zusammengefaltet war ; in dem schrieb sie , daß Dorrel gestorben war , und erzählte die Art ihres Hinganges , und was sie ihr aufgetragen für ihn . Denn nachdem sie ihrer Frau alle ihre Habe nochmals gezeigt und gesagt , daß dies alles Hans erben solle , sagte sie : » Wie er zuletzt im Hause war , zum Tode seines Vaters , da fiel mir auf , daß sich sein Wesen verändert hat und daß seine Augen anders sind wie früher . Hierüber habe ich eine große Angst bekommen , aber als eine ungebildete Dienstmagd , die keine Kenntnis hat von einer Gelehrsamkeit , wagte ich ihm nichts zu sagen . Nun ich aber fühle , daß ich sterben werde , und ich hoffe , daß unser himmlischer Vater mich zu sich in sein Reich nimmt um seines Sohnes willen , so will ich versprechen , daß ich oben fleißig Fürbitte tun will für ihn bei Gott , damit der sich seiner erbarme und recht bald ihn frei mache aus seiner jetzigen üblen Verfassung . « Es wohnte Hans bei braven und ordentlichen Leuten , die gleich ihm ein trübes Weihnachten feierten . Der Mann war ein Zuckerbäcker gewesen , und als ein fleißiger und ordentlicher Mann , der auch eine sparsame und häusliche Frau hatte , war er in seinen Verhältnissen recht vorwärtsgekommen . Die beiden hatten einen einzigen Sohn , den sie mit vieler Liebe erzogen , und vielleicht waren sie allzu nachsichtig gegen ihn gewesen . Sie hatten ihn auf die gute Schule getan , wo er als ein begabter und leicht auffassender Junge anfänglich rasche Fortschritte machte , aber wie er in die höheren Klassen kam , wurde er träge , hielt sich zu den leichtsinnigen und schlechten Schülern , und durch Rauchen und Trinken vergnügte er sich in einer Weise , die seinem Alter nicht zukam . So geschah es , daß er die Schule nicht beenden und dann studieren konnte , wie die Eltern gedacht , sondern er mußte aus der Sekunda abgehen . Da ließen sie ihn eine mittlere Beamtenlaufbahn ergreifen und brachten ihn bei der Steuerverwaltung unter , und waren sehr stolz , wenn er sie in seiner schmucken dunkelgrünen Uniform besuchte , zahlten auch viel Geld für ihn , denn er machte große Ausgaben , weil er immer sein und vornehm erscheinen wollte . Dann heiratete er frühzeitig die Tochter eines andern Beamten , die ein sehr schönes Mädchen war , und es wurde erzählt , sogar ein Offizier habe um sie anhalten wollen . Die war nun freilich nicht vermögend und wußte nicht gut hauszuhalten , sondern hatte ihre größte Lust am Putz und Vergnügen ; aber da ihre Art der seinigen zusagte , so lebten sie doch recht unbekümmert und fröhlich zusammen . Die alten Eltern gerieten in große Sorgen , wie sie dieses Leben sahen und die großen Ausgaben merkten , und nachdem sie lange mit sich zu Rate gegangen , wie sie dem abhelfen könnten , besuchte am Ende der Vater seufzend seinen Sohn , ermahnte ihn zur Sparsamkeit , warnte ihn und sagte am Ende , wenn er vielleicht Schulden gemacht habe , so solle er sie ihm nennen , denn er wolle lieber für ihn bezahlen , als daß er ins Unglück komme . Und über die herzlichen Worte war der Sohn fast gerührt geworden , wie es leichtfertiger Leute Art ist , aber im Nebenzimmer hatte die Schwiegertochter alles gehört , die kam herein und schalt auf den alten Mann , sagte ihm , daß er ihr Leben nicht verstehe und sie beide beständig kränke und fügte noch viele bittere Worte hinzu über ihre vornehmere Herkunft und besseren Gewohnheiten . Über dieses alles wurde der Sohn beschämt , teils wegen seines Vaters , daß ihm der ins Gewissen geredet , teils wegen seiner Frau , weil die ihre Geburt gegen seinen Vater hervorhob ; der Zorn aber , der aus dieser Beschämung entstand , richtete sich gegen seinen alten Vater , als der es gut gemeint hatte , und so wurde er heftig und verbot dem am Ende sein Haus . Da ging der gute alte Mann wortlos aus der Stube , küßte noch einmal den Enkel , und es flossen ihm Tränen über die Backen , und dann mied er seinen Sohn ; dieser aber , da er sich schuldig fühlte , mied ihn gleichfalls . Nun geschah es nach nicht langer Zeit , daß in der Kasse , welche der junge Beamte verwaltete , Unterschleife entdeckt wurden , denn weil sein Einkommen bei weitem nicht ausreichte für sein Leben , so hatte er erst Schulden gemacht , und wie die Schuldleute drängten , hatte er fremdes Geld angegriffen . So wurde er denn gleich verhaftet und ihm der Prozeß gemacht und zu Zuchthaus verurteilt . Die junge Frau , die doch mitschuldig an seinem Verbrechen war , gebärdete sich wie irrsinnig , beschimpfte ihren Mann vor andern Leuten und ließ sich von ihm scheiden als von einem Ehrlosen . Dann brachte sie das einzige Kind zu den Schwiegereltern und sagte denen , sie wolle eines solchen Mannes Sohn nicht erziehen , denn der schlage gewiß nach seinem Vater , und sie selbst wolle nun ein neues Leben anfangen , nachdem ihr früheres zerstört , nämlich sie habe eine große Begabung für den Gesang und wolle Künstlerin werden . Dann ging sie aus dem kleinen Orte fort , und es wurde erzählt , daß sie Sängerin in einer großen Stadt in einem jener Häuser geworden sei , wo die musikalischen Darbietungen nur andre Dinge verbergen sollen . Auch die Eltern verließen ihre Stadt , in der sie jung gewesen waren und gearbeitet hatten und alt geworden waren , und nahmen den Enkel mit sich , denn sie konnten die Schande nicht ertragen und meinten , in der Großstadt vermöchten sie sich am besten zu verbergen , daß sie niemand sähe , der sie gekannt , und daß das Kind ohne Vorwurf