, die mir vollkommen fremd und unbekannt sind , habe ich kein so starkes Interesse , daß ich für sie Opfer bringen könnte ... Meine ehrliche Meinung , Herr Doctor - ! « Lydia hatte sich von dem Stuhle , auf dem sie seit dem Beginn des Gesprächs gesessen , erhoben und war an ihren Schreibtisch getreten . Sie stand da , den Kopf ein Wenig geneigt , die volle , elegante Büste prachtvoll zum Ausdruck gebracht . Sie hatte ein kleines , gläsernes Lineal ergriffen , mit welchem sie auf einem Briefbeschwerer herumtrommelte . » So - ! « sagte Adam kalt und herb und erhob sich ebenfalls . » Gnädige Frau scheinen allerdings sehr merkwürdige moralische Prinzipien zu haben - « » Wieso - ? « Lydia schnellte herum und hielt Adam mit großen , funkelnden Augen fest . » Wieso - ? Na ! mein Gott , das ist doch einleuchtend ! Wenn Sie so subjektiv , so willkürlich sind in der Ausübung Ihrer Menschenpflicht , so möchte ich beinahe glauben - verzeihen Sie gütigst meine Keckheit ! - daß Sie überhaupt gar nicht wissen , was eigentlich - - « » Herr Doctor - ! « » Gnädige Frau - ? « » Sie scheinen gewisse ... unartige Gewohnheiten nicht loswerden zu können ... Schon damals - Sie werden sich erinnern - - « In Adam schoß es in die Höhe . Es kreißte und gährte und quoll in ihm , er wußte , daß sie heranzog , daß sie kam , vor der er sich nicht retten , der er nicht entrinnen konnte , wenn sie die Arme nach ihm ausstreckte , sie zerrte immer heftiger an ihm , die heiße , erstickende Wuth , sie zog das Blut aus seinem Gesicht , er wurde bleich , seine Glieder flogen , er zitterte am ganzen Leibe , er mußte sich an den Tisch klammern , um sich aufrecht zu erhalten , er klammerte sich immer fester , er wußte : - wenn er losließ - wenn er losließ , würde ihn der Katarakt seiner Wuth auf dieses Weib peitschen , würde er sich auf dieses Weib , das ihn beleidigt , das ihn mit seiner vagen , erbärmlichen Andeutung , seinem kleinlichen Vorwurf zu Tode gekränkt hatte - er würde sich auf diese Creatur - was war sie denn ihm gegenüber ? was denn ? - stürzen müssen , um sie zu - ja ! zu erwürgen - und davor - o Gott ! davor bebte er instinktiv doch zurück - nein ! nein ! nicht nachgeben ! nicht nachgeben - nicht das letzte Restchen halbklarer Besinnung fahren lassen - - Lydia hatte die Veränderung , die mit Adam vorgegangen war , unter heftigem Erschrecken wahrgenommen . Sie war zusammengezuckt , war vom Schreibtisch näher ans Fenster getreten , sie fürchtete sich , sie überlegte , ob sie nicht schellen , ob sie nicht Hülfe herbeirufen sollte - hatte sie denn noch einen Zurechnungsfähigen vor sich - ? Einen Menschen , der bei Besinnung war - ? War das nicht das Delirium der Wuth , des Jähzorns , der sein Opfer packt und zerfleischt - ? Und sie war eine wehrlose Frau - - aber der Scandal - - » - Sind Sie unwohl geworden , Herr Doctor - ? « sickerte es jetzt mühsam über ihre Lippen - Adam faßte sich . Er ließ sich langsam vom Tisch los , dämpfte seinen keuchenden Athem , trat näher an Lydia heran , die unwillkürlich immer weiter nach dem Fenster zu zurückwich , legte die wie festgeschraubte Schienen aneinandergekrampften Arme über die Brust - - » - Unwohl wäre ich , glaubst Du , Weib ? « stieß er heiser heraus - » ei ! Und wie unwohl ! Aber ich sage Dir : - das ist eine ganz verdammte Lüge , die nur ein Schurke zusammenkneten kann ! Mir ist so wohl , so dämonisch sauwohl , sage ich Dir , Weib , wie mir in meinem ganzen Leben noch nicht gewesen ist ! Aber Du - Du - Du sollst zittern ! Warte nur ! Ha ! Es ist zum Andiedeckespringen ! Zum Todtlachen ! Zum - zum - - Du wagst es , mich zu beleidigen - Du spielst Deine kleine , egoistische Seele gegen mich aus - Du wagst es , mir mit Deinen abgestandenen Phrasen von Anstand und Gutem Ton zu kommen , wo ich Dich um Erfüllung Deiner allerordinärsten Menschenpflicht angehe - wo ich als Anwalt der Armuth vor Dir stehe , der Du mit Deinem verfluchten Mammon helfen sollst - ha ! da kehrst Du die feine Dame ' raus - und verbittest Dir ein Benehmen - ein Benehmen - - zum Teufel ! Warte nur ! Es werden schon eines Tages Andere kommen , die anders mit Dir reden , die eine andere Sprache im Munde führen - warte nur , Weib ! Und sie werden Dich nicht so sanft anfassen , mein Täubchen - Du wirst Deine zarten Ohren schon an die dröhnende Musik gewöhnen müssen , die ihre ungeschlachten Stimmen und ihre zerschmetternden , groben Fäuste machen ! Warte nur ! Sie werden sich schon mit Deinem Prunk ihre Blößen decken , sie werden Deinen Plunder schon zerschlagen , ihre Frostgeschwüre und ihren Hungertyphus damit auszucuriren - warten Sie nur , meine Gnädige ! Das wird ein netter Hexensabbath werden , sage ich Ihnen - ein Hexensabbath , daß es eine Art hat ! - und alle Ihre egoistische Willkür - Ihre ästhetischen Geschmacksfexereien werden zum Teufel gehen - - und ich werde bei dem Rummel mit beisein , ich , gnädige Frau , ich - verlassen Sie sich drauf ! - ich werde die Lumpen und Vagabunden - die ganze losgelassene Volksfurie in Ihren Lügentempel hetzen - warten Sie nur - ! es wird sich Alles schon machen - das soll ein Gaudium werden - na ! wir werden Euch Eure brutale Selbstsucht schon aus