Tat eine sehr unbequeme Gefangenschaft . Noch zur rechten Zeit vernahm Hermann , daß jene Gutsbesitzer , die es nicht verschmerzen konnten , uneingeladen geblieben zu sein , einen satirischen Streich auszuführen beabsichtigten , und zu dem Ende in der Stadt , wie in einem Feldlager , zahlreich versammelt wären . Er hielt sogleich mit Wilhelmi und dem Arzte einen Kriegsrat , in welchem anfangs mehrere ideelle und geistige Gegenoperationen zum Vorschlag kamen . Zuletzt aber sah man ein , daß hier die körperlichste Abwehr wohl die beste sein dürfte . Man beschloß daher , auf allen Straßen , die zum Turnierplatz führten , tüchtige Schlagbäume errichten zu lassen , und deren Bewachung sichern Männern mit gemeßner Unterweisung anzuvertraun . Eine augenblickliche Verlegenheit hatte sich erhoben , als Hermann die Liste der Eingeladnen durchging , und deren Zahl mit der Größe der Tribünen verglich , von denen die Standespersonen dem Feste zusehn sollten . Es zeigte sich , daß sie viel zu groß angelegt worden waren ; kamen auch alle Gäste , kaum ein Dritteil der Sitze konnten sie anfüllen . Der Gedanke , das Caroussel vor leeren Polstern stattfinden zu lassen , war nun gar zu unerträglich , man bestimmte sich daher zu einer freilich verzweifelten Auskunft . Die Herzogin sandte nämlich , nachdem vergeblich alle übrigen Mittel und Wege erwogen worden waren , in größter Eile nachträgliche Einladungen an sämtliche Honoratioren des Städtchens , deren Ehehälften und Töchter ab , um durch ihre Gegenwart die dünnen Reihen des Adels zu verstärken . Aber auch dies würde noch nicht genug verschlagen haben , wenn nicht glücklicherweise ein Regiment , welches sich auf dem Marsche befand , in der Stadt eingerückt wäre , um dort auf einige Tage haltzumachen . Kaum wurde bei demselben die Mär von dem Feste ruchtbar , als das ganze Offizierskorps , den Chef an der Spitze , sich auf den Weg machte , und der Herzogin Visite abstattete , worauf es denn auch in corpore seine Einladung empfing . Nun senkte sich die Nacht zur Erde nieder , aber im Schlosse und um dasselbe blieben gewiß gegen hundert Menschen wach . Die Köche sotten und brieten an ihren Feuern , die Tafeldecker ordneten die Speisetische , die Bedienten rannten mit dem Silberzeuge treppauf und treppab , der Haushofmeister bereitete die Dislokation der Gäste vor , und schrieb Nummern an alle Stubentüren . Bei Laternenschein behingen die Tapezierer die Brüstungen der Tribünen mit Teppichen , und vollendeten den Aufputz der Pavillone , in welchen die Kavaliere vor dem Beginne des Festspiels verweilen sollten . Von weitem klang das Hämmern der Zimmerleute , welche die Schlagbäume fertigten , wodurch man die Feier des Tages vor roher Unbill zu schützen gedachte . Auch die fürstlichen Personen genossen wenig Ruhe , insbesondre tat die Herzogin kein Auge zu . Hermann war bei seinem Oheim , der noch vor Abend angekommen , und in der Stadt abgetreten war . Den Inhalt ihrer Gespräche und die denkwürdigen Dinge des nächsten Tages werden wir in den folgenden Kapiteln berichten . Neuntes Kapitel Der Oheim fuhr erschreckt zurück , als ihm Hermann seine Verlobung ankündigte und Zustimmung begehrte . » Das geht nun und nimmer an ! « rief er . » Jetzt also verstehe ich den Brief des armen Kindes , worin sie ängstlich bittet , sie um jeden Preis zurückzunehmen . « Hermann bat vergebens um eine Erklärung dieses Versagens . » Bin ich Ihnen denn so schlimm abgeschildert , lieber Oheim ? « fragte er . » Auch Ihre Briefe waren immer so kalt , und die Tante empfing mich , wie einen Fremden . Weshalb stoßen mich meine Verwandten zurück , da ich so herzlich wünsche , mich ihrem Kreise anzuschließen ? « - » Du gehst deinen Weg , und wir gehn den unsrigen « , versetzte der Oheim . » Ich bitte Sie , entziehn Sie mir die Hoffnung auf Cornelien nicht ganz ! « rief Hermann . » Lassen Sie mich um sie dienen , prüfen Sie mich , lernen Sie mich kennen ! Diese Bitte dürften Sie auch dem Schlechtesten nicht abschlagen . « » Wir wollen vermeiden , uns zu erhitzen « , sagte der Oheim . » Cornelie ist mir von einem alten Freunde , dessen Fleiße ich einen großen Teil meines Vermögens zu danken habe , hinterlassen , sie ist meine Mündel , meine Pflegetochter , ich habe die Pflicht , für ihr Bestes zu sorgen . Ist sie volljährig , so mag sie nach Gefallen über sich entscheiden . « » Volljährig ! « sagte Hermann mit einigem Eifer . » Sie ist jetzt grade sechzehn geworden . « » Oder seid ihr einig « , fuhr der Oheim kaltblütig fort , » so tut , was euch die Gesetze erlauben . Es ist vernünftig , daß man das Glück junger Leute nicht einzig von dem Ja oder Nein der Väter und Vormünder abhängig gemacht hat , denn auch die Alten können sich irren . Klagt also gegen mich , gebt der Behörde eure Gründe an , ich werde die meinigen beibringen , wir wollen es auf den Spruch des Richters ankommen lassen , und du sollst es dann an der Ausstattung nicht merken , daß meine Einwilligung ergänzt worden ist . « Hermann verwarf mit Entrüstung diesen Vorschlag . » Niemals « , rief er , » werde ich ein Mädchen , welches ich liebe , in Zwiespalt mit ihrer Dankbarkeit versetzen ! Cornelie weiß , was sie Ihnen schuldig ist , und ich bin der Sohn Ihres Bruders . Können wir nicht in Geduld und Harren Ihre Weigerung auflösen , so wollen wir lieber unglücklich sein . « » Das ist die Jugend « , sagte der Oheim . » Ein wahres Trübsal , daß viele Menschen meinen , das Leben lasse sich auf Empfindungen , Zartsinn und Gefälligkeiten erbaun , denn aus dieser hohen Stimmung entspringen in der Regel grade die gemeinsten Folgen . Man muß mit Verstand