sie erkannte ihn ... Als er diesmal von Schöneberg nach Hause ging , hatte er nichts diktiert ; aber sie hatten ernsthaft beschlossen , das am nächsten Tag nachzuholen ; heute - hatten sie Besseres zu schaffen gehabt ... Mit glücklichem Gesicht ging er durch die nächtlichen Straßen . Eine Melodie summte ihm durch den Kopf , und er suchte Worte als Text . » Wenn ich bei meiner Christel bin « , so hatte Goethe gesungen , - wie wird mir da so froh zu Sinn . Erlöst fühlte er sich , - erlöst von dem Druck , der auf seiner Mannheit gelastet hatte . Daß ihm dieses je beschieden sein konnte , - nie hatte er es gedacht . Und daß er nicht nur eine Frau bekam , eine Frau von edler Art , - nein , auch eine Frau , die einen solchen Schatz , eine solche Mitgift ihr eigen nannte : ein wirkliches , lebendiges , fix und fertiges , wohlgeratenes Kind . Oh , was bedeutete dieser Schatz , diese Mitgift gerade für ihn ! Er hatte es ihr schon heute gesagt , - ernst - Aug ' in Aug ' - nach der ersten , großen , seligen Freude , nachdem er das Wunderbare , das unsagbar Herrliche erlebt hatte ... Er hatte ihr gesagt : » Wir werden kein Kind haben , - denn ich habe nichts zu vererben . « Da hatte sie mit ihrem kräftigen , frohen Lachen geantwortet und hatte gesagt : » Wir haben ja ein Kind . « » Ein richtiges , lebendiges Kind « , flüsterte er jetzt vor sich hin . » - Lörchen Wigolski , « - so konnte sie nicht auf die Dauer heißen ; das tat nicht gut ; » Lörchen Schubert , « - ein Lächeln glitt über sein Gesicht , - » Gott sei Dank , ausgeschlossen ; aber Lörchen Diamant , - das mochte taugen . « - - - An diesem Abend saß er wieder vor seinem Tagebuch . Er schlug das Heft auf - und kaute an der Feder . Sein Gesicht , von dem das Lächeln nicht wich , hatte einen verlegenen Zug . Hin und her drehte er den Federstiel in den Händen , - wahrhaftig , er schämte sich vor dem Buch , - er wußte nicht , wie er es - gestehen sollte . Aber ein Vers wollte ihm nicht aus dem Sinn , er flüsterte ihn immer wieder vor sich hin : » Durchsüßet und geblumet ... « Dann ging er zum Bücherregal , um den Vers auch wörtlich zu finden . Freund Walther von der Vogelweide , der wußte doch , wie man - solche Dinge - - sagte . Er legte das Buch vor sich hin und schrieb : » Durchsüßet und geblumet sind die reinen Frauen . « Hier stock ' ich schon , - - sollte er nicht besser schreiben : die neuen Frauen ? - - Pfui , Pharisäer ! Nun gerade : » Durchsüßet und geblumet sind die reinen Frauen « , - die Feder kratzte eifrig , und Blicke ins Büchlein wurden geworfen , - » So Wonnigliches gab es niemals anzuschauen « , - sein selig verklärtes Gesicht beugte sich fast zärtlich zu dem Papier , - und weiter kritzelte die Feder , - » In Lüften noch auf Erden , - noch in allen grünen Auen « ... Während nun hier ein Schicksal in freundliche Bahnen bog , wurde ein anderes an gefährliche Klippen gedrängt . Eines Tages kam Werner zu Olga , - bleich , verstört , zerrüttet . » Es ist geschehen « , sagte er dumpf und preßte hilfesuchend ihre Hände . » Was ist geschehen ? « fragte sie , von banger Ahnung erfüllt . Stammelnd berichtete er ... Der Gatte der Baronin habe das Verhältnis entdeckt . » Wie konnte das sein , - und was soll nun werden ? « » Wie es sein konnte , das weiß ich nicht . Es war gestern in meiner Wohnung . Sie sagte , - wir wären in voller Sicherheit . Plötzlich - spät abends , wird an der Glocke gerissen - gegen die Tür geschlagen ... Wir schaffen kaum die nötigste - Ordnung , - als er auch schon an der Tür des Zimmers steht und Einlaß erzwingt . « » Und nun ? « » Er hat mich gefordert ... morgen früh ... « » Du sollst - ? ! « Er lachte krampfhaft auf und fuhr sich mit der Hand in die Haare . » Ja , ja - bei der Tragödie darf das Satyrspiel nicht fehlen . Ich soll mich mit ihm schießen , - jawohl . « » Willst du das wirklich ? « » Was bleibt mir andres übrig ? « Und finster fügte er hinzu : » Mir kann es recht sein . « » Werner , « sagte sie angstvoll - » du hast doch nicht die Absicht - den Mann der Baronin wie - wie einen Feind - aus der Welt zu schaffen ? « Starren Blickes sah er sie an . Dann schüttelte er den Kopf und sagte mit fester Stimme ... » Nein , ich habe nicht die Absicht , kann sie auch nicht haben , denn ich weiß nur schlecht Bescheid mit der Pistole . « » Und er , « flüsterte sie , » wird er ? - - « » Das bleibt ihm überlassen « , sagte er fest . Dunkel - wie ein schon vergessener Traum - stieg die Erinnerung in ihr auf : wie auch sie einmal einer Pistole mutig die Brust geboten ... Am nächsten Tag , um die Mittagsstunde , als sie schon lange angstvoll wartete , stand er an ihrer Tür . Er war heil und unversehrt . Aber sein Gesicht schien blutlos , und sein Auge flackerte irr . » Werner , « flüsterte sie , » ist es vorbei ?