zum Morgen in Athem halten ! « » Wollt Ihr ein Trinkgeld verdienen , Mann ? « » Warum das nicht , Herr , der Magistrat bezahlt ohnehin knapp und hier hat Jedermann seinen Hausschlüssel . « » So seht nach , ob in jener Kneipe sich eine Frau Müllendorfer befindet aus der .... straße , und bittet sie , einen Augenblick heraus zu kommen . Ich weiß , sie geht häufig hierher . « » Ach , die Engelmacherin ? versteht sich , ist die drinnen . Die ist Stammgast . « » Wie nennt Ihr sie ? « » Nun , die Engelmacherin , Herr . In ' s Gesicht mag ich sie freilich nicht so heißen , denn das Weibsstück hat eine gottvergessene Zunge , aber das ganze Viertel kennt sie unter dem Namen und der Himmel weiß es , ich glaube , sie verdient ihn . Die Charité da drüben liefert im Vergleich nicht so viel Leichen zum Gottesacker , als die Müllendorfer ; aber die Kinderhecke bei ihr wird nicht leer . « Der Major schauderte und winkte stillschweigend den Wächter hinunter . Dieser ging und als bald darauf der Tanz aufhörte , öffnete sich die Kellerthür und ein großes Frauenzimmer keuchte die Stufen herauf und schaute sich mit einigen lästerlichen Redensarten um , wer sie um diese Zeit wohl in ihrem Vergnügen störe . Es war , wie erwähnt , eine Frau von großer , ziemlich robuster Statur und wohlgenährt , etwa vierzig Jahre alt . Sie war mit einem grünen Merinokleide und darüber kreuzweis gebunden einem alten gelbseidenen Shawl , bekleidet , auf dem Kopfe trug sie stark in Unordnung und schief sitzend eine Tüllhaube mit hochrothem fliegendem Bande , doch hing das Haar unordentlich darunter her , überhaupt hatte der ganze Anzug ein wüstes zerzaustes Ansehen . Dieser Charakter sprach sich auch in dem Gesicht des Weibes aus , das gemein und sinnlich vom Tanz und starken Getränken erhitzt , eine fast kupferne Farbe zeigte . » Tausend Schwerenoth , wat is denn des für ene Jeschichte , des man nich e Mal in der Nacht sein Bisken Vergnügen haben kann , « sagte das Weib in niederm Dialekt , sich von der Stirn den Schweiß trocknend , » schreien die verfl ..... Beesters schon wieder , daß die Nachbarschaft rebellersch wird ! - Na wart ' t , ich will sie ... « Die ernste Stimme des Majors unterbrach ihr widriges Keifen . » Ich wollte Sie auf einen Augenblick sprechen , Frau Müllendorfer . Es ist eine Dame bei mir , die Ihr Pflegekind zu sehen wünscht , und wir haben nur spät am Abend Zeit , darum ließ ich Sie von dem Ort herausrufen , wo Sie mir selbst sagten , daß ich Sie in solchen Fällen finden würde . « Das Weib erkannte den Redner schnell und änderte im Nu ihr Benehmen zu einer kriechenden Freundlichkeit , die um so widriger war , als sie dazwischen nicht ganz den Rausch zu verbergen vermochte , der sie bereite halb erfaßt hatte . » Ach , der gnädige Herr , « sagte sie mit einem tiefen Knix . » Bitte recht sehr , ick stehe gleich zu Diensten . Glauben Sie ja nicht , daß ick den lieben Engel drum vernachlässigt hätte , i Gott bewahre , der liegt gut eingepackt in seiner Wiege ganz aparte von den andern . Sie wissen , gnädiger Herr , unsereins muß doch auch manchmal en Vergnügen haben , wenn man so kümmerlich sich durch die Welt schlägt , und die lange Guste , meine Nichte , hält heute Hochzeit , das S ..... hat richtig noch Eenen erwischt . « So schwatzend , lief sie mit manchem Fehltritt neben dem Herrn her bis zu ihrer Wohnung , wo der Major die zitternde Geliebte aus ihrem Versteck holte und an seinen Arm nahm . » Vorsicht , Marie , ich bitte Dich und halte Dein Gesicht verhüllt . Du trägst doch den Schleier unter dem Capuchon ? « Sie preßte , in Aufregung zitternd , bejahend seinen Arm . » Gleich , gnädige Frau , gleich sollen Sie das allerliebste Krabbelchen sehen . Kommen Sie nur mich nach , ich will gleich Licht machen . « Die Frau hatte die Hausthür aufgeschlossen und zog das Paar in den dunklen Flur , von wo ein zweiter Eingang zu ihrer Kellerwohnung hinunterging . Nach einigem Umhertappen und mehreren halbleisen , zwischen den höflichen Redensarten gemurmelten Verwünschungen gelang es ihr , Licht zu machen . Der Major und die junge Dame befanden sich in einem Keller , dessen vorderer Raum zum Grünzeug- und Gemüse-Laden diente . Fässer , Bütten und Körbe standen in wüster Unordnung umher , im Hintergrund einige zerbrochene Möbeln und ein großer Waschkorb , aus dem jenes Husten und Wimmern herkam . Die Dame wollte unwillkürlich dahin , doch das Weib trat ihr mit der angezündeten Oellampe in den Weg . » Oh , nich dahin , gnädiges Madamken , das ist nur en armer Balg , die Mutter ist en Dienstmädken , die sich gleich wieder vermiethen mußte . Es hat en Bisken die Masern , und wenn des kleene Jeschöpf druf geht , na lieber Gott , es is ooch keen so großes Unglücke . Ick kriege bloß anderthalb Dhaler für den Wurm alle Monate und da is freilich nich viel zu machen . « » Mein Kind ! mein Kind ! « » Sein Sie ganz ruhig , Gnädige , darum hab ' ick eben das Wurm hier abgesperrt , daß er nur die andern nich ansticht . Kommen Sie hier herein - stoßen Sie nich ! « Sie öffnete eine Seitenthür , die zu einer niedrigen , aber ziemlich geräumigen Kellerstube führte , ganz im Geschmack dieser Klasse aufgeputzt . An der gegenüber liegenden Wand stand ein großes breites Himmelbett , in dem ein etwa eilfjähriges Mädchen schlafend lag , die Tochter der Frau . Rechts zwischen den Fenstern die