Sie müssen es ertragen . ' s kostet auch kein Geld . Hören Sie , wer weiß , ob man nicht einst aus dem Sonnenschein Gold macht . Was sagen Sie dazu , Wienand ? Das wäre so etwas für Sie ! Nicht wahr , es wäre gar keine üble Kunst , wenn man den Sonnenschein von den Wänden kratzen und zu Louisdors umschmelzen könnte ? Das ist eine Idee , denken Sie einmal darüber nach , Kommerzienrat . « Der arme reiche Mann starrte die Rednerin mit weit offenen Augen an und rieb eifriger als je die Hände aneinander . Das Wort Gold rief immer in seiner Seele eine Reihenfolge von Gedanken hervor , der er gierig folgte , und so auch jetzt . Erst schloß er die Augen wie im tiefen Nachsinnen , dann starrte er in die Flut des Lichtes , wie sie in das Fenster drang ; dann griff er mit den hagern zitternden Händen in den Strahl , als wolle er die funkelnden Stäubchen fangen und zusammendrücken und kneten zu kostbaren Barren und gerundeten Stücken . » Wie es flimmert , flimmert ! « rief er mit kreischender Stimme . » Gold , Gold , o soviel Gold in der Luft . Seht , seht , wie es flimmert ; wer es doch fassen und halten könnte ! Hier - da hab ich ' s - nein - nein , da ist die leere Hand ; o wie schrecklich ist ' s , verhungern zu müssen , wenn so viel , viel , viel Gold in der Luft blitzt . Helene , Helene , greif du zu ; vielleicht gelingt es dir besser - bankerott - bankerott - der arme Wienand hat kein Glück mehr , er wird das Gold nicht fangen ! « Weinend küßte die Tochter die gefurchte Stirn des Vaters und flüsterte : » O lieber Papa , wir wollen es schon fangen ; habe nur guten Mut , ich fange es schon , das Gold ; Stück für Stück fange ich es ; sieh hier , da ist schon ein Stücklein von den vielen , vielen , welche ich für dich erlangen werde . « Sie hielt dem Kranken ein neugeprägtes , funkelndes Goldstück hin , und mit einem heisern Schrei griff der große Bankier Wienand danach , betrachtete es in höchster Aufgeregtheit , als wolle er es mit den Augen verschlingen , hielt es krampfhaft , als fürchte er , daß man ihm das blanke Metall sogleich wieder entreißen werde . Dann hob er sich aus seinem Lehnsessel und schlich auf den Zehen aus dem Zimmer , um den kostbaren Schatz an einem unbekannten Ort zu verbergen . Helene sank in die Arme Julianes und schluchzte : » Ich trage es nicht mehr ! Es ist zu schrecklich ! Es ist zu viel Schmerz ! « Auch dem alten Fräulein traten die Tränen in die Augen ; aber es wischte sie resolut ab , machte sich sanft von der Umarmung des Mädchens frei und rief , die Locken des Pflegekindes streichelnd : » ' s ist recht , Kind , laß dem Weinen sein Recht ; aber übertreib ' s auch nicht . Schau auf , mein Herz , es ist viel Unglück in der Welt , und kein Mensch kann eine Ringmauer dagegen um sich ziehen . Setze dich her , wir wollen ein Stündchen zusammen verplaudern , du arme Kleine . Sieh , da hab ich dir auch einen Strauß Frühlingsblumen mitgebracht . Stell ihn auf deinen Nähtisch in ein Glas mit Wasser . Wenn du wieder mit dem törichten Papa allein bist , so mag das hübsche Ding dich an die weite Welt erinnern , die so bunt und glänzend , so frei und unermeßlich weit um jeden Schmerz her liegt . Du wirst auch noch dein Teilchen davon haben ; warte nur - auch die schwärzeste Wolke zieht vorüber ; wie Meister Ulex sagt : post Phoebila nubus , oder wie es sonst heißen mag . Weißt du , von wem ich diese Blumen habe ? « Helene schüttelte den Kopf und sah das Freifräulein betrübt lächelnd an . » Ein junger Ritter , der gestern einen gefährlichen Waffengang gut bestanden hat , gab sie mir . Du kennst den jungen Mann auch . Nun , wer mag es sein ? « » Etwa Herr Wolf , des Herrn Ulex Schüler ? « fragte Helene leise , ganz leise und errötete nicht wenig dabei . » Richtig geraten . Wie schlau wir sind ! Der Junge begegnete mir , als ich hierherkam ; er trug die Nase hoch zum Himmel emporgerichtet und wurde wacker gepufft und geknufft von den Leuten , welche vernünftiger waren als er und welche gradeaus auf ihren Weg sahen . Er war bestaubt und erhitzt von einem weiten Weg durch die Felder und Wiesen vor der Stadt . Er mußte nach seiner Beschreibung meilenweit gelaufen sein - Gott segne ihm seine gesunden Beine ! - , um die Aufregung aus dem Blute loszuwerden . Er hat nämlich gestern ein Examen - sein Maturitätsexamen bestanden , und zwar sehr gut ; der alte Ulex - « » Ah « , rief Helene kindlich treuherzig mit glänzendem Gesicht . » Da freue ich mich ! O wie ich mich darüber freue ! « » Das dachte ich mir wohl « , lächelte das alte Fräulein . » Ich freue mich auch ; und der junge Mann schien ebenfalls höchst vergnügt darüber zu sein . Er behauptete , vor diesem Examen eine entsetzliche Angst gehabt zu haben ; aber nun sei alles in bester Ordnung , und er habe nicht die mindeste Angst mehr . Der Meister Ulex hat ihn nun aus seiner scharfen Zucht entlassen ; auch Fiebiger reibt sich die Hände , der junge Taugenichts aber benutzt seine wiedergewonnene Freiheit dazu , in den Feldern umherzustreifen und Blumen zu pflücken oder in den Gassen ältliche Damen zu erschrecken durch plötzliches Anspringen gegen dieselben