ich kenne diese kleine Eitelkeit an ihm , auch sicher nur in Vorschlag gebracht hat , um die gewohnte Bewunderung zu ernten . Kaum irgend eine andere Uebung ist so geeignet , die Schönheit und Anmuth der Gestalt zu zeigen , als eben dieses Spiel , hob der Freiherr nach einer Weile , in welcher man ihnen schweigend zugesehen hatte , wieder an , und Herbert ist in der That ein ungewöhnlich wohlgestalteter Mann . Sehen Sie , wie schlank der Oberkörper an den Hüften einsetzt und wie frei der kräftige Nacken sich auf den breiten Schultern bewegt . Er gleicht seinem Vater ungemein , der selbst in Italien , in dem Lande der schönen Mannesgestalten , noch durch seine Wohlgestalt Aufsehen erregte . Dazu hat er viel Verstand und ein schickliches Betragen . Gewiß , bekräftigte die Herzogin , die sich seit langer Zeit darin gefiel , Herbert ' s Beschützerin zu machen und seine Vorzüge an das Licht zu bringen . Finden Sie nicht , liebe Angelika , daß er wirklich die Tournüre eines Mannes aus unserer Gesellschaft besitzt ? Und er hat mehr Geist , mehr Herz , mehr Schwung , als Mancher der Unserigen . Die Baronin hatte bis dahin schweigend da gesessen und offenbar der ganzen Unterhaltung nicht zugehört ; denn erst , als man ihr die Frage wiederholte , fuhr sie wie aus tiefem Sinnen auf und bejahte sie flüchtig . Die Herzogin wollte wissen , was sie beschäftigt hätte ; sie vermochte es aber nicht zu sagen . Sie meinte , das Werden des Frühjahres und die Herrlichkeiten des Sommers hätten sie stets gerührt , und ergriffen sie dieses Mal so gewaltig , daß sie sich versucht fühle , eine Ahnung darin zu erkennen . Man redete ihr das aus , der Baron pries ihr gutes Aussehen , ihre blühende Farbe , und die Herzogin rief : Es ist zu viel Gesundheit , zu viel Lebensfülle , lieber Freund , die unsere Angelika so schwermüthig machen . Gewiß , meine Theure , Sie dürfen um meinetwillen Ihre Jahre nicht vergessen , Sie haben starke Spaziergänge , Sie haben Bewegung nöthig . Ich promenire täglich ! versicherte die Baronin . Ja , Sie promeniren , so viel als meine Bequemlichkeit es zuläßt und begehrt , meinte die Herzogin . Aber fragen Sie Ihren Mann , wie leichtfüßig ich war , wie schnell zu Pferde , wie schnell zu jedem Spiel , als ich Ihr Alter hatte ! Allons , meine schöne Cousine , dort ist ein Mittel , Ihre Schwermuth los zu werden . Schnell ein Racket , meine Herren , die Frau Baronin wünscht von der Partie zu sein . Die Spielenden wendeten sich bei dem Anrufe zu ihnen , der Marquis , welcher sich alle die Jahre hindurch vergebens bemüht hatte , der kalten Deutschen , wie er die Baronin nannte , eine wirkliche Theilnahme abzugewinnen , eilte in den Saal , das Racket zu holen , und obschon widerstrebend , ließ Angelika sich endlich von den Bitten der beiden jungen Männer und von dem Zureden des Freiherrn bestimmen , sich als Dritte zu den Spielenden zu gesellen . Es war lange her , daß sie sich einem solchen Vergnügen überlassen hatte . Die lebhafte Bewegung , der fröhliche Zuruf des Marquis erheiterten sie , die große Geschicklichkeit und die vollendete Anmuth Herbert ' s reizten sie , es ihm gleich zu thun , und der Beifall der Herzogin , das zustimmende Lachen ihres Mannes regten ihren Ehrgeiz auf . Sie wollte der Herzogin beweisen , daß auch eine Deutsche der Sicherheit und Grazie nicht entbehre , und wie sie sich in dem leichten , wallenden Gewande hinbewegte , wie die blaßblauen Bänder von ihrem schlanken Leibe niederflossen und vom Lufthauche bewegt in ihren blonden Locken spielten , sah sie so schön aus , daß ihr aus dem entzückten Auge Herbert ' s , der sich mit der Freude eines Künstlers und mit der heißen Seele eines jungen Mannes an ihrer Schönheit ergötzte , ein gewisses fröhliches Siegesgefühl durch das Herz zog . Sie vergaß es , wie schwermüthig sie sich eben erst gefühlt hatte , sie vergaß , daß es ein Sterben gäbe , so voll Leben klopfte es in ihren Adern . Immer rascher flogen die Bälle von Einem zum Andern , immer lebhafter wurden die Wendungen , mit denen man ihnen begegnen mußte ; da , als die Lust der Spielenden ihnen Allen Flügel geliehen zu haben schien , rief plötzlich die Herzogin , daß nun die Reihe der Vergnügungen auch an sie käme und daß man sie über das Ballspiel nicht vergessen möge . Sie war gewohnt , seit sie in Richten lebte , Nachmittags ihr Whist zu spielen . Der Baron und der Marquis machten dann ihre Partner , und wie dieser sich auch dagegen sträubte , wie jener auch für die Jugend sprach , da die Fröhlichkeit seiner Gattin ihm Freude gewährte , die Herzogin bestand mit scherzendem Eigensinne auf ihrem Willen . Der Spieltisch wurde in einem der Zimmer aufgestellt , der Baron führte sie hinein , und als der Marquis mit komischem Seufzer sein Racket aus der Hand legte , wollten auch die Baronin und Herbert ihr Spiel beenden , aber die Herzogin gab das nicht zu . Sie behauptete , auf ihre Kartenpartie verzichten zu müssen , wenn Angelika sich dadurch in ihrer Unterhaltung und im Genusse des schönen Tages stören lasse , und da auch der Baron seine Frau aufforderte noch im Freien zu bleiben , so gab sie nach . Indeß sie war durch die Unterbrechung , wie sie meinte , aus dem rechten Zuge gekommen , und das mußte auch bei Herbert der Fall sein , denn nun sie ohne den Marquis und ohne ihre Zuschauer auf einander angewiesen waren , wollte es mit dem Spiele nicht mehr gehen . Die Baronin schlug nicht weit genug , der Ball verfehlte sein Ziel , sie fing ihn auch nicht immer so