heimlicher Entzückung die Nähe der lichten Verena gefühlt , redete er froh mit versunkener , zögernder Frische , lächelte dann und wann mit seinen funklen Augen den oder jenen absichtslos an und sah oft wie zufällig zu Verena hinüber , die mit mildem Eifer seinen Worten zuhörte . Einhart redete mit viel Wärme kluge Worte . » Jeder Künstler , nein , ein jeder von uns , « sagte er lebhaft , » sollte eigentlich immer noch ein Kind sein . « » Wohl dem , der ein Kind bleibt sein Lebelang , « sagte er danach , weil sich sein Blick in Verenas jungfräulicher Schmäle eine Weile wie verfangen . » Davon ganz abgesehen ! « verbesserte er sich dann schnell , wie er es merkte , daß er in die Irre ging . » Vor einer höheren Macht sind wir ja alle immer Kinder , « sagte er lachend . » Ich wollte nur sagen : zuerst kommt die Meisterschaft des Meisters , der den Schüler vorwärts führt . Mag der Meister nun ein Mensch oder die Natur selber sein . « » Aber von dem Meister muß der sich befreien , « sagte er nachdrücklich , » der ein Meister werden will . Von der Natur sich befreien ! Die Natur zum Eigentum seiner selbst überwinden ! Ja ! Das taten alle Großen . Da redet erst das Innerste , was in uns selber redet . Dem müssen wir ganz untertan werden . Es zur Sprache bringen , das ist die Meistersprache . « » Mit dieser Sprache verstehen sich die Großen aller Zeiten , « redete er sanftmütig zu Verena hinüber . » Sie reden aus einem heimlichen Reiche , daraus wir wohl alle ausgetrieben sind . Eine Art Heimat . « » Das ist dann Heimatkunst , « sagte er lachend . » So kommt es mir wenigstens manchmal vor , « gab er noch ein wenig kleinlauter hinzu , weil er die Augen Verenas zärtlich auf sich gerichtet gesehen ohne Absicht . Er wußte nicht sonst groß , was er geredet . Er redete mit schwärmerischem Tone . Sein Auge konnte dabei aufblitzen . Und an der Tafel herumwandern von dem zu jenem . Manchmal ging es wie das Auge eines gütigen Vaters über die aschblonde Junge hin , immer sie wie im Zwange fast demütig bittend um ihre Fröhlichkeit . Und Verena saß allmählich ganz frohmütig , indes Einhart erzählte und sich heimlich verzehrte nach ihrem Anblick , wenn ihm auch nur der volle Strauß großer , gelber und rosa Chrysanthemen , der mitten im Licht der Tafel ragte , ihren Anblick für Augenblicke entzog . Verena ließ dann ihren Hut in der Vorhalle des Schlosses liegen und lief , wie die jungen Komtessen , mit hinaus auf die Pferdeweiden . Sie hatte eine scheue , kindliche Heiterkeit . Einhart suchte wie absichtslos ihre Nähe und behandelte sie mit sanfter , fast zärtlicher Achtung . Verena vergaß sich ganz . Auch in die andern war ihre Heiterkeit eingegangen . Man begann sich zu haschen . Beinahe wäre Verena mitgesprungen . Sie besann sich zu rechter Zeit und war dann ein wenig verlegen . » Wie sie alle froh sind ! « sagte sie nur zur alten Gräfin Schleh gewandt , die neben ihr auf dem Parkwege hinschritt . Man schritt über welke Wiesen . Verena brach einige verspätete Blumen und lachte fröhlich für sich . Einhart ging der alten Gräfin zur Linken . Ihm gingen beim Schreiten heimlich Melodien mit . Es schritt sich herrlich in den losen Herbstschatten und weiter hinaus . Man wanderte über die Weiden . Ein alter , struppbärtiger Hirte kam herangesprengt und zog seinen vergilbten Filzhut nieder , den er vor die Brust hielt , daß die roten Bänder daran flatterten . Der Hirte gab weise Antworten auf drolliges Fragen . Die Tiere kamen heran , junge , scheue Stuten , die um die Tränke standen und äugten . Ein paar graue Wollköter spannten auf den Hirten , den strengen Herrn der Steppe , der auf dem flattermähnigen , heißen , braunen Hengsttiere herangestrichen . Der jetzt das lose , unbändige Tier noch immer fest in Stricken hielt . Bis er ihm dann plötzlich neu die Freiheit gab , um selber ein ganzes Rudel Füllen um die vornehmen Ankömmlinge heranzutreiben . Sonne ! Sonne ! Steppenerde ! Himmel klar und tief ! Lose Tiere auf weicher Grasflur weit in die Ferne ! Vögel , die hinziehen im Grenzenlosen ! Man schritt ohne Rücksicht . Die jungen Komtessen hatten sich unter die Füllen verstreut mit einigen der jungen Herren zusammen . Man schlug in die Hände . Man lockte mit Grasbüscheln , die man abgerissen , bis eines oder das andere der Tiere laut schnaubend langsam herangekommen . Die alte Gräfin Schleh wandelte achtlos mit dem zausbärtigen Schloßherrn in tiefer Zwiesprache . Verena stand einsam neben Einhart . Schlank aufgerichtet . Ihr lichter Kopf wie in silbernen Schimmern gegen die Ferne . Ihre Augen lächelten . Einhart sah hinaus , als wenn er es sehnsüchtig erspähen müßte und keine Grenzen sähe . Einhart stand lange so stumm . Etwas in seinem Blute begann sich zu regen , daß er tiefer atmen mußte , um sich dagegen zu betören . Er fühlte jetzt Verena neben sich schreiten und neben sich ragen in der Freiheit . Es war jetzt wie eine jähe Gewalt aufgekommen . Er begann Seltsamkeiten zu reden mit einem zitternden Tone , als wenn er sänge . Er sprach von den weiten Toren , die hier hinausführten aus aller Trauer und allem Herkommen . Von den kleinlichen , engen Bestimmungen und Zwecken , die die Menschenseele ewig verkümmerten . Er pries ein Leben ohne Ziel , wie jene losen Lüfte es lebten , die mit goldenen Halmen vor ihnen hintändelten . Er sah dem reitenden Hirten nach und der scheuen , sonnengebräunten Hirtin , die ferne hinschritt . Er pries ein Leben ohne Namen und ohne Grenzen ,