zu entsagen . An allen Orten ist den Christen befohlen worden , ihre Tempel zu schließen , ihre Opfer einzustellen , keine Predigten zu halten , und jeder Versuch , Proselyten zu machen , wird mit dem Tode bestraft1 . So neigt sich also wenigstens für den Augenblick das Zünglein der Wage auf die Seite der alten Ordnung ; auf wie lange - wird die Zeit lehren . Indessen sind meine Freunde thätig gewesen , man hat Galerius meiner denken gemacht , und ich erwarte nun nächstens einen angemessenen Wirkungskreis zu erhalten . Ich werde ihn mit Vorsicht benützen , und über der Gegenwart nicht die Zukunft außer Acht lassen . Constantin ist ein zu glänzendes Gestirn , um sogleich nach seinem Aufgange zu verschwinden , und der Plan , das Christenthum zu unterdrücken , oder gar zu vertilgen , wird wohl ein fruchtloser Versuch bleiben . Indessen , so lange man sein Glück mit Verfolgen machen kann , verfolge man , doch immer mit gehöriger Klugheit und Feinheit , um den Uebergang zum Gegentheil nicht unmöglich zu machen . Nie wird ohnedies ein verständiger Mann das rechte Maaß überschreiten - nur Rasende oder Schwärmer stürzen sich über Hals und Kopf in eine Partei . So viel vom Oeffentlichen , worin du nun bald wieder den Namen deines Marcius wirst nennen hören . Etwas weniger günstig , aber nicht weniger lebhaft , bewegt es sich in meiner kleinen Welt . Die fromme Theophania ist eigensinnig , und ihre beschränkte Denkart setzt meinen Wünschen Hindernisse entgegen , die mich nur heftiger reizen . Sie muß mein werden , auf welche Art es sey . Nicht , daß ich so sehr verliebt in sie wäre - aber die Erscheinung ist neu , und mich unterhält das Sonderbare . Die Art der gewöhnlichen Weiber kenne ich auswendig , da ist nichts mehr , was mir unerwartet wäre , nichts mehr , das meine Phantasie spannen könnte . Bei Theophanien öffnet sich mir eine neue Welt , und ich fühle seit langer Zeit zum ersten Mal wieder mit wahrem Behagen alle Triebfedern meines Wesens in eine angenehme Spannung versetzt . Ich habe allerlei Plane entworfen , und du wirst nächstens den glücklichen Erfolg meiner Bemühungen hören ; denn ich muß eilen , an ' s Ziel zu gelangen , ehe meine künftige Bestimmung mich aus ihrer Nähe wegruft . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Alles dies , so wie die Stürmung der Kirchen an Einem Tage im ganzen Reiche ist geschichtlich . 65. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im Jänner 303 . Eine heftige Unruhe bewegt mein Innerstes , Furcht und Hoffnung wechseln jede Secunde , und bringen mich bald der Verzweiflung , bald der Seligkeit nahe . Es ist möglich - fasse das Entzücken , das in diesem Gedanken liegt ! - es ist möglich , daß Larissa noch lebt ; aber es ist auch möglich , daß sie meiner vergessen hat , daß ein Andrer - nein , das ist nicht möglich ! - Es ist Lästerung , dies auch nur zu denken . Wenn sie noch lebt , so liebt sie mich , wie nächtlich auch ihr Geschick , wie gebietend die Umstände seyn mögen , die sie hindern , mich ihr Daseyn wissen zu lassen . Aber ob sie noch lebt , ob die Luftgestalt , die vor mir schwebt , mehr als das ist - das liegt noch verhüllt im Schooße der Zukunft . Und was wird sie mir bringen ? Vor ungefähr acht Tagen komme ich zu Sulpicien . Calpurnia ist bei ihr , es ist die Rede von einer Zeichnung , die diese entworfen hat . Ich wünschte sie zu sehen . Man weigert sich eine Weile , endlich reicht Sulpicia mir ein Blatt , das neben ihr liegt . Stelle dir meine Ueberraschung , meine Verwirrung vor , als ich in der Zeichnung jene Scene meines Einzugs als Siegesbote erkenne . Ich war betroffen , gerührt , beschämt von Calpurniens unverdienter Güte . Auch sie erröthete und war verlegen , aber mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit fand sie sich bald wieder , und fing so unbefangen an , von der Zeichnung als Kunstwerk , als schwierige Aufgabe , zu sprechen , die sie sich selbst , um ihre Kräfte zu versuchen , gegeben habe , daß meine eigene Betroffenheit , aber auch mein freudiges Gefühl entwich , und nichts übrig blieb , als die Bewunderung ihrer Kunst und ihrer - Kälte . Endlich rief Sulpicia eine Sclavin , und befahl ihr , das Blatt einzupacken und abzusenden . Wohin ? fragte ich mit sehr natürlicher Neugierde , und erfuhr nun , daß im vorigen Herbst eine Fremde , die sich Theophania nannte , die eine Christin , Wittwe eines byzantinischen Kaufmanns war , und mit ihrem Vater nach Nikomedien reisen wollte , von den beiden Römerinnen im Vorbeireisen eingeladen worden war , die Nacht auf der Villa zuzubringen . Die Schwermuth der Fremden gewann ihr Sulpiciens Zuneigung . Im vertraulichen Abendgespräch kam die Rede auf jenes Bild . Die Fremde besah es , schien erschüttert , und verrieth dadurch , daß sie mich kenne . Am andern Morgen , wo Sulpicia sie sehr blaß und verstört fand , erklärte sie , daß ein plötzlicher Zufall sie zwinge , ihren Reiseplan zu verändern , und nach Nicäa zu gehen . Kein Bitten der beiden Frauen vermochte sie , nur eine Stunde länger zu verweilen . Sie reisete alsogleich mit ihrem Vater ab , und lebt nun in Nicäa , im Hause eines angesehenen Mannes , der sich Lysias nennt . Von hieraus hat sie ein Paarmal an Sulpicien geschrieben , und sich die Zeichnung ausgebeten . Die Erzählung machte mich aufmerksam , und erregte seltsame Vermuthungen in meiner Seele . Calpurnia schilderte mir die Gestalt der Fremden . Ach jeder Zug rief ein theures Bild zurück ! Alles traf ein , bis auf eine Narbe auf der Wange , die ich nie an Larissen bemerkt hatte