, so ging ich Schritt für Schritt , gestützt auf einen Stab , der über seinem Stachel ein dünnes Querbrett hatte , um Halt auf der Schneedecke zu finden . Dann war ich ein Vogel , flog die Abhänge hinunter und überraschte manches Wild beim Lagern - so schnell war mein Kommen . In einem Zauberreiche deuchte ich mich , wenn ich die eingeschneiten Tannen betrachtete . Die niedergedrückten Zweige trugen zackig geformte Schneeklumpen , an der Wetterseite hingen weiße Mäntel , Mönchskutten mit Kapuzen . Auf dem Knieholz bildete der Schnee wunderliche Tiere , weiße Bären , die auf den Hinterbeinen liefen . Wie Rauhreif kam , war alles Grün und Braun der Bäume versilbert . Jede Fichtennadel ergraut , von seinem Kristall eingepudert . Erneuter Rauhreif machte die Kruste immer dicker , und ich staunte , was doch der harte Winter ein Feinbäcker sein kann , so mit kunstvollstem Zuckergusse die düsteren Bäume zum glitzernden Zauberwalde zu wandeln weiß . Aber auch als Schmiedemeister ließ sich der Winter bestaunen , da er den Bäumen klirrende Rüstungen schmiedete . An der Mittagssonne schmolz der Schnee von den Zweigen , und das Tröpfeln gefror zu Zapfen . Purpurn gleißte der Morgenstrahl darauf , und erhub sich ein Hauch , so klirrten und klimperten die Eiszapfen an den wankenden Wipfeln wie Glas und Glocken . Fegte der Wind über die Berghänge und Talflächen , so wirbelten Schneesäulen empor , wallenden Geistern in weißer Gewandung gleich . Einmal glitzerte ein ganzes Heer solcher Schneewirbel im Sonnenschein . Ein Jauchzen brach aus meiner Seele , und ich spürte , wie voll Göttlichkeit diese Welt für den , der zu schauen weiß . Bei solcher Betrachtung dachte ich oft an meines Vaters Reden vom Himmelreich , wie Gott nicht fern über den Sternen sei , sondern allenthalben bei uns , in uns zugegen . Das Ganze ist Gottes Leib ; Sonne , Mond und Sterne hat er als Augen ; mit dem Lichte , das in alle Gründe flutet , schaut er ; im Finstern spüret er , lauscht , tastet und sinnt . Sein Odem ist die Luft und das Leben aller Kreatur ; göttlich Blut träufelt aus der Wolke ; Bach und Strom sind Allvaters Adern , und in unserm Pulse regt sich der unermüdliche Schöpfer . Freilich tut es uns not , unsere göttliche Erborenheit und Naturam zu spüren . Das erst ist die Erlösung , daß wir uns fühlen als Gottes Kind . Wer aber nicht ahnt , daß sein Wesen im unendlichen Geiste weset , der dünket sich wohl klein , arm und verloren . Eine Hölle leidet er , denn die ist nichts andres , als daß wir uns getrennt und abgestückelt fühlen vom Ewig-Einen . Finde dich heim , seufzende Seele , spüre durch alle Kreatur hindurch den Urgrund , unsern All-Vater . Solche Andacht deuchte mich der wahre Schatz meiner Wohnstätte . Zu deuten wußt ich die Mär von der Abendburg , wie der wüste Stein sich dem Johanniskinde zum strahlenden Schlosse wandelt , und wie es blühet im Felsenherzen von Gold und buntem Edelkristall . Seliger noch ward meine Andacht , als der Frühling mit warmem Hauche den Schnee schmolz , daß die Decke von Tag zu Tag dünner ward , bis im Tal die Matten grüneten , und auf meiner Höhe die Tannen und Felsen vom Schnee frei wurden , der nur noch an Hängen gen Mitternacht lag und schließlich in die kalten Schluchten sich zurückzog . Wenn ich den Oheim besuchte , schimmerten auf grünender Wiese die gelben Schlüsselblumen und wie blaue Flämmchen die Krokusblüten . Erlöst war mein Herz , und wie neugeboren kam ich mir in der Frühe vor , wenn ob den dunkeln Talen der Himmel matt erglänzete , wie aus Opal gebildet - wenn sich dann aus den Waldschluchten weiße Dünste huben und zu einem breiten Gewebe zusammentaten , indessen das dunkelblaue Gewölk ob der fernen Ebene von Feuerbächen durchronnen ward und immer mehr erglühte , bis es sich auftat wie ein Augenlid , und rot das Weltenauge übers Bergreich blitzte . Manchmal hüllte der Nebel die ganze Tiefe unter mir , daß nur die Berggipfel herfürrageten . Die weite , wellige Dunstfläche sahe dann aus wie wogende See , drin Felseninseln schwimmen . Beim Auftauchen der Sonne erglühten die starren Wogen , und die Stirnen der steinernen Riesen badeten im flutenden Tagesstrahl . Freudig regten sich die grünen Wipfel unter mir . Geheimnisvoll kam aus dem Nebel , so alle Täler deckte , das Rauschen der Gießbäche und Brünnlein . Dann flog wohl bei mir eine Berglerche trillernd empor , und wenn sie ins Blaue entschwebete , deuchte sie mich meines Herzens Jauchzen . Was konnte bei solchem Schauen mein alter Gram noch sein ? Zerflattern mußte er wie düstere Traumgesichte , die der Morgen scheucht . Willkommen , Ritter Morgen ! Vor deinem güldnen Haupt Entfliehn die Wölfe Sorgen , So mir den Schlaf geraubt . Der Fels vor meiner Klause Starrt feierlich mich an , Die Wipfel mit Gebrause Wiegt unter mir der Tann . Steingraue Wolkenwogen Verhüllen noch das Tal , Darob der Himmelsbogen Matt leuchtender Opal . Und aus dem Dunstmeer ragen Die Berge drüben steil . Ihr Stirnenglanz will sagen : Ganz oben thront das Heil . Nun blüht von Purpursonne Das Nebelmeer wie Klee , Und auch mein Gram ward Wonne , Dieweil ich drüber steh . Als Lerche schwebt mein Schauen Hoch ob dem Erdennest Durch selig freie Auen .... O Himmel , halt mich fest ! Doch ob ich auch in den Himmel zu tauchen verstund , fest hielt er mich nicht , und wie die Lerche vom jauchzenden Höhenfluge wieder zur Erde sinkt , so geschah auch mir . Ich sehnete mich nach meiner Gattin und kam mir verwaiset für wie Adam , da ihm der Herr das Paradeis genommen . Auch peinigte mich das Mitleiden mit meinen Landsleuten , die immerfort von der Kriegsfuria Folter litten . Sooft