Herzogin dem Verbluten nahe war , und da ist ihr Blut in die Adern der Herzogin geleitet worden « , berichtete die Komtesse . » Antonie schreibt , ohne das wäre die Herzogin gestorben . O Gott , o Gott , es ist schauderhaft , ich hätte es nicht gekonnt . « » Himmel , wie schrecklich ! « riefen sämtliche Damen . » Wie mutvoll ! Das ist Rasse ! « sagte der kleine Offizier mit funkelnden Augen . » Tausend Wetter , das ist zum Verlieben ! « rief Seine Exzellenz und bekam dafür einen verweisenden Blick von seiner Frau Gemahlin . » Sie sah wunderbar schön aus « , flüsterte der Schwermütige noch melancholischer als gewöhnlich . » Dieser beneidenswerte Gerold ! « » Er hat übrigens seinen Abschied eingereicht « , erzählte der Husarenoffizier , » er will seine Güter selbst bewirtschaften . « » Was hast du noch , Lolo ? « ermunterte die Gräfin ihre Tochter . » Oh , sie hat so viele Brillanten bekommen « , erzählte eifrig die Komtesse , » und die alte Hoheit hat sie gepflegt wie eine Tochter und sie geherzt und geküßt . « » Ah , reizend ! « » Wann sie wohl heiraten werden ? « » Sie leben jedenfalls im Winter in der Residenz . « So ging es weiter . Im innersten Herzen gönnte keines dieser Klaudine das Glück , aber keines wagte , mit einem Wörtchen den Ruf von Baron Gerolds Braut anzutasten . Es rauschte so ganz anders jetzt in den Bäumen der Waldfrische , und die Damen beschlossen einmütig , der jungen Braut einen prachtvollen Blumenkorb zu spenden als ein Zeichen ihrer Dankbarkeit für die Rettung der geliebten Herzogin . Indessen war das Brautpaar vor dem Eulenhause angelangt . Gärtchen und Gebäude lagen friedlich im Abendsonnenschein und die durchbrochenen Rosetten der Klosterruine schimmerten rosig angehaucht . Klaudines schönes Gesicht ward plötzlich von einer peinvollen Angst belebt . Dort war ja die alte , rundbogige Haustür bekränzt mit Girlanden aus Spargelkraut und Rosen ! » Lothar « , flüsterte sie und berührte leicht seinen Arm beim Aussteigen , » ich bitte , nein , ich verlange von Ihnen – kehren Sie heim mit Beate , ich will Joachim erst vorbereiten . Ich kann hier nicht Komödie spielen , es geht über meine Kräfte . « Er kämpfte sichtlich mit einem Entschluß , aber ein Blick in die verzweifelten blauen Augen hieß ihn nachgeben . Er erwiderte kein Wort , er wandte sich nur und bat Beate , sitzen zu bleiben . Bis zur Haustür , wo die kleine Elisabeth ihr jubelnd entgegenlief , begleitete er sie und küßte ihr die widerstrebende Hand . » Wann wünschen Sie den Wagen nach Altenstein , heute abend ? « sagte er . » Sie gestatten selbstredend , daß ich Sie hinüberbegleite ? « Sie drehte sich eben in der Haustür um und nickte Beate abschiednehmend zu . » Ich danke Ihnen , Lothar « , klang es nun leise , aber bestimmt , » ich kehre nicht nach Altenstein zurück , ich bleibe hier . Ich werde die Herzogin hiervon benachrichtigen . Sie glauben es nicht ? « fuhr sie müde lächelnd fort , » ich versichere Sie , ich habe tatsächlich nicht die Kräfte zu diesem Spiel . Ich versuchte ja heute tapfer meine Pflicht zu tun , nicht wahr ? Haben Sie Mitleid mit mir ! « Sie neigte ernst den Kopf und ging ins Haus . Fräulein Lindenmeyer kam ihr entgegen . Die Alte fiel in freundlicher Hast beinahe über ihre Stubenschwelle . Sie hatte die rotbebänderte Haube auf und breitete beide Arme aus . » Ach , gnädiges Fräulein , welch ein Glück ! « rief sie weinend vor Freude . » O , wir wissen es schon , wir wissen es ! Des alten Heinemann Enkelin war da , sie hat es brühwarm hergebracht . Warum kommt der Herr Bräutigam nicht mit ? « Klaudine mußte sich umarmen und küssen lassen , dem herbeigeeilten Heinemann die Hände schütteln und Idas Glückwünsche entgegennehmen . Ganz betäubt stieg sie endlich die Treppe empor . Wie schwer war doch dies alles ! Joachim sah von seinem Hefte auf , als sie eintrat . Er brauchte erst ein paar Sekunden , um in die Wirklichkeit zurückzukehren . Dann sprang er auf , trat rasch zu ihr und hob ihren Kopf in die Höhe . » Meine tapfere kleine Schwester – und als Braut ? Sieh mich an , mein Liebling « , bat er . Aber sie hob die Wimpern nicht , von denen jetzt große Tropfen fielen . » Ach Joachim , Joachim ! « schluchzte sie . Er streichelte ihr über das weiche seidige Haar . » Weine nicht « , sagte er , » sprich lieber , was haben sie dir getan da draußen ? « Und da brach er los , der Sturm der Verzweiflung , schrankenlos , unaufhaltsam . Sie schonte sich nicht , sie verhehlte , bemäntelte nichts von der Demütigung , die erbarmungslos über sie gekommen war , gegen die ihr Stolz sich ohnmächtig auflehnte . » Und Joachim « , schluchzte sie wild auf , » das schrecklichste ist , daß ich ihn liebe , liebe , wie nur ein Mädchen lieben kann , seit Jahren schon ! An dem Tage , da er neben Prinzeß Katharine am Altar stand , habe ich gemeint , ich könne nicht weiterleben , und jetzt wirft mir das Schicksal hohnlachend das ersehnte Glück in den Schoß und sagt : » Da – aber behutsam ! Es ist nur Goldschaum , der darauf klebt , es ist nicht echt . Da hast du , um was du gebetet und geweint hast , jahrelang ! « – Glaube mir , er hat mich an sich genommen , so etwa wie er das Silbergeschirr auf der Versteigerung erstand , um jeden Preis , weil er lieber sterben würde , ehe er