grimm noch weiter auszulassen , als jedoch keine erfolgte , wandte er sich seinem Arbeitszimmer zu . Da klopfte es an die Tür und herein trat der Postbote mit einem dicken , viereckigen Packet in der Hand . Herbert erblaßte bei diesem Anblick , auch seine Frau sah kummervoll danach hin . „ Dein Manuskript ? “ frug sie . „ Mein Manuskript ! “ sprach er und schrieb mit zitternder Hand seinen Namen in das Postbuch . „ Kostet einen Gulden vier und zwanzig Kreuzer “ , sagte