sie wolle , wie der Titel sage , daß sie aber nicht verkennen solle , wie sehr nächst ihrem Sohne alle Verwandte , Freunde , Bekannte und Untertanen sie liebten und verehrten . Nun trat im Schmuck seiner Rolle Elsheim vor , nebst der Tante , Charlotte , Albertine und Dorothea , und von der Musik begleitet sangen sie ein glückwünschendes Chor , bei dessen Schluß sie sich alle gegen die Baronesse verneigten . Die alte Frau war von dieser Aufmerksamkeit ebenso gerührt als erfreut . Hierauf zogen sich die Schauspieler zurück , und die Tante trat unten zur Tür des Saales herein , um ihren Sessel neben der Baronesse als Zuschauerin einzunehmen . Sodann führten die Musiker oben auf dem Balcon unter der Direktion des fremden Virtuosen die Ouvertüre zu Belmont und Constanze vortrefflich aus . Auch dies rührte die Mutter , daß der Sohn ihr Lieblingswerk zur Einleitung spielen ließ . Als die Symphonie zu Ende war , trat unten Elsheim auf , von Pagen begleitet , denen einige Musiker folgten . Auf verschiedenen Blase-Instrumenten trugen diese zart und lieblich die Introduktion zu der Arie des Belmont vor : » Hier werd ich sie nun sehen . « Diese Melodie phantasierte süß und sehnsüchtig eine geraume Zeit , wurde auf den Wunsch des Herzogs noch einmal wiederholt und dann plötzlich von seiner Ungeduld unterbrochen . In den kurzen Pausen der Musik war es von sehr guter Wirkung , daß oben ein Waldhorn der unten gespielten Melodie wie ein Echo antwortete . Als der Herzog mit seinem Gefolge abgegangen war , zog sich der rote Vorhang unten von der kleineren Bühne zurück , und man erblickte drinnen im beschränkten Rahmen ein Bild , das eine Aussicht auf Feld und See gab , klar und täuschend von Lampen erleuchtet , die seitwärts und unsichtbar in der Tiefe angebracht waren . Aus dieser inneren Bühne trat nun Viola mit dem Capitain des Schiffes die drei Stufen hinunter und sprach vom Lande , wo sie sich befanden ; die Art , wie sie nach dem jungen Fürsten fragte , von dem sie schon im voraus wußte , daß er noch unvermählt sei , ließ es merken , daß sie irgendeinen Plan auf ihn und seine Geliebte habe . Wie sie abgehen , zieht sich der Vorhang der kleineren Bühne wieder zu , und in irgendeinem Zimmer oder Saal treffen Tobias und die kleine Maria zusammen ; Andreas Fieberwange tritt zu ihnen , und die erste der komischen Szenen entwickelt sich . Daß Dorothea dieses schnippische und witzige Mädchen gut spielen würde , hatten alle erwartet ; aber die Mitspieler auf der Bühne und am meisten Elsheim erstaunten , mit welcher Haltung und sicherm Humor Mannlich und Graf Bitterfeld ihre komischen Charaktere anlegten und auszuführen verhießen . Wenn Andreas fragt : Was ist pourquoi ? so bedeutet das nicht , daß er ganz unwissend sei , denn er spricht späterhin einige Worte französisch ganz richtig , sondern er will nur sagen : Was meint ihr , weshalb sagt ihr jetzt noch pourquoi ? Alles dies wurde so herzlich albern und mit so süßer , bescheidener Anmaßung gespielt und gesprochen , daß sich Eslheim gestehen mußte , daß er erst jetzt , so ausgeführt , diese Person und ihre Späße ganz verstehe . Nun erschien Viola , höchst reizend , in ihrer männlichen Tracht . Sie wird zur Olivia als Liebesunterhändler gesendet . Dort im Hause tritt nun die kleine Maria auf , und neckt sich mit dem Narren des Hauses . Nach der Anweisung Emmrichs war dieser in lange , dicht anschließende Pantalons von streifigem Zeuge gekleidet ; ebenso bunt war sein Wams , über welches er einen ganz kurzen dünnen Mantel trug von gelber Farbe . Eine kleine , eng anschließende Kappe bedeckte seinen Kopf , doch ohne Schellen oder andere sonst gebräuchliche Abzeichen des privilegierten Lustigmachers . Um die Schulter hing eine kleine Trommel , fast wie man sie den Kindern schenkt ; um den Hals trug er an einer Schnur eine kleine Flöte oder ein Flageolet , und indem er eintrat , rührte er die Trommel und spielte mit der andern Hand eine Melodie auf seiner Pfeife . Nun erschien nach einer kleinen Szene Malvolio mit Olivien . Emmrich zeigte seine Kunst und Übung in der Darstellung dieses hochmütigen Murrkopfs und halb wahnsinnigen , von sich selbst berauschten Haushofmeisters . Über die unbedeutenden Worte : » Kammermädchen , das Fräulein ruft « , mit denen er abgeht , erhob sich ein lautes und allgemeines Gelächter , so komisch charakteristisch wußte er jedes , auch das Unscheinbare , vorzutragen . Viola , als naseweiser , übermütiger Page , bezauberte alle , und es erschien natürlich , daß sich Olivia in diese frische Keckheit , die mit so leuchtender Grazie umgossen war , vergaffen durfte . - Es machte sich gut , daß unmittelbar nach ihr Sebastian in ganz ähnlichen Kleidern auftrat , denn da keine Verwandlungen nötig waren , wurde das Stück in einem Zuge ohne Unterbrechung gespielt . Der junge Cadet war der verkleideten Schwester in Gesicht , Wuchs , Betragen und Stimme so ähnlich , daß eine Verwechselung beider gar nicht unnatürlich erschien . Man hatte wieder die innere Bühne geöffnet , und die frühere Aussicht auf Feld und Meer zeigte sich von neuem . Die kleine Zwischenszene , in welcher dieser Vorhang sich wieder zuzog , diente dazu , Tische und Stühle während des Gespräches hinter diesen zu stellen , und auf diese Sessel setzten sich Tobias und Andreas sogleich , indem sie die drei Stufen hinaufstiegen , und waren nun mit dem Narren , der zu ihnen trat , wie in einem behaglichen Zimmer . Diese Hauptszene der tobenden Verwirrung wurde mit außerdordentlichem Humor durchgeführt . Das tolle Lied , welches der Narr singt , hatte der Virtuos für die schöne Stimme des Verwalters gesetzt , und es machte wieder einen guten Effekt , wenn in den Pausen zwei Waldhörner oben auf dem Balcon die Melodie wie