gewandelt , nicht verzehrt sondern verklärt davon geworden ist , und endlich wie von einem andern Gestirn , und aus einem andern Licht auf uns herabschaut : so war sie . » Fidelis ! « sagte sie und immer wieder und wieder : » Fidelis ! « - und mit ihrem zarten Finger durch das Gitter schlüpfend berührte sie segnend meine Stirn , und zärtlich meine Wange , mein Haar ; und dann faltete sie ihre Hände , die aus den dunkelbraunen weiten Aermeln ihres Ordenskleides weiß heilig und rein wie Taubenflügel hervor leuchteten und sagte : » In Deine Hände , o Herr ! befehl ' ich ihn . « O Sibylle ! ganz unirdisch sah sie dazu aus ! solche Augen hat man nicht in der Welt ! solche Augen sind der Spiegel einer höheren - und höhere Gestalten wandeln stralend an ihnen vorüber , und ihr Wiederschein wirft noch eine Verklärung auf uns herab . Und diese Stirn ! sie mußte Kronen getragen haben , um durch die Wolken von Schmerz und den Schleier der Entsagung hindurch noch in solcher Majestät zu stralen . Ganz bewildert von extatischer Liebe rief ich : » O Mutter wer bist Du ? wo kommst Du her ? bist Du eine Heilige oder eine Königin ? « - - » Ich bin eine große Sünderin , sagte sie mit gelassener heiliger Demuth ; allein ich vertraue Dem , der in die Welt gekommen ist um die Sünder zu erretten und nicht die Gerechten - zu Dem ich flehe Tag und Nacht in heißen Gebeten , daß er eine Leuchte sei auf Deinem Pfade , Dich zu sich ziehe in Israels ewige Hütten , und die Versuchung und den Fall von Dir abwende .... in die ich gestürzt bin . Ich lebe für dies Gebet und für dessen Erfüllung . « Ich verstand sie nicht recht ; allein ich hörte nichts als Musik , und mein Herz pochte vor Freuden daß sie für mich bete . » O meine Mutter ! sagte ich , Dein Gebet ist wie der Schild des Erzengels über mir : er beschirmt mich in allen Gefahren der Welt . « » Thörichtes Kind ! erwiderte sie , Du weißt nicht , was Du sprichst ! Du hast noch keine Vorstellung von den Gefahren , welche Dir drohen , grade Dir , mit Deiner .... ach , mit meiner Seele ! - und vor denen es keine Rettung giebt als Flucht - Flucht zu den Altären des Heils . Wende Dich zu ihnen , Fidelis , und ab von der Welt ! tritt in den Dienst der heiligen Kirche , weihe Dich den göttlichen Dingen und bringe Deine Seele dar im ununterbrochenen Opfer . « » Ich will auch meine Seele im Opfer darbringen , rief ich , sie soll nicht verloren gehen ! glaube mir , meine Mutter ! aber ich muß frei bleiben ! ich kann nicht studiren , kann nicht lernen und nicht lehren - ich mögte lieber sterben , als Priester werden . « » Thörichtes Kind ! « wiederholte sie kopfschüttelnd . » Ja ! rief ich in einem Paroxismus von Todesangst ; ich werde sterben wenn man mich gegen meinen Willen zum Priesterstande zwingt . Ich will in die Welt .... in die schöne freie weite herrliche Gotteswelt ! ich will mir mein Brot verdienen ! ich will so brav , so rechtschaffen , so fromm werden , daß Dein Herz , meine Mutter , keine Sorge um mich haben soll .... aber Priester kann ich nicht werden ! ich kann nicht ! ich kann nicht ! « » Niemand zwingt Dich zu Deinem Heil , Fidelis ! entgegnete sie resignirt und melancholisch . Du bist noch nicht reif zur Erkenntniß dessen was dem Menschen Noth thut : da wünschte ich daß Gott durch meine schwache Stimme Dich derselben entgegen führte . Aber Du willst sie nicht hören .... vielleicht kannst Du sie nicht hören .... Du bist noch so sehr jung ! - - Wir wollen warten , Fidelis ! die Gnade kommt zuweilen in einer Nacht , und ich bete daß Du derselben mögest würdig befunden werden . Der Herr sei mit Dir ! « fügte sie mit unaussprechlicher Zärtlichkeit in Blick und Ton hinzu , berührte wieder meine Stirn und verschwand hinter dem zusammenrauschenden Vorhang . Ich blieb noch eine Zeitlang allein in einem Mittelzustand von Betäubung und Berauschung ; dann erschien Pater Melchior , dem ich den Schluß meines Gesprächs mittheilte , welchen er seinerseits bestätigte ; - und noch am Abend desselben Tages saßen wir wieder auf dem Postwagen von Aussig . Ich - selig ! denn ich hatte meine Mutter gefunden und meine Unabhängigkeit gerettet . Schöner denn je kam mir die Erde vor , namenlos herrlich Prag , das mir aus lauter Kirchen und Palästen zu bestehen schien und das ich zu meinem Leid so schnell verlassen mußte . Und dies war doch nur Prag ! wie mußte erst Wien sein , unsre Kaiserstadt , wo Beethoven lebte ! oder gar London , wo Händel gelebt hatte und wo er sein Grabmal in der Westminster-Kirche zwischen Englands größesten und höchsten Männern hatte - er , ein deutscher Musiker ! - Tausend phantastische Bilder liefen mir durch den Kopf , und nur ein Gedanke stand unwandelbar fest in ihm : ich wollte tüchtig und groß werden ! meine Mutter sollte nicht umsonst für mich beten ! - - Mit rührender Liebe empfingen mich meine Pflegeltern , hörten meine Erzählung und den Ausspruch Pater Melchiors : » Wir warten auf die Vocation . « » Da wird gewartet bis in die Ewigkeit ! « flüsterte ich ins Ohr der Pflegemutter und zog sie hinaus um sie mit Fragen über meine Mutter zu bestürmen - zwischen denen mir denn auch einfiel , daß ich gleichfalls einen Vater haben müsse , und wer und was und wo der sei ? Auf die ersten Fragen entgegnete meine Pflegemutter nur Liebes