, und die Mädchen von Holkeby standen , wie damals beim Erscheinen des hochzeitlichen Zuges , das Dorf entlang und streuten ihre Blumen . Aber heute waren es weiße Astern , die sie streuten , und die , die vom Schlosse her des Weges kam , war eine Tote ; vorauf Musik , hinter dem Sarge Holk und die Kinder und dann in langem Zuge die Verwandten und Freunde . Petersen stand am Kirchhofseingang , und dem Zuge vorauf schritt er jetzt auf das Grab zu , das neben der baufälligen alten Gruft bereitet war . Hier angekommen , schwieg der Choral , alle Häupter entblößten sich , und dann senkten sie den Sarg hernieder , und die Erde schloß sich über Christine Holk . Ein Herz , das sich nach Ruhe sehnte , hatte Ruhe gefunden . Julie von Dobschütz an Generalsuperintendent Schwarzkoppen » Schloß Holkenäs , den 14. Oktober 1861 Ew . Hochwürden wollen von unserer Freundin hören , deren Tod das erste war , was Sie , nach Ihrem Amtsantritt in Ihrer alten Heimat , von hier aus erfuhren . Ich komme Ihrem Wunsche freudig nach , denn neben allem Schmerzlichen ist es mir immer wieder ein Trost und eine Erhebung , von der teuren Toten sprechen zu dürfen . An dem Tage , wo Sie sie zuletzt sahen , reifte wohl ein Gedanke in ihr , den sie lange mit sich umhertragen mochte . Vielleicht entsinnen Sie sich des elegischen , beinahe schwermütigen Volksliedes , das Elisabeth Petersen an jenem Abende vortrug - Christine verließ gleich danach das Zimmer , und ich glaube , daß es von dem Augenblicke an in ihr feststand . Ich fand sie tief erschüttert und bekenne , daß bange Ahnungen sofort mein Herz erfüllten , Ahnungen , die niederzukämpfen mir nur dadurch gelang , daß ich mir den christlichen Sinn und die ganze Glaubensfestigkeit der teuren Entschlafenen vergegenwärtigte , den christlichen Sinn , der das Leben trägt , solange Gott es will . Der nächste Tag schien mir auch ein Recht zu diesem meinem Vertrauen geben zu sollen . Christine hatte sich , wie sie mir sagte , spät erst zur Ruhe begeben , aber ihr Aussehen zeigte nichts von Überwachtsein , im Gegenteil , eine Frische gab sich zu erkennen , wie ich sie , seit dem Tage ihrer Wiedervereinigung , nicht mehr an ihr wahrgenommen hatte . Sie war , als sie zum Frühstück kam , entgegenkommender und freundlicher als gewöhnlich , schlug einen beinah herzlichen Ton an und redete Holk zu , sich an einer für den zweitnächsten Tag festgesetzten Jagdpartie zu beteiligen , zu der er eben eine Einladung von Graf Baudissin erhalten hatte . Dann besprachen sie sonderbarerweise Toilettenangelegenheiten , sogar ganz ausführlich , aber freilich nur mit Rücksicht auf Asta , die nun über siebzehn sei und in die Gesellschaft eingeführt werden müsse , bei welchem Worte sich ihr Auge mit Tränen füllte . So verging der Tag , und die Sonne stand schon tief , als sie mich aufforderte , mit ihr an den Strand zu gehen . Aber , setzte sie hinzu , wir müssen uns eilen und unten sein , eh es dunkel wird . Und gleich danach stiegen wir die Terrasse hinab . Unten angekommen , war ihr der Weg am Strande hin nicht recht , der Sand sei so feucht und ihr Schuhzeug so leicht , und so gingen wir denn auf den Steg hinauf , in einem Gespräch , in dem die Gräfin absichtlich jedes ernstere Thema zu vermeiden schien . Als wir endlich bis an die Plattform und die kleine Treppe gekommen waren , an der die Dampfschiffe anlegen , setzten wir uns auf eine Holzbank , die Holk seit kurzem erst an dieser Stelle hat aufstellen lassen , und sahen in die Sonne , deren Widerschein auf dem nur wenig bewegten Meere fast noch schöner war als ihre Farbenpracht in dem Gewölk darüber . Wie schön , sagte Christine . Laß uns den Untergang hier abwarten . Freilich , es wird schon kalt , und du könntest uns wohl unsere Mäntel holen . Aber , bitte , spare dir die Stufen und ruf es bloß die Terrasse hinauf . Asta wird es schon hören . Sie sprach das alles mit einem Anflug von Verlegenheit , denn etwas Unwahres sagen widerstrebte ihrer Natur ; aber wenn diese Verlegenheit auch gefehlt hätte , so wäre mir das Ganze doch aufgefallen , weil ihre fast zu weit gehende Zartheit und Güte gegen mich es immer ängstlich vermied , irgendeinen Dienst von mir zu fordern . Sie sah auch , welche Richtung meine Gedanken nahmen , aber ich durfte sie ' s doch nicht klar und unumwunden wissen lassen , was an Besorgnis in meiner Seele vorging , und so ging ich denn den Steg wieder zurück und die Terrasse hinauf , denn das mit dem Hinaufrufen , bis Asta es höre , war nur so hingesagt worden . Als ich wieder am Ausgang des Steges ankam , fand ich die Gräfin nicht mehr und wußte nun , was geschehen . Ich eilte zurück , um Hülfe zu holen , trotzdem ich sicher war , daß alles nutzlos sein würde . Holk war wie betäubt und wußte sich nicht Rat . Endlich aber wurde das Dorf alarmiert , und bis in die Nacht hinein suchte man an Steg und Strand . Auch Boote wurden abgelassen und fuhren ins Meer hinein , auf eine nur von wenig Wasser überspülte Sandbank zu , die dem Stege quer vorliegt . Aber durch Stunden hin ohne jeden Erfolg , und erst am andern Morgen kamen Holkebyer Fischer aufs Schloß und meldeten , daß sie die Gräfin gefunden hätten . Wir gingen nun alle hinunter . Der Ausdruck stillen Leidens , den ihr Gesicht so lange getragen hatte , war dem einer beinah heiteren Verklärung gewichen , so sehr bedürftig war ihr Herz der Ruhe gewesen . Und auf einer Bahre , die man aus der