suchte nach der andern Seite zu entkommen . Er setzte ihr mit den Reisigen wie einem Hirsch nach , der ins Wasser getrieben , ein paar stürzten , endlich fing er das arme , ganz erschöpfte Mädchen und brachte sie zu einem Einsiedler , der eine Art Possenreißer ist . Da wurde getafelt und getobt , daß ein frommer Reisiger , der draußen blieb , bei dem nächtlichen Sturm jeden Augenblick meinte , der Teufel werde die ganze Gesellschaft holen . Statt des Viehes bringt uns der Graf heute das Mädchen auf das Schloß , das er nicht lassen will und das doch zu den Ihren verlangt . Zum Glück schicken ihn die Kronenwächter bald fort zum Herzog Wilhelm von Bayern , er soll da dem Schwäbischen Bunde dienen und die tollen Hörner sich ablaufen . Vielleicht läßt sich etwas erreichen und auch Ihr sollt dann dazu wirken . Der Schwäbische Bund ist auf unsrer Seite , wie wir sicher glauben , Herzog Ulrich feindet ihn an , es brechen gewiß Streitigkeiten aus , der Herzog wird verjagt , der Kaiser stirbt bald , wir beherrschen das Land , vielleicht könnt Ihr in Eurer Stadt mehr dabei wirken , als unter den Reitern , wir brauchen auch Männer von der Feder , der Hutten führt sie zu wild und unbändig . « Die Tirolerin kam jetzt aus der Küche hereingeflüchtet , Graf Konrad hinter ihr her , der ohne Aufhören schrie : » Sie hat einen Bart ! « Der Ehrenhalt trat ihm entgegen : » Nun Graf , ich dächte , Ihr hättet heute keinen Grund , so laut zu krähen , der Zug ist schlecht ausgefallen , Ihr müßt fort von hier , die Briefe sind geschrieben , Ihr sollt zum Herzog Wilhelm von Bayern , doch lernt vorher noch anständig sein im Hause des ersten Anteils . « - Graf Konrad war schnell wie verwandelt , er entschuldigte sich mit der Seltsamkeit des Bartes an einem Mädchen , das noch so jung scheine , nahm gar artige Stellungen an und fiel Frau Annen gar nicht unangenehm in die Augen . » Er gleicht dem Malerburschen Anton « fiel ihr ein , aber sie wagte es nicht auszusprechen , weil sie dem Manne nichts von der Geschichte am Morgen der Hochzeit erzählt hatte . Auch Berthold dachte umher , bis ihm die Ähnlichkeit mit Anton einfiel , während er den Grafen begrüßte . Die Tirolerin war bei Konrad gleich vergessen und Grünewald kam diesmal mit dem Schrecken davon , erkannt und vielleicht sehr hart bestraft zu werden . Graf Konrad strengte alle seine Erfindung an , um durch artige Feste den Tag zu verschönern . Er ritt mit Berthold und Anna zur Jagd , aber ein paar Gewitterschläge brachten so unglaubliche Regengüsse , daß sie in wenig Minuten ganz durchnäßt den Damm zur Heimkehr suchten . Ihr Weg führte sie an dem Felde vorbei , das zu Hohenstock gehörte , wo die Schnitter eben mit der Ernte beschäftigt gewesen , von bewaffneten Reisigen bewacht . Aber hier hatte der Himmel mit seinem Feuer gegen die Erde geschlagen , es brannte ein abgestorbner , wilder Birnbaum und der Hagel schüttete sich aus der Wolke , wie aus einem zerrissenen Säetuche über die Weizenähren . Die Jagdgesellschaft mußte von den Pferden steigen , weil diese wild wurden , die Landleute deckten ihre Kinder mit Schürzen zu , aber alles schrie jammervoll . Nur zehn Minuten mochte der Hagel geschlagen haben und die Ernte , der Lohn eines mühevollen Jahres war wie von einem Kriegsheere in den Boden gestampft und zerstreut . So lange das Wetter so währte , war Konrad gar kleinmütig , fragte wohl gar wegen des Jüngsten Tages bei Berthold nach . Aber kaum verwandelte sich der Hagel in Regen , der Regen in Sonnenstrahlen , so kannte sein Mutwillen keine Grenze . Abgefallene Kappen und Hauben der Landleute spießte er auf sein Jagdspieß , hetzte mit seinem Pferde die Kinder wie Hasen , daß endlich Berthold seine Mißbilligung nicht länger zurückhalten konnte . Konrad fuhr mit häßlichen Reden gegen ihn an , nannte ihn einen Wollkratzer und Federfuchser , was Frau Anna so beschämte , daß sie in Tränen und dann in die Worte ausbrach : » Wie dürft Ihr einen der Euren so schelten ! « - Nun hielt sich Berthold nicht länger , er sagte , daß ein bedeutendes Geheimnis verraten sei , er möchte es verschweigen und seinen Hochmut bezähmen . Aber um so ärger verhöhnte ihn Konrad , schwor darauf , er sei von den Kronenwächtern zum besten gehalten mit seiner hohen Abstammung und dafür wolle er ihn sogleich aus dem Paradies verjagen , wo er sich fälschlich eingeschlichen habe . Dabei machte er eine Bewegung , als wolle er Berthold mit entehrenden Schlägen angreifen . - Berthold , dessen unruhiges Pferd seine Aufmerksamkeit forderte , hatte diese Tücke Konrads nicht beachtet , hatte nicht bemerkt , daß Frau Anna im Zorne ihr Messer gezogen und ihrem Berthold zum Schutz vor ihm schirmend gehalten , daß jener es sich durch die Hand geschlagen und nun erst den gewaltsamen Schmerz dieser Wunde fühlte . Da war ihm aller Mut gefallen , er bat um sein Leben , er bat jammernd um Verzeihung , um Hülfe , um einen Wundarzt , er verschwor sich bei allen Teufeln , daß er immer Unglück habe . Berthold meinte erst , daß Konrad von einem Blitzstrahl getroffen sei , jetzt aber sah er das blutige Messer in ihrer Hand und erkannte es gleich als jenes , das er bei dem Schatze gefunden hatte , und die Verwunderung darüber machte ihn einen Augenblick untätig . Dann aber kam er dem schwachmütigen Konrad zu Hülfe , verband seine Wunde mit allem Fleiß und suchte ihn zu trösten , die Hitze habe sein Gemüt verwirrt , er möchte sich heimführen lassen und sich zu beruhigen suchen . Grünewald , die Tirolerin , hatte , ehe es noch so weit gekommen ,