Naturell so rasch wieder durchbricht und den Abschiedsschmerz überwindet . « Es war zum Verzweifeln - nun galt meine Empörung auch noch für kindischen Uebermut , und Herr Claudius meinte es auch - er sah über meine kleine Person hinweg , sie schien für ihn nicht mehr zu existieren - recht so , die Strafe hatte ich ja verdient ... 24 Ein heißer Brodem schlug von draußen herein in die Hausflur - es war , als habe sich der Blumenatem der Gärten zu einer trägen , unbeweglichen Masse verdichtet . Noch war kein Schlag gefallen , kein erlösender Regentropfen netzte die lechzende Erde ; aber auf den Steinplatten des Hofes kräuselten sich kleine Späne und verstreute Papierschnitzel in verhängnisvollem Reigen , und die Pappeln drüben am Fluß sträubten ihre glatten Wipfel - der Sturm holte tief aus , um von neuem hervorzustürzen . Die Prinzessin bestieg eiligst ihren aus der Seitenstraße hereinrollenden Wagen , und mein Vater , der zum Herzog beordert war , begleitete sie . Herrn Claudius reichte sie noch einmal die Hand heraus , Charlotte und Dagobert dagegen wurde ein freundlich vornehmes Kopfnicken zu teil , für welches sie sich dankend tief zur Erde neigten . Meine kleine Person wurde in der Hast und Eile übersehen , - und es war ganz gut so , ich wandte allen den Rücken , schritt über den Hof und öffnete die Gartenthür . Ich hatte Mühe , mich auf den Füßen zu halten - der Sturm brach los und raste über den weiten Plan . Grimmig fiel er mich an und riß mir die Thür aus der Hand ; alle meine Kraft aufbietend , erfing ich sie wieder und warf sie hinter mir krachend in das Schloß - sie durfte ja nie offen bleiben nach den streng gehandhabten Hausregeln . Nun vorwärts ! Ich taumelte , nach Atem ringend , einige Schritte weiter und hatte das Gefühl , als sei ich plötzlich mitten in wogende Wasser geschleudert ... Wie es lebendig fließend über die Erde hinlief , das bunte Meer der Blumen ! wie es zerwühlt zusammensank und auf Momente das fahle Grün der Stengel und Unterblätter zeigte , um dann wieder aufzuschwellen in farbenfunkelnder Pracht ! Und wie sie toll und wild wurden , die schlanken , vornehmen italienischen Pappeln , wie sie sich bogen und wanden im rasenden Tanz mit dem Sturm und tosend einstimmten in sein Gebrüll ! Ich hatte plötzlich keinen Boden mehr unter den Füßen - zunächst flog ich mitten in das Heliotropenbeet , dann prallte ich gegen die Hofmauer zurück . Mit hochgehobenen Armen an die unebenen Steine mich anklammernd , drückte ich meinen Kopf gegen sie und ließ nun ausatmend die Wucht des Unwetters über mich ergehen . Scheu sah ich unter den Haarmassen hervor , die mir um das Gesicht flogen , denn die Thür nicht weit von mir fuhr prasselnd auf , und Herr Claudius trat heraus - er wandte suchend den Kopf nach allen Richtungen - da sah er mich . » Ah , hierher hat Sie der Sturm verschlagen ? « rief er . Sofort stand er schützend vor mir - nicht eines meiner Haare hob sich mehr im Winde . » Wahrhaftig , wie ein unglückliches Schwälbchen , das der Sturm aus dem Neste gestoßen hat ! « lachte Dagobert , der ihm folgte und sich wankend am Thürpfosten festhielt . Ich ließ rasch meine Arme von der Wand niedersinken und wandte das Gesicht weg - das war das Lachen , das mich in der Heide unter das Dach des Dierkhofes gejagt hatte . » Kommen Sie in das Vorderhaus zurück ; Sie erreichen die Karolinenlust nicht mehr , « sagte Herr Claudius sanft zu mir . Ich schüttelte den Kopf . » Nun , dann will ich mit Ihnen gehen - unbeschützt können Sie sich unmöglich auf Ihren kleinen Füßen erhalten . « » Mit meinem Mantel vor dem Sturm - beschütz ' ich dich ! « klang es durch meine aufgeregte Mädchenseele - nein , ich wollte nicht ! mochten sie doch beide gehen ; den dort mit der Falschheit hinter der Stirne verabscheute ich , und vor dem , der so geduldig und sanft zu mir sprach , fühlte ich tiefe Scham und Furcht . » Ich brauche keinen Mantel , der mich beschützt - ich will mich allein durchkämpfen , « sagte ich gepreßt und sah zu ihm auf - aber durch funkelnde , zitternde Thränen , die sich bei aller Anstrengung nicht niederschlucken ließen . Meine Zähne schlugen wie im Frost zusammen . Herr Claudius sah mich an , während Dagobert abermals auflachte ; eine unerklärliche Bewegung ging durch seine Züge . » Sie sind krank , « sagte er , sich zu mir herabbückend , leiser . » Ich darf Sie nun erst recht nicht allein lassen . Seien Sie gut und gehen Sie mit mir . « Diese nicht zu erschöpfende Geduld und Nachsicht mit dem kleinen unwürdigen Geschöpf , das er verachten mußte , und das bei alledem sich auch noch tr tzig verhielt , brachen meinen Widerstand ; zudem mäßigte sich das Toben in den Lüften für einen Moment , ich konnte mich recht gut allein auf den Füßen halten und verließ meinen Platz . Noch stand Dagobert an der Thür . Jedenfalls hatten die wenigen Worte , die Herr Claudius leise zu mir gesprochen , und meine plötzliche Bereitwilligkeit , mitzugehen , sein Mißtrauen geweckt - er legte bedeutsam den Finger auf den Mund und hob in finsterer Drohung schüttelnd die Rechte . Dann trat er in den Hof zurück und schlug die Thür zu ... Unnötige Mahnung ! Ueber meine Lippen kam kein Wort - erst gelogen und dann verraten - Herr Claudius hätte mich selbst verabscheuen müssen , und wenn ihm auch meine Mitteilungen unberechenbar nützten ... Aber ich mußte zugleich tief niedergeschlagen an Heinzens schauerliche Erzählungen von verkauften Seelen denken - ich war auch so eine arme Seele , die ängstlich hin und her flatterte