, mein alles . Dann schreckte ich auf , die schmetternden Klänge eines lustigen Marsches trafen mein Ohr : sie kehrten zurück vom Begräbnis ; und immer lauter und näher erschallten diese übermutigen , lustigen Weisen . Ach , es war sein Lieblingsmarsch gewesen . Unter diesen Klängen war er damals in Bendeleben eingezogen , hatte er mir einst so verwegen , so lustig in die Augen geschaut , damals , als die Regimentskapelle auf dem großen Rasenplatze vor dem Schlosse spielte . » Oh , die Jugend , das Leben ist doch wunderschön ! « hatte er damals gesagt , und ich hatte mit eingestimmt und mitgejubelt . Noch als ich ihn zum letzten Male sah , pfiff er diese Melodie und schaukelte sein Kind auf den Knien ! Oh , diese Erinnerungen , wie sie mich packten , mir zeigten , wieviel süßes Glück ich verloren ! Aber was die furchtbare Gegenwart nicht gestattete , das weckte die Mahnung an die wonnige Vergangenheit – ich schlang meine Arme um den Hals der alten Frau und schluchzte und weinte aus dem tiefsten Grunde meiner gequälten Seele . » Gott sei Dank , sie weint ! « das war alles , was die alte Frau sagte . Und nun , meine liebe Freundin , habe ich kaum noch etwas von mir zu sagen , mit ihm war eben alles ins Grab gesunken , was das Leben mir wert gemacht hatte – was nun folgte , war kein Leben mehr , war ein Vegetieren ohne jedes Interesse . Noch manchen schweren Schlag habe ich zu ertragen gehabt , aber der willkommene Gast , die Freude , ist nie mehr bei mir eingekehrt . Wohl ist mir noch mancher herzlich entgegengekommen , und ich lernte auch , nachdem ich die ersten schweren Jahre überstanden , diese Herzlichkeit und Liebe anerkennen , aber ich selbst – ich konnte mich nicht mehr freuen , das hatte ich verlernt in jenen schrecklichen Stunden . Bald nachher hatte ich gänzlich vereinsamt an Kathrins einfachem Hügel gestanden , noch jung und nicht imstande , eine Beschützerin , und sei sie auch noch so schwach , zu entbehren . Auf Bendeleben hatte man mir damals eine Heimat angeboten , um so mehr , da Eberhardts Kind lange nach mir weinte und bangte . Ich sollte ihn erziehen , sagte mir Frau v. Bendeleben , aber ich lehnte ab . Es war wohl ein wenig Stolz von mir : ich wollte nicht da Erzieherin sein , wo ich im Begriffe gestanden hatte , die Mutter des Kindes zu werden . Dann fürchtete ich mich auch , weich zu werden und dereinst den Abschied nicht ertragen zu können , wenn es seiner Mutter plötzlich einfallen sollte , ihn nach Wien zu fordern . Ich hatte recht gehabt . Ruth vermählte sich zum dritten Male , mit dem jungen Fürsten Bodresky , und da die Ehe kinderlos blieb , adoptierte später der Fürst seinen Stiefsohn . Er wurde im katholischen Glauben , zu dem auch Ruth übertrat , erzogen und scheint mit der bestechenden Persönlichkeit den ganzen Leichtsinn seiner Mutter geerbt zu haben . Jetzt ist er längst verheiratet und hat es nur der Größe seines fürstlichen Vermögens und der enormen Mitgift seiner Frau zu verdanken , daß es ihm noch nicht gelungen ist , sich zu ruinieren . Ach , manchmal denke ich , wenn Gott seinen rechten Vater hätte leben lassen , und wir beide ihn erzogen hätten , ob da nicht ein trefflicher Mensch aus ihm geworden wäre . Wer so , verweichlicht von dem raffinierten Luxus , mit dem ihn seine Mutter umgab , in den Händen gewissenloser Hofmeister , in der gefährlichen Moral der Jesuiten erzogen – konnt ' es anders kommen ? Ich blieb also fest und ging nicht nach Bendeleben , obgleich Hanna mir es beinahe übelnahm . Zu Frau Renner , zu der einfachen Frau , zog es mich , die mir freundlich den Aufenthalt in ihrem Hause anbot . Wie zart und schonend bin ich dort behandelt worden , sowohl von ihr wie von dem jungen Pastor . Seinen Worten verdanke ich es auch , daß ich mich demütig unter Gottes Hand beugte , anstatt mit ihm zu hadern . Ich wurde stille nach und nach , aber die Wunde meines Herzens ist nimmer geheilt , und noch heute , noch jetzt blutet sie , sobald die Erinnerungen kommen . Von den Personen , die mir in meiner Jugend so nahe standen , lebt niemand mehr außer dem Pastor Renner in Weltzendorf , der , jetzt ein alter Mann und mein einziger Freund , seine Tage beschließen will in dem Hause , das einst mein Vaterhaus war . Die erste , die heimging und deren Tod mich mit heißem Schmerz erfüllte , war meine süße Hanna . Ganz plötzlich erlag sie einer epidemischen Krankheit und ließ , noch nicht sechsundzwanzig Jahre alt , ihren trauernden Gatten und drei kleine Kinder zurück . Wir waren im gleichen Alter , und ich fragte wieder , warum der liebe Gott nicht mich hatte sterben lassen , anstatt die zu fordern , die noch so unentbehrlich war , und für die ich so gern gegangen wäre . In demselben Jahre trat auch eine Lebensfrage an mich heran : Pastor Renner bot mir seine Hand . Er hatte mich schon längst geliebt , schon damals , als ich noch das hübsche , glückliche Mädchen war , das so wild zu reiten und herzhaft zu lachen verstand . – Ich habe einen schweren Kampf gekämpft zwischen Dankbarkeit und dem unvergeßlichen Andenken an den einzigen , den ich je geliebt . Die Augen der alten Frau sahen mich ängstlich und forschend an , und doch , ich konnte mich nicht entschließen , seine Frau zu werden . Er hatte Anrecht auf ein Herz , das sich ihm ganz hingab , und ich hatte ja keins mehr . Mit vielen , vielen Tränen bat ich , mich nicht für undankbar