Täubrich ; Ihre Relation läßt nichts zu wünschen übrig . Übrigens haben wir hier unsere Gezelte erreicht . Segen begleite unsern Eintritt , und es überhebe sich keiner , welchen Lichtstrahl die Götter ihm auch vor die Füße fallen lassen mögen . Gehen Sie zu Bett , Täubrich-Pascha , und träumen Sie , wie Sie im Wachen leben . Einen bessern Wunsch habe ich nicht für Sie . « Sie standen vor ihrer Haustür , doch es war bestimmt , daß Leonhard Hagebucher selbst fürs erste noch nicht zu Bett gehen sollte . » Ich hörte bereits auf dem Bahnhof von Ihrer Ankunft « , sagte der Exleutnant der Strafkompanie zu Wallenburg , Kind , » und so habe ich denn hier auf Sie gewartet . Willkommen , Herr Hagebucher . « Der Schneider drückte sich gegen die Mauer des Hauses ; aber Leonhard sprach finster : » Sie sind pünktlich wie der Teufel , wenn der Pakt ablief , Leutnant . Wohl , wohl ! Seien Sie auch mir willkommen : denn das muß ich ja doch wohl sagen , da die Höflichkeit es fordert ? Womit kann ich Ihnen dienen , werden Sie in dieser Nacht noch die Sturmglocke an dem Hause Glimmern läuten ? Es hindert Sie niemand vorwärts , vorwärts , lassen Sie alle Ihre Hunde los - frisch , packen Sie selber an ; was Ihnen nicht zugehört , das werden Sie uns schon lassen müssen . « » Sie sollten nicht in dieser Weise mit mir reden , Herr Hagebucher « , sagte der Leutnant . » Sie vor allen haben keine Ursache dazu . « » Nein , nein , Sie haben recht , Herr . Sie hielten Ihren Vertrag , und wir werden den unsrigen halten ; und nun , was haben Sie mir in so später Stunde noch mitzuteilen ? Wollen Sie mit mir in mein Zimmer hinaufsteigen ? « Der Alte schüttelte den Kopf . » Das Atemholen wird mir zwischen vier Wänden seit einiger Zeit immer unbequemer ; auch werde ich Sie nicht lange aufhalten . Lassen Sie uns in der freien Luft bleiben . « Leonhard schob den Pascha in die Türe des Hauses und schloß sie hinter ihm ; dann legte er seinen Arm in den des alten Mannes und schritt mit ihm weiter durch die Kesselstraße ; doch schon nach einer Viertelstunde kehrte er zurück , stieg schwerfällig durch all die schlafenden Stockwerke des Hauses zu seiner Wohnung empor , schleuderte den Hut zu Boden und lachte bitter und zornig : » Also das war die Meinung ? ... Den Herrn van der Mook verlangt er zurück von mir , um mit ihm das Trauerspiel zu Ende zu bringen ! Gleich einem Galeerensklaven , welchem der Kettengefährte abhanden kam , verlangt er nach diesem Genossen ! Ho , die eiserne Kugel wird ihm allein zu schwer . Bei Gott , er soll ein Ende machen , wie er kann ; aber niemand soll ihm eine helfende Hand dazu leihen ! Auge um Auge , Zahn um Zahn - er hat freie Bahn vor sich und ein löbliches Ziel , was sucht er zur Seite , was blickt er sich um ? Nichts , nichts hat er auf dem Wege , der zur Frau Klaudine führt , zu suchen ; was kümmert es die , welche diesen Weg fanden , ob das Messer in seiner Hand zittert ? « Er blickte ergrimmt in dem Gemach umher . Der Schneider hatte ein Feuer im Ofen angezündet und die brennende Lampe auf den Tisch gestellt - zum erstenmal seit seiner Erlösung aus den Lehmhütten von Abu Telfan achtete Leonhard Hagebucher auf die schmutzigen Wände , die niedrige Decke seines jetzigen Aufenthaltsortes und verzog den Mund darob . Er fühlte sich alt , durchfröstelt , mißlaunig und voll Verlangen nach Licht , Ruhe und Reinlichkeit . Gestern erst hatte er Frau Klaudine von neuem Lebewohl gesagt , und heute schon entbehrte er sie tief und schmerzvoll und suchte krankhaft in allen Winkeln seiner Philosophie und Erfahrung nach einem Ersatz für ihre beruhigende Gegenwart und hohe , stille Weisheit . Nur einen kurzen Augenblick hatte er an diesem Abend in dem Stübchen Serenas seine eigentliche verwirrte Existenz vergessen dürfen ; aber kalt und rücksichtslos griff der Leutnant Kind in die trügerische Behaglichkeit , und statt dieselbe mit in den Schlaf zu nehmen , konnte der Afrikaner sich nur auf den Rand seines Bettes setzen , um den Gewinn und Verlust der letzten Wochen gleich einem ordentlichen Haushalter in die betreffenden Schiebladen seines Daseins zu verteilen . Es unterlag keinem Zweifel , der alte Herr in Bumsdorf war tot und begraben , und der verlorene Sohn regierte an seiner Stelle . Der Vetter Wassertreter hatte ein vorhandenes Inventarium auf das genaueste mit der Wirklichkeit verglichen und das Vermögen bis zum Stiefelknecht in der wunderbarsten Ordnung gefunden , ohne sich zu wundern . In Nippenburg wußte man schon längst , daß der Steuerinspektor Hagebucher als ein sparsamer Mann , welcher das Rechnen und die Landwirtschaft verstand , im Laufe der Jahre ein Erkleckliches zusammengebracht habe , und bedauerte nur , daß das » schöne Geld « nunmehr in so nichtsnutzige Hände gerate . Das letztere war der Vorsehung grenzenlos gleichgültig ; sie hatte Mutter und Schwester des afrikanischen Abenteurers ganz warm geborgen ; und wieder einmal zeigte es sich deutlich , daß auch ein zu den Honoratioren von Nippenburg gehöriger Mensch von der Bühne abtreten kann , ohne daß die Welt im geringsten dadurch aus dem Geleise kommt . Übrigens erschien seit dem Tode von Hagebucher senior Hagebucher junior doch in einem viel günstigeren Lichte vor den Augen Nippenburgs , und es gab bereits viele Leute , welche anfingen , ihm den Ärger , die Unruhe und Aufregung , die er durch sein unvermutetes Wiederauftreten auf der Bühne über das Gemeinwesen brachte , zu verzeihen , und schwache Versuche machten , ihn als einen wenn auch » eigentümlichen « , so doch ganz