, wo die Götter der alten Welt ihre Heimath behalten , gestützt von dem Kultus ihrer unsterblichen Sänger , deren zauberische Stanzen aus den Sälen der Fürsten bis in die Hütten des Volkes erklangen ; das Blut , genährt von jedem Sinnenreiz , geneigt , die Anforderungen desselben auf jedem Boden zu erneuen . Denn dort in der Heimath der Kirche , welche die alten Götter verdrängte , schien nur der Name gewechselt zu sein , und in den Hallen des Vatikans , in ihren Himmel anstrebenden Domen , umschaart von Heiligen und deren bilderreichem Dienste , von dem berauschendsten Pomp aller Schätze der Erde unterstützt , unter Wonne athmenden Hymnen , in süßen Weiheduft gehüllt , suchte die christliche Kirche ein gleiches Recht über die Sinnenwelt zu erhalten , und mit ihren reichen Mitteln sich des materiellen Menschen zu bemächtigen , den Geist verflüchtigend , erstickt von den Mitteln , ihn zu verherrlichen . Katharina von Medicis war geschickt , jeden Fortschritt ihres Vaterlandes zu verbreiten , und an ihre Epoche in Frankreich hängen sich die erstaunenswerthesten Erscheinungen , die vielleicht zu voreilig mit ihrem persönlichen Einflusse bezeichnet werden , um ihr gerecht sein zu können ; da sie von der Zeit eben so fortgerissen ward , als sie der zeit den Einfluß überlassen mußte , der an ihrer Person haftete . - Wir dürfen den nicht stark nennen , der zufällig der Stärkste ist - eine Frau nicht so bezeichnen , die , von dem Vulkan eines materiellen Innern zum Sklaven gemacht , diesem eigentlich opfern mußte , ohne Wahl und ohne Plan - und wenn die schrankenlose Willkür , mit der sie die Zustände ihrer Zeit verbrauchte , auf ein Uebergewicht in ihr zu deuten scheint , so vernichtet die kleinliche Geringheit ihrer Absichten doch stets jedes Prädikat der Größe , und wir müssen einsehen , wie die Begebenheiten außer ihr daherschritten und sich bloß an sie anhingen , weil sie den Höhenpunkt einnahm , um den der Kampf kreiste . Aber dieser Standpunkt machte , daß sie die mitgeführten Schätze fremder Bildung , fremden Geistes um sich weiter verbreiten konnte , und bloß sich selbst den lang gewohnten , reich geschmückten Heimathsboden schaffend , ward sie ein Sammelpunkt neuer , glanzreicher Entwickelung für tausend ihr entgegen blühende Kräfte , die , angeregt , nicht überschattet werden konnten von dem schnöden Dienste , den ihre geringe sinnliche Natur ihnen widmete . Im Gegentheil gewinnt das Begonnene in Heinrich dem Vierten , in Sully ' s weiser Hand schon sichereren Boden ; die augenblickliche Ruhe läßt das Gesammelte schon überschauen als französisches Eigenthum . Maria von Medicis erscheint endlich in einem Augenblicke als Regentin , wo diese Anklänge bedroht sind . Die Stürme , die sie weder aufhalten , noch lenken kann , und die diese höheren Blüten zu knicken drohn , finden in ihr noch Schutz und Anregung , und sie erscheint in ihrem kleinlichen , inkonsequenten Walten , als habe sie das Schicksal bestimmt , diesen einen Punkt zu hegen , bis ihr Alles abgenommen würde , um in die große Hand Richelieu ' s über zu gehen , der zuerst zu gesammter Handhabung sich kräftig zeigte . In wie fern Richelieu sich des Planes , eine unbeschränkte Monarchie zu stiften , bewußt war , der seiner klugen Regierung jetzt nothwendig untergelegt werden muß , möchte eben so schwer , als erfolglos zu ergründen sein . Indem sein stolzer und befähigter Geist ihn an der Seite Ludwigs des Dreizehnten zum wirklichen Regenten Frankreichs machte , mußten die nothwendigen Anforderungen dieses Karakters ihm die Unterdrückung der übermüthigen Großen des Landes , welche immer ein Familien-Oberhaupt an ihre Spitze lockten , um dahinter ihre anarchischen Absichten zu verbergen , zu einer fast persönlichen Befriedigung machen , wenn nicht zugleich anzunehmen wäre , daß sein großes Genie , sein heller und der Zeit voraneilender Geist in dieser Unterdrückung das Mittel erkannt habe , Frankreich zu bürgerlicher Ruhe und den König zum absolutesten Herrschen zu führen . Unbezweifelt hat das Getriebe , das er mit starker Hand zu lenken wußte , die ersten sicheren Resultate erzielt , und Ludwig der Eilfte , der den Kampf mit der Anarchie und mit dem aristokratischen Uebermuthe seiner großen Vasallen so rastlos verfolgte , würde mit Neid auf die Ernte dieses großen Staatsmannes geblickt haben , der die Erfüllung der Idee erlebte , der er mit allen seinen Bestrebungen nachjagte , ohne die Zustände bewältigen zu können . Dessen ungeachtet erschreckten noch die Waffenklänge des Bürgerkrieges die Knabenjahre Ludwigs des Vierzehnten - bei erwachendem Bewußtsein mußten er und seine Mutter vor den Erfolgen der Fronde flüchten , und zu dieser Schmach noch jeden Mangel hinzugefügt sehen , den der schnelle Aufbruch des Hofes mehr als ein Mal veranlaßte . Aber schon war so viel anderweitiges Interesse im Volke erweckt , daß es den dämonischen Anforderungen eines Bürgerkrieges nur ungern Gehör gab , ihn nicht mehr zu seinen gewinnreichen Erwerben zählte , sondern darin eine lästige Störung seines heranblühenden Wohlstandes sah , und daher den Adel nur lau unterstützte , der , hierdurch geschwächt , den klugen Machinationen Mazarin ' s nachgeben mußte , und endlich den Frieden herbeiführte , der zuerst nach so langen Stürmen das erschöpfte Land erquickte . Diese Ruhe , die ein wirkliches Bedürfniß war , und die nicht durch Traktate , Geißeln und das Recht des Stärkeren erhalten ward , sondern sich schützte durch dieselben Mittel , die das Bedürfniß hatten entstehen lassen - sie mußte nothwendig das Gesammtleben Frankreichs zum Bewußtsein und zur Anschauung erheben , und den Bildungspunkt namhaft bezeichnen , der damit hervortrat . Ludwig der Vierzehnte war der vollkommenste Repräsentant dieser Periode ; er war das nothwendige Erzeugniß derselben und so innig mit ihr verbunden , daß jeder Franzose ihn als sein Banner erkennen mußte - als die lebendig gewordene Idee einer Entwickelung , der sich jedes Bewußtsein entgegen drängte . Es kann daher von diesem Standpunkte aus , weder von seinen Tugenden , noch von