Sattel sitzen , weil er vor Schwäche nicht aus dem Bügel kam . Er drängte den Falben breit vor das Tor , und der Gaul ließ den Kopf hängen und pumpte mit zitternden Flanken , von denen die weißen Schweißflocken herunterfielen . Ein paar von den Reitern , die in der Gasse wählten , kamen flink dahinter , daß der Bub unter den Häusern das beste zum Sackmachen gefunden hatte . Sie wurden grob und wollten den Falben vom Torbogen wegziehen . Mit erwürgter Stimme schrie der Bub : » Das Haus ist mein ! Und rührt mich einer an , so schlag ich zu ! « Das Ding drohte bös zu enden . Da kamen zwei Pfeif die die Straße hergejagt , das Roß mit der Gadnischen Herrenschabracke und der keuchende Schimmel . Malimmes war zuerst bei dem Buben . Er sprang aus dem Sattel , stieß die maulenden Reiter fort , faßte den Jul am Arm und brüllte wütend : » Du Lausbub , du narrischer ! Was hast du denn da für eine Dummheit gemacht ! Da hättest du hin sein können ! « Jul schüttelte den Kopf und lächelte stumm in seiner Erschöpfung . Nun lachte auch Malimmes . Und Runotter trat zu dem Falben hin und lehnte das entstellte Gesicht gegen des Buben eisernen Schoß . Grauenhaft sahen diese beiden aus . Ihr Wehrzeug hatte hundert Dullen und war von den Füßen bis zur Halsberge wie in dunklen Rost getaucht . Von den Nachbarhäusern war ein dumpfes Krachen zu hören . Hier wurden Gewölbtüren und Kästen in Trümmer geschlagen . Und von überall klangen zeternde Stimmen , die um Hilfe schrien . » Hui , da zwicken die Raubleut ! « Lustig guckte Malimmes an dem schmucken Haus hinauf . » Brav , Bub ! Gut hast du gesorgt für unsern Sack ! « » Nit rauben ! « knirschte Runotter . » Aber das Haus in Scherben schlagen ! Und Feuer in die Amtsstub werfen ! « Er stieß den gepanzerten Fuß gegen das Haustor . Einen verstörten Blick in den Augen , sagte Jul mit strenger Stimme : » Das Haus hat Fried . Ich will ' s. Das ist nit des Amtmanns Dach . Da hauset ein andrer . Der hat meinen Bruder auf seinen Gaul gehoben . « Während Runotter wortlos die Zügel der drei Gäule faßte , guckte Malimmes mit gut gespielter Verblüffung drein : » Nit schlecht ! Und jetzt hab ich mein ganzes Spargut versoffen und verknöchelt - bis auf drei Goldpfennig und einen schlechten Landshuter Gulden ! « So sagte er . Doch was ihm den Hosensack so mager gemacht hatte , das war der unverschämte Preis gewesen , den Herr Grans für das gute Wehrzeug des Buben gefordert hatte . Jul wollte aus dem Sattel steigen . » Malimmes - tu mir helfen - « Der griff mit hurtigen Fäusten zu , hielt den Buben an die Brust geklammert , drosch mit der freien Faust auf das Haustor los und schrie zum Erker hinauf : » Frau ! Höia ! Das Tor auf ! Euer Haus hat Ruh . Bei Gottes Blut ! « Ein Gerappel im Flur . Riegel wurden zurückgeschoben , und eiserne Stangen klirrten . Die Tür ging auf . Malimmes sagte zu Frau Marianne , die weiß in der Dämmerung des Flures stand : » Dem Buben müßt Ihr ein Vergeltsgott sagen , Frau ! Der ist mit dem Teufel um die Wett geritten , um Euer Haus wider die Raubleut zu hüten . « Er führte den Buben zu der Steinbank , die im Flur an der Mauer war . » Flink , Frau ! Ein Trunk Wein muß her und ein Bissen Brot . « Die Amtmännin rannte über die Treppe hinauf . Und der Flur verfinsterte sich , weil Runotter die drei Gäule hereinführte . Er sagte müd : » Da muß doch ein Stall sein , nit ? « Die zwölf Hufe klapperten über die Bohlen . Und Runotter drehte das Gesicht nach der vergitterten Tür der Amtsstube . Drei suchende Sackmacher wollten ins Haus herein . » Langsamt « Malimmes zog das Eisen blank . » Da ist schon wer ! « Die drei gingen schimpfend davon . Malimmes blieb unter dem Torbogen stehen , um die Schwelle zu sperren . Als Frau Marianne kam , mit einem Brotwecken , mit einem gehäuften Teller und zwei bauchigen Weinkrügen , drehte Malimmes das Gesicht und sagte zu Jul : » Nimm kein Fleisch nit ! Bloß trückenes Brot . « Schweigend aß der Bub , und Frau Marianne , mit kollernden Tropfen auf den blassen Wangen , saß neben ihm und reichte ihm die Brotscheiben hin . » So ! « sagte Malimmes . » Jetzt tu einen Trank ! Aber fest ! « Frau Marianne hob den Krug und ließ den Buben trinken , bis er die Kanne fortschob und mit seiner linden Knabenstimme sagte : » Vergelt ' s Gott , liebe Frau ! Mir ist wieder wohl . « Malimmes fragte : » Hast du wahrhaftig genug ? « Der Bub nickte . » Also her damit ! « Malimmes nahm einen festen Rinken Brot und die Kanne , aus welcher Jul getrunken hatte . » Frau , den andern Krug und den Teller müßt Ihr meinem Herrn in den Stall tragen . « Er trank wie ein dürstendes Roß . Auf der Straße ein Getrappel vieler Hufe . Malimmes guckte zum Tor hinaus . Es waren die Hauptleute , Herr Seipelstorfer und Martin Grans mit Gefolge . Herr Grans deutete lachend : » Da steht ja der Bauernsöldner , den wir unter den Toten gesucht haben . « Die Herren kamen zum Haustor geritten , und Hauptmann Seipelstorfer sagte : » Mann ! Heut in der Nacht hast du die beste Arbeit gemacht . Sonst täten wir noch allweil vor der Hallturmer Mauer hocken . Man wird dich lohnen dafür . « » Das