halten : » Heilige Mutter Gottes - « » Die sah es auch und lächelte . Sie war es , die Dich geweckt . Ich allein , Agnes , o wer hätte mein Gebet gehört ! Die heiligen Schutzpatrone , die den andern sündigen Menschen helfen , wandten mir den Rücken . Da hätte ich gelegen , bis mein Blut erstarrt war , bis die Wölfe - ich wäre ja ohne Heiligung , ohne Erkenntniß aus der Nacht hinübergegangen in die Ewigkeit . Die Liebe nur that es , die nicht gerechnet und nicht gefragt . Du schwebtest , ein Engel mit dem Palmenzweig , durch den Spuk . Du winktest , da betete ich zuerst , da wichen die häßlichen Bilder , Du reichtest mir die Hand , da löste es sich , athmete ich wieder , da hob ich mich auf , da - « Er hörte wieder nicht , was sie in ihrer Herzensangst sprach , daß er nicht lästern solle , daß die Heiligen allein den Hans Jürgen und den Ruprecht durch die Wildniß zu ihm geleitet , daß er gesund werden würde , wenn - . Seine Pulse schlugen so laut , seine Stirn brannte . » Der Wagen steht angespannt . Ich hör die Rosse stampfen , « flüsterte sie , » Hans Jürgen wartet auch . « » Worauf ? « fuhr der Fieberkranke auf . » Daß der Blitz Niederschlag in die trockene Wüste ? O Agnes , ich allein kann ' s nicht , Du mußt mir helfen . « » Ich nicht , lieber Hans Jochem , bete zur Jungfrau Maria . Die wird Dir helfen . « » Mir ! Mir ist geholfen . Ich trank aus dem vollen Becher der Gnade . Aber die Andern , die noch dürsten , für die laß ' uns beten , für die Armen im Sande , und sie wissen nicht , was ihnen fehlt ; denke doch , sie Alle denken nichts ! Hans Jürgen nicht der Vater nicht - die Mutter nicht ! In das Leben hinein , wie der Maulwurf - Und sie fühlen nicht den Durst , das ist das Entsetzlichste ! « » Der Herr wird ihnen schon zu trinken geben . « » Wo ist der , der an den Fels schlägt ! - Ich stand auf dem Felsen , Agnes , « sprach er leise , sie mit krampfhaftem Druck an sich ziehend . » Du mußt mich nicht verrathen . Ich sah hinter mich in die Wüstenei . Ach , das sah gräßlich aus . Die schaukelten sich wie die Halme im Winde ; die krochen hin und her , wie die Ameisen ; die wirbelten und tanzten wie die Wassermücken im Sonnenstrahl . Alle wie die Thiere , die nach der Atzung wittern , den Kopf zur Erde und Keiner , Keiner die Augen nach der Sonne . « Das arme Mädchen und der Fieberkranke allein ! Sie drückte ihm sanft seinen aufgerichteten Leib an die Kissen . Seine Hände glühten nicht so als sein Auge . » Wir wollen für sie beten , Hans Jochem , gleich zum lieben Gott . Die Heiligen werden es uns wohl verzeihen - « » Wir sind die Erwählten ! - Wenn wir mit einander beten , öffnet sich das Himmelsthor . « » Mutter Gottes , verzeih ihm die Sünde ! « » Die lächelt herab auf uns , daß wir - « Die Ruhe schien einen Augenblick auf sein Gesicht zurückzukehren . - » Du und ich , wir gehören zu einander und haben uns nicht gefunden . Das geht wohl so in der Wüste . Der Staub verwirrt auch die Erwählten . Nun erst , da wir hinaus sind , da ist ' s zu spät , meinst Du . Nein , Agnes ! Wenn Du im Chor zu Spandow auf den Knieen liegst , lieg ' ich auch auf den Knieen - wo - wo doch ? - O Du wirst von mir hören ! - Was von mir hören ! Du wirst deutlich hören mich beten , siehst mich knieen , die Mauern zwischen uns sinken . Wir sehen uns Beide an , wie die seligen Märtyrer auf den Bildern mit süßen Liebesblicken - « » Ach Himmels-Königin ! Hans Jochem , das ist arge Sünde - « » Sünde ! « rief er mit dem zufriedenen Lächeln eines Irren . » Uns kann sie nicht mehr berühren . Wir sind Erwählte , berufen , die Andern zu retten . - Sie schwimmen im Meer , das ist das Leere - sieh , sieh die wenigen Wasserbläschen , die sich herausringen , o Gott , das sind die Gedanken ; fischen wir - Netze hinein - eine Angel mit süßem Köder - Agnes , sieh , wie schwer ich ziehe - hilf mir - nun - nun - « Was ihr nicht gelungen , wirkte die Erschöpfung . Er sank ohnmächtig zurück . » Agnes ! « rief der Mutter Stimme . » Agnes ! « wiederholte Hans Jürgen . Sie riß sich los ; aber wandte sich wieder um , und zitternd hauchte sie einen Kuß auf die Stirn des Ohnmächtigen . » Mutter Gottes sieh es nicht ! - Mutter Gottes , verzeihe ihm und mir die Sünde ! « Achtzehntes Kapitel . Unterricht im Denken . Wenn die großen Wagenräder sich durch den tiefen Sand mühsam Bahn brachen , und Kaspar abgesprungen , und bald den Falben , bald den Schecken klopfte und Scherznamen ihnen in ' s Ohr rief , ritt Hans Jürgen neben dem Wagen , und neigte seinen Kopf zur Muhme . Schien ' s ihm doch bisweilen , wenn sie sprach , Agnes wäre um zehn Jahre gewachsen , und war doch kaum fünfzehn Jahre alt . Sie hatte anfangs viel geweint , und das war Hans Jürgen ganz recht , denn ihm war gar nicht zu Muth , daß er mit einem hätte