Schwestern schwiegen . Dann sagte Melusine , der daran lag , wieder ins Heitere hinüberzulenken : » Und nun , Armgard , sage , für welche von den beiden Koniginnen bist du ? « » Nicht für die eine und nicht für die andre . Nicht einmal für beide . Gewiß sind es Typen . Aber es gibt andre , die mir mehr bedeuten , und , um es kurz zu sagen , Elisabeth von Thüringen ist mir lieber als Elisabeth von England . Andern leben und der Armut das Brot geben - darin allein ruht das Glück . Ich möchte , daß ich mir das erringen könnte . Aber man erringt sich nichts . Alles ist Gnade . « » Du bist ein Kind « , sagte Melusine , während sie sich mühte , ihrer Bewegung Herr zu werden . » Du wirst noch Unter den Linden für Geld gezeigt werden . Auf der einen Seite die Mädchen von Dahomey , auf der andern du . « Stechlin ging . Armgard gab ihm das Geleit bis auf den Korridor . Es war eine Verlegenheit zwischen beiden , und Woldemar fühlte , daß er etwas sagen müsse . » Welche liebenswürdige Schwester Sie haben . « Armgard errötete . » Sie werden mich eifersüchtig machen . « » Wirklich , Comtesse ? « » Vielleicht ... Gute Nacht . « Eine halbe Stunde später saß Melusine neben dem Bett der Schwester , und beide plauderten noch . Aber Armgard war einsilbig , und Melusine bemerkte wohl , daß die Schwester etwas auf dem Herzen habe . » Was hast du , Armgard ? Du bist so zerstreut , so wie abwesend . « » Ich weiß es nicht . Aber ich glaube fast ... « » Nun was ? « » Ich glaube fast , ich bin verlobt . « Sechsundzwanzigstes Kapitel Und was die jüngere Schwester der älteren zugeflüstert hatte , das wurde wahr , und schon wenige Tage nach diesem ersten Wiedersehn waren Armgard und Woldemar Verlobte . Der alte Graf sah einen Wunsch erfüllt , den er seit lange gehegt , und Melusine küßte die Schwester mit einer Herzlichkeit , als ob sie selber die Glückliche wäre . » Du gönnst ihn mir doch ? « » Ach , meine liebe Armgard « , sagte Melusine , » wenn du wüßtest ! Ich habe nur die Freude , du hast auch die Last . « An demselben Abende noch , wo die Verlobung stattgefunden hatte , schrieb Woldemar nach Stechlin und nach Wutz ; der eine Brief war so wichtig wie der andre , denn die Tante-Domina , deren Mißstimmung so gut wie gewiß war , mußte nach Möglichkeit versöhnlich gestimmt werden . Freilich blieb es fraglich , ob es glücken würde . Zwei Tage später waren die Antwortbriefe da , von denen diesmal der Wutzer Brief über den Stechliner siegte , was einfach daran lag , daß Woldemar von Wutz her nur Ausstellungen , von Stechlin her nur Entzücken erwartet hatte . Das traf aber nun beides nicht zu . Was die Tante schrieb , war durchaus nicht so schlimm ( sie beschränkte sich auf Wiederholung der schon mündlich von ihr ausgesprochenen Bedenken ) , und was der Alte schrieb , war nicht so gut oder doch wenigstens nicht so der Situation angepaßt , wie ' s Woldemar gewärtigte . Natürlich war es eine Beglückwünschung , aber doch mehr noch ein politischer Exkurs . Dubslav litt als Briefschreiber daran , gern bei Nebensächlichkeiten zu verweilen und gelegentlich über die Hauptsache wegzusehn . Er schrieb : » Mein lieber Woldemar . Die Würfel sind nun also gefallen ( früher hieß es alea jacta est , aber so altmodisch bin ich denn doch nicht mehr ) , und da zwei Sechsen obenauf liegen , kann ich nur sagen : ich gratuliere . Nach dem Gespräch übrigens , das ich am 3. Oktober morgens mit Dir führte , während wir um unsern Stechliner Springbrunnen herumgingen ( seit drei Tagen springt er nicht mehr ; wahrscheinlich werden die Mäuse das Röhrenwerk angeknabbert haben ) - seit jenem Oktobermorgen hab ich so was erwartet , nicht mehr , aber auch nicht weniger . Du wirst nun also Karriere machen , glücklicherweise zunächst durch Dich selbst und dann allerdings auch durch Deine Braut und deren Familie . Graf Barby - mit Rübenboden im Magdeburgischen und mit Mineralquellen im Graubündischen - , höher hinauf geht es kaum , Du müßtest Dich denn bis ins Katzlersche verirren . Armgard ist auch schon viel , aber Ermyntrud doch mehr und für den armen Katzler jedenfalls zuviel . Ja , mein lieber Woldemar , Du kommst nun also zu Vermögen und Einfluß und kannst die Stechlins wieder raufbringen ( gestern war Baruch Hirschfeld hier und in allem willfährig ; die Juden sind nicht so schlimm , wie manche meinen ) , und wenn Du dann hier einziehst und statt der alten Kate so was in Chateaustil bauen läßt und vielleicht sogar eine Fasanenzucht anlegst , so daß erst der Post-Stephan und dann der Kaiser selbst bei Dir zu Besuch kommen kann , ja , da kannst Du möglicherweise selbst das erreichen , was Dein alter Vater , weil Feilenhauer Torgelow mächtiger war als er , nicht erreichen konnte : den Einzug ins Reichshaus mit dem freien Blick auf Kroll . Mehr kann ich in diesem Augenblick nicht sagen , auch meine Freude nicht höher spannen , und in diesem relativen Ruhigbleiben empfind ich zum erstenmal eine gewisse Familienähnlichkeit mit meiner Schwester Adelheid , deren Glaubensbekenntnis im letzten darauf hinausläuft : Kleinadel über Hochadel , Junker über Graf . Ja , ich fühle , Deinen Gräflichkeiten gegenüber , wie sich der Junker ein bißchen in mir regt . Die reichen und vornehmen Herren sind doch immer ganz eigene Leute , die wohl Fühlung mit uns haben , unter Umständen auch suchen , aber das Fühlunghalten nach oben ist ihnen schließlich doch viel , viel wichtiger . Es