Ahorn und die Buche erblicken , die , sich endlich in schattige Gänge ordnend , den Weg zum Schloß , aber auch in Nebenalleen zu niederern Wohnungen zeigten . Zu beiden Seiten kamen wir an mehreren derselben vorbei ; ihre Bewohner eilten heraus , Charlotten zu bewillkommnen . Kein Geschrei , kein zudringliches Grüßen störte die Stille der Umgebung ; selbst die Kinder bückten ihre glühenden Gesichtchen nieder und blickten nur seitwärts , ob ihre Lady sie nicht übersähe . Eine Art natürliche Brücke , eine Landzunge vielmehr , führte endlich zu dem Felsen , auf welchem das Schloß Eredine lag . Ich gestehe , daß Cecilens Erzählungen und das Entzücken , mit dem Charlotte von diesem Sitz ihrer Vorfahren sprach , mir ein andres Bild von diesem Ort hatte auffassen lassen , als ich in der Wirklichkeit fand . Ein viereckiger Thurm mit einem gewölbten Eingang war alles , was von der ehemaligen Veste noch vorhanden war ; ihm schlossen sich eine Reihe neuerer Gebäude an mit steilen Dächern und Fenstern , die durch die Beleuchtung im Innern ihre gemeinen Formen sichtbar machten und von der Einrichtung der Wohnung kein günstiges Vorurtheil erweckten . Raum mußte aber darin seyn , denn wie wir anlangten , strömten wenigstens dreißig Menschen , verschiedenen Alters und Geschlechts , uns entgegen . Der ihnen allen voranschritt , hätte meine Aufmerksamkeit erregt , hätte ich ihn auch nicht an Charlottens Freudenruf für ihren Vater erkannt . Das Alter hatte weder auf seinen festen Schritt noch die erhabne Haltung seines kräftigen Körpers gewirkt , sein Auge glänzte noch , seine Wangen glühten von Leben , nur die Silberlocken , welche unter seiner Mütze herabhingen , verriethen , daß er weit über die Jahre der Jugend hinausgerückt sey . Seine Kleidung zeichnete sich nur durch die Länge und Schönheit der Federn seiner Kopfbedeckung aus , übrigens trug er den scharlachrothen und blauen Tartan seines Clans . Er begrüßte mich mit einem Kuß , erst auf die eine , dann auf die andre Wange , zum Willkommen in Eredine , eben so ungezwungen und fast so herzlich , wie er seinen Liebling Charlotte begrüßt hatte ; dann gab er einer jeden von uns einen Arm und führte uns in seine Behausung ein . Das Zimmer , wo wir eintraten , war ein großes getäfeltes Gemach , mit tiefen Fensterplätzen und mit Wandschränken versehen ; ein Camin , so groß , daß er ein kleines Zimmerchen hätte vorstellen können , verbreitete jedoch durch sein flammendes Holzfeuer in diesen dunkeln Wänden eine fröhliche Helle ; noch mehr aber , wie dieses , luden die heitern , wohlwollenden Gesichter aller seiner Bewohner zu dem vertraulichsten Wohlbehagen ein . Meine Gegenwart legte so wenigen Zwang auf , ich war in Eredine so willkommen , Charlotte und alle Hausgenossen weihten mich so schnell in die freundlichen Sitten dieses Hauses ein , daß ich , bevor acht Tage vergingen , so heimisch daselbst war , als wäre ich von Kindheit an gar nichts anders gewohnt . Charlotte , die beständig bemüht war , das Gefühl , schwesterliche Rechte mit ihr gemeinsam zu haben , in mir zu erregen , bat mich , ihr Gemach , unter dem Vorwand , daß es das modigste sey , mit ihr zu theilen . » Da ich Sie in unsre Berge entführte , ists wohl billig « , sagte sie , » daß ich Sie vor Ihnen schütze ; Heinrich hat mir aber meine Zimmer so veranglisirt , daß kein wahrhaft hochländisches Gespenst den Fuß hineinsetzen mag « . Es war wirklich eine höchst angenehme Wohnung ; sie enthielt alles Geräth , zu dem uns damals der Luxus gewöhnt hatte , was aber noch besser war , eine Sammlung vortrefflicher Bücher , einen vollständigen Apparat zum Zeichnen und Malen , und einen reichen Vorrath der schönsten Wollen- und Seiden-Garne zu Stickarbeiten jeder Art. Neben unserm gemeinschaftlichen Wohn- und Schlafzimmer befand sich ein drittes kleineres Gemach , wo eigentlich die Bücher aufgestellt waren , mit einem Schreibtisch an einem Fenster , dessen Aussicht über den See reichte - dieses wies mir meine gütige Freundin als mein besondres Eigenthum an . Wie wir uns zur Nachtruhe auf unser Zimmer begaben , umfaßte mich Charlotte und sagte : » Liebe Ellen , ich muß Sie um eine Vorsicht bitten , ja um eine Gunst , die mir vielen Werth hat . « - Ich antwortete , wie mein von Dankbarkeit fast zu überfülltes Herz mir gebot . - » Nun , liebe Ellen , vermeiden Sie sorgfältig , in meines Vaters Gegenwart je den Namen eines Mannes zu nennen ... eines Mannes , den wir beide kennen ... « » Herrn Maitlands Name ? « half ich ihr ein . - » Ihn ; nennen Sie ihn nie vor meinem Vater ! « - » Gewiß , nie . Meine Charlotte muß triftige Gründe haben , um gegen ihren Vater solche Vorsicht zu gebrauchen . « - » Ja sie sind triftig « , antwortete Charlotte nachdenkend . » Vielleicht werden Sie selbst sie einst dafür erkennen . Ich möchte gern kein Geheimniß vor Ihnen haben , meine Ellen , von diesem hängt aber jetzt mein ganzes Lebensglück ab . « - » Genug , Charlotte ! Ich brauche weiter nichts zu wissen . Nur das lassen Sie mich nochmals wiederholen : Herr Maitland ist mir gar nichts , gar nichts , als der beste der Menschen , der uneigennützigste Freund , ein Freund , der von aller meiner Unwürdigkeit sich nicht abschrecken ließ ... O Charlotte , wenn Ihr Vater seinen Werth kennte ... « Ich hielt inne , denn ich fühlte , wie die Lebhaftigkeit meiner Gefühle mich hinriß . Ein sanftes Lächeln spielte um Charlottens schönen Mund , als wenn eine schmeichelhafte Hoffnung sich in ihr Herz stähle ; allein meine Hand drückend , wendete sie sich , ohne die Unterredung fortzusetzen , von mir ab . In den Tagen des Elends , wenn mein Nachsinnen für