Kajarnak erzählen , alles Große und Kleine , und wie die Seinen ihn aufgenommen hätten . Er verschwieg uns nichts . Sie hätten ihn anfangs oft und mit sichtlichem Vergnügen angehört ; als sie dann aber seines Wortes überdrüssig geworden wären , habe er sich in die Stille begeben und seine Erbauung allein gehabt . Zuletzt habe es ihn sehr verlangt , wieder bei uns , seinen Brüdern , zu sein , immer mehr und mehr , bis ihm die Sehnsucht nicht Ruhe und Rast gelassen habe ; und da sei er nun . Mein guter Schorlemmer , der ihn so recht eigentlich in das Heil eingeführt hatte , weinte vor Freuden , und Friedrich Böhnisch sagte , das sei ihm eine unvergeßliche Stunde und sein Ehrentag habe nun eine doppelte Weihe . « » Das durft er sagen . Es war ein Hochzeitstag , wie ihn sich jeder wünschen mag ! Mir würde dieses Wiedersehen ein Zeichen froher Vorbedeutung gewesen sein . « » Und das war es auch . Das junge Paar wurde glücklich . Auch Kajarnak . Aber seine Tage waren gezählt . Ich glaube fast , daß er sich in seiner Treue nicht genugtun konnte und daß er sich ( er war nur von schwachem Körper ) in seinem Eifer übernahm . So wurd er denn von einem heftigen Lungen und Seitenstechen befallen , das seinem Leben rasch ein Ende machte . In den größten Schmerzen bewies er ein gesetztes Wesen , und wenn die Seinigen anfingen , um ihn zu weinen , sagte er : Betrübet euch nicht . Ihr wisset , daß ich von euch der erste gewesen bin , der sich zu dem Sohne Gottes bekehrt hat , und nun ist es sein Wille , daß ich der erste sein soll , der zu ihm kommt . Wenn ihr ihm treu seid , so werden wir uns wiedersehen und uns über die Gnade , die er an uns getan hat , ewiglich freuen . Danach schlief er ein , während unsere Gebete seine scheidende Seele dem Erbarmer empfahlen . Seine Frau bestand darauf , daß er nicht nach Landessitte , sondern nach christlicher Weise begraben würde . Und so geschah es . Nicht nur die Brüder und ihre Angehörigen , auch die Kaufleute von der Kolonie fanden sich zu seinem Begräbnis ein , mit dem unser neuer Gottesacker eingeweiht wurde . Die Grönländer wunderten sich über alles , was sie sahen ; unseren Brüdern aber ging dieser Tod sehr nahe . Denn sie verloren viel in ihm : einen erweckten , begabten und gesegneten Zeugen des Evangeliums . Und da hast du nun meine Geschichte von Kajarnak , dem ersten Getauften . « Renate ergriff die Hand ihrer alten Freundin und sagte : » Ach wie ich dir danke , liebe Schorlemmer . Es ist nun alle Furcht wie verflogen , und ich fühle mich , als hätt ich nie von Spuk und Gespenstern gehört . Und nun will ich schlafen . Aber sage mir noch erst den Spruch von den vierzehn Engeln . Wir wollen ihn zusammen sprechen : Abends bei Zubettegehn Vierzehn Engel bei mir stehn ; Zwei zu Häupten , Zwei zu Füßen , Zwei zu meiner rechten Seit , Zwei zu meiner linken Seit , Zwei , die mich decken , Zwei , die mich strecken , Zwei , die führen mich sogleich In das liebe Himmelreich . « Sie schwiegen eine Weile . Dann sagte Renate : » Und nun geh . Ich habe ja nun Schutz . Laß nur die Seitentür auf , daß mich Maline hört . « » Gute Nacht , Renatchen ! « » Gute Nacht , liebe Schorlemmer ! « Siebzehntes Kapitel Ein Rabennest Der nächste Tag war Silvester . In aller Frühe schon brach Hoppenmarieken auf , um womöglich bis Mittag wieder zurück zu sein und alles putzen und scheuern , auch ihre Vorbereitungen zu einem Silvesterpunsch treffen zu können . Sie machte heute die kurze Tour und schritt auf Küstrin zu . Es war erst sieben Uhr , als sie an dem Herrenhause vorbeikam und über den Hof hin sich mit Jeetze begrüßte , der eben die nach beiden Seiten hin einklappenden Laden des großen Eckfensters öffnete . Aus der Unbefangenheit ihres Grußes ließ sich erkennen , daß ihr die Gefangennehmung der beiden Strolche , von der sie aller Wahrscheinlichkeit nach nur zu sehr mitbetroffen wurde , nicht bekannt geworden war . Erst nach Mitternacht von einer Wanderung quer durch das Bruch in ihre Wohnung zurückgekommen , hatte sie , selbst bei den Forstackersleuten , die doch sonst wohl die Nacht zum Tage zu machen liebten , niemand mehr wach getroffen und war , als sie aufstand , wahrscheinlich die einzige Person in ganz Hohen-Vietz , die von dem Ereignis des vorigen Tages nichts wußte . Erst zwei Stunden später versammelten sich Wirt und Gäste des Herrenhauses am Frühstückstisch . Auch Berndt , wenn ihn nicht Geschäfte riefen , war kein Frühauf , und die nicht vor vier Uhr nachmittags angesetzte Fahrt nach Guse konnte keinen Grund bieten , die bequeme , längst zu einer Art Hausordnung gewordene Gewohnheit zu unterbrechen . Tante Schorlemmer , bei Renate festgehalten , erschien noch etwas später und beantwortete die Fragen , die über das Befinden der Kranken an sie gerichtet wurden . Das Gespräch , nachdem auch noch Doktor Leists beruhigende Worte mitgeteilt worden waren , wandte sich dann dem am Abend vorher in Hohen-Ziesar gemachten Besuche zu , dessen einzelne Momente in dem Hin und Her einer immer muntrer werdenden Plauderei noch einmal durchlebt wurden . Aus allem ging hervor , daß Drosselstein sich als der liebenswürdigste der Wirte , voll Entgegenkommen gegen Berndt , voller Aufmerksamkeiten gegen Kathinka gezeigt hatte . Als diese , die sich zum ersten Mal in Hohen-Ziesar befand , ihre Verwunderung über die sonst nirgends in der Mark vorkommende Großartigkeit der Schloßanlage geäußert hatte , hatte der Graf ohne Rücksicht auf die späte Stunde noch Veranlassung genommen ,