man sich bei der Herstellung weniger Mühe gegeben . Die rechte Seite war Naturgestein , die linke aber Mauer , aus Riesenblöcken aufgeführt , doch nichts weniger als glatt behauen . Es gab hüben wie drüben hervorragende Ecken , Kanten und Spitzen , welche nicht beseitigt worden waren . Da , wo dieser Seitenkanal aufhörte , wich die Decke plötzlich zurück . Wir sahen in eine dunkle Oeffnung hinauf , deren Höhe nicht abzumessen war , weil unser Licht sich hierzu als unzulänglich erwies . » Was mag da oben sein , Effendi ? « fragte Kara . » Ich sinne darüber nach , wo wir uns jetzt wohl befinden . Unter den Ruinen jedenfalls , aber an welcher Stelle ? « » Ich habe soeben auch im Stillen gerechnet , « antwortete ich . » Wenn ich morgen am Tage in den Ruinen nachrechne , werde ich es wissen . Auf dem Rückwege nachher werde ich die Steine , die alle von gleicher Länge und Höhe sind , genauer zählen . Jetzt schätze ich nur so ungefähr , daß grad über uns der unterste Urbau liegt , in dessen Vordermauer die kleinen Oeffnungen sind , welche wahrscheinlich Fenster bilden sollen . Ich schließe das auch aus dem Umstande , daß dieser Bau auf derselben Gesteinsart liegt , aus welcher hier die rechte Seite des Kanales besteht . Die Steine der linken Seite habe ich gezählt . Ich werde es mir notieren . « Ich nahm mein Buch aus der Tasche , um mir diese Anmerkung zu machen . Da sagte Kara , indem er nach oben wies : » Dort hängt Etwas an einer Spitze im Gestein . Es sieht genau so aus , als ob Jemand von da oben , wo hinauf wir nicht sehen können , heruntergestürzt sei , wobei ein Fetzen seines Gewandes dort losgerissen und festgehalten worden ist . « Ich schaute hinauf . Es war so . Der hängen gebliebene Fetzen war ganz mit Kalksinter überzogen und also nicht vermodert . » Mich schauert , Effendi ! « fuhr Kara fort . » Wenn dieses finstre Loch da oben in der Decke erzählen könnte , wie Viele hier in diesem dunkeln , eiseskalten Wasser sterben mußten - - - Laß uns umkehren ! Mich friert ! « Wir griffen zu den Rudern und brachten uns in den Hauptkanal zurück , welcher nur noch eine kurze Strecke weiterführte und dann auf ein großes , unterirdisches Wasserbecken mündete , an dessen südlichem Ende wir uns befanden . Die Decke war so hoch , daß wir sie bei unserm schwachen Licht nicht sehen konnten . Zu unserer linken Hand verlor sich die natürliche Felsenwand dieses Bassins in tiefe Dunkelheit . Rechts lag die unbewegte und scheinbar ununterbrochene Flut in drohender Finsternis . Die Luft war feuchter als vorher , beinahe nässend und von einer moderigen Schärfe , als ob sich hier Fäulnisprozesse abgespielt hätten , die nun zwar vorüber waren , doch ohne daß der stechende Duft der Verwesung sich vollständig niedergeschlagen hatte . Das war nicht gut zu atmen , doch auszuhalten immerhin . Dabei brannte die Fackel ziemlich hell . Es mußte irgendwo eine Stelle geben , durch welche dieser unheimliche Raum mit der äußeren Atmosphäre in Verbindung stand . » Das stinkt wie alte , nasse Gräber ! « sagte Kara , indem er sich schüttelte . » Mich friert jetzt noch mehr als dort . Ich habe das Gefühl , als müßten in dem Wasser unter uns nur lauter Leichen liegen ! Was tun wir jetzt , Effendi ? « » Wir untersuchen dieses Wasserbecken . « » Meinst du , daß wir uns zurückfinden werden ? « » Ja . « » Du hattest aber doch Sorge ! Das zeigt die Weisung , die du Schakara erteiltest . « » Ich dachte dabei an ein Unglück durch schlechte , erstickende Luft . Wir können aber doch atmen , und diese natürliche Höhlung ist doch wohl nicht so groß , daß man sich trotz aller Aufmerksamkeit in ihr verirren müßte . Wenn wir bedächtig vorgehen , kann uns nichts geschehen . Bleiben wir zunächst am Rande des Wassers ! Hier links ist es alle . Wenn wir nach rechts hinüber diesem Rande folgen , bis wir zur jetzigen Stelle zurückkehren , haben wir seine Ausdehnung kennen gelernt und wissen , was es uns hierauf noch bietet . Komm ! « Wir lenkten vom Kanale rechts ab und fuhren längs der überstark erscheinenden Mauer hin , an deren andern Seite wir uns im Nebenkanale befunden hatten . Ich zählte ihre Quadern . Sie war hier etwas länger als drüben und schloß einen zweiten Seitenkanal mit ein , welcher zu unserer andern Hand nicht durch eine feste , kompakte Wand , sondern durch natürliche Pfeiler eingefaßt wurde , deren Höhe eine so beträchtliche war , daß wir die Decke selbst dann , als ich noch eine Fackel anbrannte , nur undeutlich sehen konnten . Diese Decke reichte auch hier nicht bis ganz an das Ende des Kanales . Es gab auch hier eine dunkel gähnende Oeffnung oben , die irgend einen Zweck gehabt haben mußte . Indem ich prüfend emporschaute , äußerte sich Kara : » Wahrscheinlich stürzte man auch hier diejenigen Personen herunter in den Tod , die man verschwinden lassen wollte ! Es gibt zwar kein bestimmtes Zeichen hierfür , aber - - - Allah ' l Allah ! Sieh dorthin ! Was liegt da auf dem Stein ? « Er deutete nach dem letzten der erwähnten Pfeiler . Dieser ragte in einem Durchmesser von wenigstens sechs Meter aus dem Wasser , verjüngte sich aber sofort in einer Weise , daß dieser Durchmesser kaum noch zwei Meter betrug . Hierdurch entstand eine ebene Platte von vier Meter Breite , und auf dieser lag das , was Kara veranlaßt hatte , seinem Satze ein so erschrockenes Ende zu geben . Wir paddelten das Boot hin und sahen , daß der betreffende Gegenstand ein menschliches