behalten . „ Die Lebhaftigkeit eines Horchers ! wiederholte sie ; „ ja Herr Rochester hat Stundenlang dagesessen , und sein Ohr zu den bezaubernden Lippen hingeneigt , die ein solches Entzücken an ihrer eigenen Mittheilung fanden , und Herr Rochester war so bereitwillig und so dankbar für den ihm gewährten Zeitvertreib . Haben Sie dies bemerkt ? “ „ Dankbar ! Ich erinnere mich nicht , Dankbarkeit in seinem Gesichte entdeckt zu haben . “ „ Entdeckt ! Sie haben es also geprüft ? Und was entdeckten Sie denn , wenn nicht Dankbarkeit ? “ Ich schwieg . „ Sie haben Liebe entdeckt , nicht wahr ? Und indem Sie vorwärts blickten , sahen Sie ihn verheirathet , und seine Gattin glücklich ? “ „ Hm ! das nicht gerade . Euer Herrenverstand irrt zuweilen . “ „ Was zum Teufel ! haben Sie denn gesehen ? “ „ Es liegt Nichts daran ; ich kam hierher , um zu fragen , und nicht , um zu beichten . Ist es bekannt , daß Herr Rochester sich verheirathen will ? “ „ Ja , mit der schönen Miß Ingram . “ „ Bald ? “ „ Der Schein führt zu dem Schlusse ; und ohne Zweifel werden sie ein sehr glückliches Paar werden , da Sie es doch wissen wollen , und Ihre Kühnheit bestraft werden soll . Er muß eine so schöne , edle , witzige und talentvolle Dame lieben , und wahrscheinlich liebt sie auch ihn : wenn nicht seine Person , doch wenigstens seine Börse . Ich weiß , sie hält die Besitzung Rochesters für einen großen Beweggrund zu dieser Verbindung ; obgleich — Gott verzeihe mir ! ich ihr vor einer Stunde etwas über diesen Punkt sagte , wobei sie äußerst ernsthaft wurde und ihre Mundwinkel sich einen halben Zoll herunterzogen . Ich möchte ihrem schwarzen Bewerber rathen , sich vorzusehen , denn wenn ein anderer mit größeren Renten käme , so dürfte er aufgegeben werden . “ „ Aber , Mutter , ich kam nicht hierher , um Herrn Rochester ' s Geschick zu hören , sondern mein eigenes , und Ihr habt mir noch Nichts davon gesagt . “ „ Ihr Geschick ist noch zweifelhaft : als ich Ihr Gesicht prüfte , widersprach ein Zug dem andern . Der Zufall hat Ihnen ein Maaß des Glückes bereitet , so viel weiß ich … Ich wußte es schon , ehe ich diesen Abend hierher kam . Er hat es sorgfältig für Sie auf die Seite gelegt . Ich sah , wie er es that . Es hängt nur von Ihnen ab , Ihre Hand auszustrecken und es aufzuheben : aber ob Sie es thun werden , ist das Räthsel , welches ich studire . Knieen Sie noch einmal auf den Teppich nieder . “ „ Nun nicht zu lange , das Feuer ist mir zu heiß . “ Ich kniete nieder . Sie beugte sich nicht zu mir , sondern sah mich nur an , indem sie sich auf ihren Stuhl zurücklehnte . Sie begann murmelnd : „ Die Flamme flackert in dem Auge : das Auge schimmert wie Thau : es scheint sanft und voll Gefühl , es lächelt über mein Kauderwelsch : es ist empfänglich ; ein Eindruck folgt dem andern in seinem klaren Kreise ; wenn es aufhört zu lächeln , ist es traurig : eine unbewußte Ermattung drückt das Augenlid nieder : das deutet auf Melancholie , die aus Einsamkeit entsteht . Es wendet sich von mir ab : es wird keine weitere Prüfung dulden : es will mit einem spöttischen Blicke die Wahrheit der Entdeckungen leugnen , die ich bereits gemacht — um die Beschuldigung des tiefen Gefühls und der Melancholie zu leugnen : Stolz und Zurückhaltung bestärken mich nur in meiner Ansicht . Das Auge ist günstig . Der Mund gefällt sich zu Zeiten im Lachen ; er ist geneigt , Alles mitzutheilen , was das Gehirn erdenkt , obgleich er wahrscheinlich Vieles verschweigen wird , was das Herz erlebt . Beweglich und ausdrucksvoll , war er nie bestimmt , in dem ewigen Schweigen der Einsamkeit zusammengepreßt zu werden ; es ist ein Mund , der viel reden und oft lächeln und menschliche Neigung für den zeigen sollte , mit dem er spricht . Auch dieser Zug ist günstig . Ich sehe keinen andern Feind für den glücklichen Ausgang , als auf der Stirn , und diese Stirn will sagen : Ich kann allein leben , wenn meine Selbstachtung und die Umstände es von mir fordern . Ich darf nicht meine Seele verkaufen , um Glück einzuhandeln . Ich habe einen innern Schatz , der mit mir geboren ist , der mich am Leben erhalten kann , wenn mir alle äußere Wonne versagt sein oder nur zu einen Preise angeboten werden sollte , den ich nicht geben kann . Die Stirn erklärt : die Vernunft sitzt fest und hält die Zügel und sie wird die Gefühle nicht hervorbrechen und sich von ihnen zu wilden Abgründen führen lassen . Die Leidenschaften mögen wüthend toben , gleich wahren Heiden , wie sie sind , und die Wünsche mögen jede Art eitler Dinge ersinnen , aber das Urtheil soll immer das letzte Wort bei jedem Streite und den Ausschlag bei jeder Entscheidung haben . Sturm , Erbeben und Feuer werden vorübergehen . ich will nur der Leitung jener leisen Stimme folgen , die mir die Vorschriften des Gewissens deutet . — Gut gesprochen , Stirn ; deine Erklärung soll geachtet werden . Ich babe meine Pläne entworfen — für richtige Pläne halte ich sie — und bei ihnen habe ich die Forderungen des Gewissens und die Ratschläge der Vernunft berücksichtigt . Ich weiß , wie bald die Jugend verwelken und die Blüte erbleichen würde , wenn in dem mir gebotenen Becher des Glückes nur die geringste Hefe der Schande oder ein bitterer Beigeschmack der Reue zu entdecken wäre ; und ich bedarf nicht des Opfers , des Kummers , der Auflösung