wieder ein wenig Respekt vor ihm bekommt . Jetzt geht es zu in dieser seiner Welt , daß man gar nicht mehr weiß , wo er ist . « » Ach , Vater , wenn Ihr so redet - « » Er soll nur auch die beim Kopf nehmen , die mich zur Verzweiflung bringen . Wenn er alles gar so genau nähme , so könnten gewiß nicht mehr alle Kapläne davon erzählen , und ich hätte schon eine viel bessere Welt angetroffen . Aber sag ' , was hast du noch mehr gebeichtet ? « » Das muß ich nicht und will ich nicht « , sprach Dorothee , sich stolz aufrichtend , mit fester Stimme . Einen Augenblick sah sie das Mathisle fast erschrocken an , dann fragte es spöttisch : » Was willst du denn , Mädchen ? « » In die Kirche , denn es ist die höchste Zeit . « Mit einem Lehnstuhl bewaffnet , stellte sich der kleine Mann vor die Stubentür und schrie : » Du bleibst mir da und erzählst mir alles , oder es gibt ein fürchterliches , ein doppeltes Unglück . Ich merke , daß ich mich nicht mehr bezwingen kann . - Sage nur gleich , was hast du gebeichtet ? « » Nichts - als was ich schon gesagt habe . « » Nichts - überall nichts « , jammerte der Vater . » Mit nichts kommt man zu nichts . Du Närrin , warum läufst du zur Kirche , wenn du nichts zu sagen hast ? Der Kaplan hielt das wohl nicht für möglich , glaubte nur eine Heuchlerin vor sich zu haben , und darum wurdest du nicht losgesprochen . « » Aber ich hab ' mir , so wahr mir Gott helfen möge , gar nichts vorzuwerfen ! « » Bald genug wirst du auch nichts mehr zum Einstecken haben . Ich wollte lieber , daß du uns recht viel vorzuwerfen hättest . « » Der Kaplan verstand mich nicht . Ich bleib ' darum aber doch im Dienst und will auch immer nach Kräften helfen . « » Solang das geht ; aber wie lang wähnst du , Tröpflein , daß du noch bleiben könnest , nachdem du so herabgesetzt bist ? Kurz und gut , jetzt ist ' s aus . Die Stigerin wird dich nicht mehr im Hause lassen . « » Ich hab ' aber doch nichts Unrechtes getan . « » Das ist mir nur ein schlechter Trost . « » Vater ! « » Ich weiß , was ich will , du aber willst mich umbringen mit deiner dummen Ehrlichkeit . Für Leute von unserer Art ist die liebe Tugend ein teurer Spaß . Wir müssen selbst schieben , oder wir werden geschoben . Ist es recht gewesen , den Hansjörg unter die Soldaten zu lassen ? Recht ? Lächerlich ! Aber klug war es , wenn man auf dich rechnen konnte . Mit der Zusel ist ' s aus gewesen , da hat ' s nun gegolten , den Hans anzubinden an sein Gewissen . Bloß den Krämer mit seiner Forderung hätt ' ich allenfalls schon noch abfertigen können . « Das Mathisle redete mit einer Kälte , die Dorotheen das Blut beinahe zum Stehen brachte . Nun aber fuhr es wild auf : » Der Bursche konnte tot , zum Krüppel geschossen werden , dennoch hab ' ich ihn gewagt , um den Töchtermann zu fangen . Durch dich aber , du närrische Tugend , hab ' ich beide verloren . Dein Ruf ist hin durch deine Schuld , und auch uns hast du die ganze Zukunft verdorben . « » Ich hab ' aber doch nichts getan . « » Das ist der Trost jedes Faulenzers , aber damit bringt man es nicht weit . Ich wollte bei Gott lieber , der Kaplan hätte Grund gehabt , dich nicht loszusprechen . Aber so wegen nichts und wieder nichts aus allem heraus und so ins Geschrei hineinzukommen , das - ja , Mädchen , das ist schon zum Wütendwerden ! « » Aber « , wagte Dorothee dem wirklich beinahe rasend gewordenen Vater zu erwidern , » ehrlich währt denn doch am längsten . Hansjörg mit aller List und Berechnung bringt es auch zu nichts , wie mutig , ja toll er es auch anfängt ; dagegen ... « » Hansjörg ist ein Lümmel . Er mag nicht , und du kannst nicht ; aber was hast du noch mehr sagen wollen ? « » Dagegen kommt Jos in Ehren , und wenn auch langsam , doch sicher , immer mehr empor . « » Hab ' ich mir doch gedacht , daß es da steckt ! « schrie das Mathisle und schwang den noch immer krampfhaft festgehaltenen Stuhl um sich herum , daß es surrte . » Herrgott im Himmel ! Also darum nur mußt du beichten ? Du dummes , leichtsinniges , elendes Ding bringst mich noch rein um ! « » Vater ! « » Nichts mehr , kein Wort mehr dein Lebtag , du verfluchter und vermaledeiter Balg , wenn du noch etwas mit diesem Schneider , diesem hergeschmuggelten Bettler zu tun hast . « » Aber - « » Schwöre mir ihn ab , gleich , bei allem , was du hoffest und wünschest , was dir heilig und trostreich ist ! « Draußen begann der Hund zu bellen . » Vater « , stammelte das Mädchen , » wenn jetzt jemand kommt - ? « » So wird man etwas Greuliches , unsere ermordeten Leichen , sehen , wenn du nicht schwörst . « » Ach du mächtiger , grundgütiger Gott ! « jammerte Dorothee . Der Vater mit seinem Stuhl kam näher . Er schwang ihn so gewaltig , daß er an der niedrigen Decke der Stube ein Bein abschlug . Das Hundsgebell wurde wilder . » Dorothee ! « stammelte der Wütende . » Ich schwöre ja ! «