sie noch vorher verzagt und verzweifelnd gewesen war , hatte sie , von Stephan und Elisabeth auf diesen Abend vertröstet , an die Möglichkeit gedacht , daß es ihm oder ihr selbst gelingen werde sich heute dem König zu nähern und um seine Fürsprache bei den erbitterten Vätern nachzusuchen . Und wie in dieser schien sie sich in jeder Hoffnung getäuscht zu haben , denn auch Stephan hatte sich noch nicht zu ihr gefunden , und so oft sie auch eine Sarazenenmaske sah oder zu sehen glaubte - wenn sie selbst sich ihr näherte , erkannte sie immer , daß es nicht Stephen war . Da trug sie nun selbst den prachtvollen Anzug einer Sultanin , den er ihr gesendet , und je mehr der Glanz desselben die Blicke Anderer auf sich zog , und je länger Stephan säumte sich ihr bemerkbar zu machen , die er doch auf den ersten Blick hätte kennen müssen , je bänger ward ihr in dem sie umdrängenden Gewühl . Aber noch größer ward ihre Bestürzung , als sie einen riesengroßen Bären , der bald auf allen Vieren lief , bald auf den Hinterpfoten ging und allerlei Purzelbäume machte , immer hinter sich herkommen sah . Sie mochte sich wenden , wie sie wollte , sie konnte dem Ungethüm nicht entgehen - es drängte sie immer näher an die Schranken der fürstlichen Zuschauer . Wußte Ursula auch recht gut , daß im Bären auch nur ein Mensch steckte , so ward ihr diese Zudringlichkeit dadurch beinah ' um so lästiger - in diesem Augenblick hätte sie nichts dagegen gehabt , wenn ein wirkliches Ungeheuer sie zerrissen hätte , so entmuthigt und trostlos fühlte sie sich ; daß sie aber ein Mensch so absichtlich , wie es schien , zur Zielscheibe seiner widerwärtigen Grimassen und damit des allgemeinen Gelächters machen konnte - das empörte sie noch vielmehr . Und nun kam auch von der andern Seite ein Löwe und bedrängte sie nicht minder . Da stand sie jetzt gerade mitten zwischen den beiden Bestien , ganz nahe vor der kaiserlichen Tribune . Außer der Maske verhüllte noch ein mit Silber durchwebter Schleier , der an einen Turban von weißer Seide und silbernen Verzierungen befestigt war , ihr Gesicht und Hals . Sie trug ein weißes mit Silber gesticktes Seidenkleid , das weite weiße Atlasbeinkleider und gelbe Stiefelchen sehen ließ , darüber eine Tunika von rosa Sammet mit silbernen Fransen und Tressen , ringsum mit Perlen gestickt , die auch in dichten Schnüren um Arme , Hals und Taille sich wandten . So stand sie zwischen den Ungeheuern , die den Raum um sie fast freigemacht und so auch längst von Elisabeth verdrängt hatten , an deren Seite sie vorher immer versucht hatte zu bleiben . Aber obwohl nicht inmitten des Saales wie Ursula und minder beobachtet , war doch Elisabeth in keiner besseren Situation . Durch Konrad Celtes und ihre eigenen Studien mit der Liebhaberei für das Klassische und Antike erfüllt , dem eben damals die Humanisten die Bahn brachen und das sich auch bereits in die deutsche Kunst einzuschleichen begann , hatte sie ein griechisches Kostüm gewählt . Ein in der Taille durch einen goldenen Gürtel und an den Achseln auch von Juwelen und Gold blitzende Agraffen zusammengehaltenes weißes Atlasgewand umfloß sie bis auf die in purpurne Sandalen gekleideten Füße in malerisch nach ihren schönen Körperformen sich schmiegenden Falten . Darüber ein zweites Purpurgewand mit Gold besetzt , das über die rechte Schulter getragen die linke frei ließ und dafür unter dem Arm um die Hüfte sich breitete . Ein goldenes Diadem wand sich durch ihre Locken und im Arm hielt sie eine mit Blumen umwundene Lyra . Eine als Sterndeuter in einen schwarzen Talar mit in Silber darauf gestickten Sternen und Himmelszeichen gekleidete männliche Maske hatte sie zum Tanz aufgefordert und eine Zeitlang stumm im Reigen geführt , dann aber sie einmal so heftig an sich gedrückt , daß sie nur mit Mühe einen Aufschrei zurückhielt . Anfangs sprach der Unbekannte nicht ; jetzt flüsterte er ihr leise zu : » Elisabeth , erkennt Ihr mich wirklich nicht ? Ich muß es schließen , weil Ihr nicht gleich wieder um Hülfe riefet und mich überfallen und wegweisen ließet , weil es Euch jetzt besser gefällt , statt die Huldigungen eines tapfern Ritters anzunehmen , Euer Herz zwischen einen König , einen fahrenden Poeten und einen rohen Steinmetzgesellen zu theilen und das eheliche Treue gegen Euren ehrsamen Herrn Gemahl zu nennen . « Elisabeth erkannte Eberhard von Streitberg - sie strebte sich von ihm loszumachen , und sah sich nach allen Seiten um , wie ihr das gelingen könne , ohne Aufsehen zu erregen , und ob sie nicht eine bekannte Maske sehe . Wohl gewahrte sie nicht gar weit von sich Konrad Celtes , der auch ein griechisches Kostüm trug und mit dem sie vorhin schon getanzt , aber nur wenig Worte gewechselt hatte , da sie seit seiner Rückkehr eine ernste Zurückhaltung gegen ihn beobachtet ! aber ihn wollte sie am wenigsten zu ihrem Schutz herbeirufen - er sollte am wenigsten die Beschimpfung erfahren , die Streitberg einst der vertrauenden stolzen Jungfrau angethan , noch wollte sie diesem dadurch eine Bestätigung seiner eben ausgesprochenen Anklage geben , die ihr Blut fast erstarren machte . Sie wußte bereits , daß Streitberg wieder in Nürnberg war - Willibald Pirkheimer hatte Ulrich ' s Auftrag erfüllt und mit welch ' feiner Gewandtheit er es auch that , die schon den künftigen Staatsmann zeigte - er hatte dabei doch auch erzählt , daß er die Baubrüder auf dem Weg zum Kloster gesprochen , und die sinnige Elisabeth hatte den Zusammenhang geahnt . Sie war auf ihrer Hut , und darum auch heute zum ersten Mal zu einer öffentlichen Lustbarkeit gegangen , und zwar mit dem festen Entschluß , sich durch nichts dem Maskengewühl entlocken zu lassen , um jede ihr Gefahr bringende Annäherung Streitberg ' s zu verhindern . Auch wechselte sie ihren Anzug mehrmals ,